Künstlerkult, Starkult – Phänomen oder kalkulierte Strategie?

Berühmte Künstler und ihre Mythen gehören untrennbar zusammen. Ihr Leben selbst wird zu einer Art Kunstwerk, je mehr Geschichten und Anekdoten sich um das Rätsel ihrer Kreativität ranken.  Michelangelo war einer der ersten, der seine eigene Außenwirkung aktiv mitgestaltete. Er ließ seinen Schüler, Ascanio Condivi, eine Gegenbiographie zu der bereits erschienenen von Giorgio Vasari schreiben. Der Usus, die eigene Person zu stilisieren, ist seitdem eine besondere Eigenschaft des künstlerischen Metiers geblieben, das in der heutigen Mediengesellschaft immer neue Präsentationsmöglichkeiten findet.

  • 21. Mai 2015

    Künstlerkult, Starkult - Phänomen oder kalkulierte Strategie?

    Bundeskunsthalle Bonn

    shutterstock/RoboLab

Die Spekulationen über das Leben von Kunstschaffenden regen zur Diskussion an. Sie werden öffentlich kritisiert oder gelobt, sie polarisieren. Beinamen wie „der Teufelsgeiger“ für Niccolò Paganini oder die Anekdoten über Francisco de Goya erzählen von besonderen Charakteren, die das Publikum in einer Grauzone zwischen Inspiration und Wahn verortet.
 
Welcher Strategien bedienen sich Künstlerinnen und Künstler, um die eigene Popularität zu steigern? Ist es zu kurz gegriffen, den Wunsch nach Bekanntheit und Anerkennung im Zusammenhang mit einer Wertsteigerung der eigenen Kunst zu sehen? Schließlich sind heutige Autorinnen und Autoren, die Presse, Kunstsammler und Wissenschaftler am Kult der Künstler
beteiligt und profitieren von ihnen. Sie sind auch in der Lage, Stars und Sternchen zu kreieren.
 
Aber nützt es Künstlerinnen und Künstlern überhaupt, Zentrum eines Kultes zu sein oder büßen sie nicht eigentlich ihre persönliche Freiheit ein und werden gezwungen, eine Rolle zu spielen, die den Erwartungen des Feuilletons genügt? Oder ist es etwa gerade der kluge Umgang mit der Öffentlichkeit, der sie zu Stars macht? Gibt es hierfür vielleicht sogar Grundsätze, die man erlernen kann? Was macht also einen Michelangelo zu einem Michelangelo und einen Lagerfeld zu einem Lagerfeld?
 
Zu einer Diskussion dieser und weiterer Fragen laden wir Sie herzlich in die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn ein. Ein Umtrunk im Anschluss gibt Gelegenheit zu weiterem Gedankenaustausch, zu Nachfragen, Kontroversen und Annäherungen.
 
Den Hintergrund für diese Podiumsdiskussion bildetenn die Ausstellungen „Der Göttliche. Hommage an Michelangelo“ (bis 25. Mai) und „Karl Lagerfeld. Modemethode“ (bis 13. September), die in der Bundeskunsthalle präsentiert wurden.

Es diskutierten:

Prof. Dr. Beatrice von Bismarck
Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

Prof. Dr. Thomas Kirchner
Deutsches Forum für Kunstgeschichte der Max Weber Stiftung

Prof. Dr. h. c. Markus Lüpertz
Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste

Prof. Dr. Barbara Vinken
Ludwig-Maximilians-Universität München

Moderation: Markus Brock


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