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Pressemitteilung

Zukunft der Arbeit- interdisziplinäre Expertengruppe empfiehlt Akzentverschiebung von einer Erwerbs- zu einer Tätigkeitsgesellschaft

Zukunft der Arbeit: interdisziplinäre Expertengruppe empfiehlt Akzent­verschiebung von einer Erwerbs- zu einer Tätigkeitsgesellschaft

Unsere Arbeitswelt verändert sich stark. Digitalisierung und Automatisierung erlauben oft orts­ungebundene Arbeit, die Abkehr von fossilen Brennstoffen zwingt uns zum Wirtschaften mit öko­logisch nachhaltigen Energien und Technologien, demografischer Wandel und Einwanderung verändern unsere Gesellschaft grundlegend. Aus diesen Entwicklungen erwachsen Chancen und Risiken. Eine interdisziplinäre und interakademische Arbeitsgruppe widmet sich die­sen in der heute veröffentlichten Stellungnahme „Die Zukunft der Arbeit“.

Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Frau Prof. Dr. h. c. Jutta Allmendinger, Ph.D. (Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Mitglied der Leopoldina und der Berlin-Branden­burgischen Akademie der Wissenschaften) schlägt vor, Erwerbsarbeit in ihrem Wechselspiel mit ande­ren Formen des Tätigseins zu betrachten, den Begriff der Arbeit weit zu fassen und unterschiedlichste Formen menschlicher Tätigkeit und deren Zusammenspiel in den Blick zu nehmen. Gesellschaftlicher Wohlstand, individuelles Wohlergehen und sozialer Zusammenhalt beruhen wesentlich auf Erwerbsar­beit. Gleichzeitig bedarf es zahlreicher anderer Tätigkeitsformen, um menschliche Bedürfnisse zu be­friedigen, Fähigkeiten zu entwickeln und gesellschaftliche Arbeit zu leisten. Diese erweiterte Sicht auf Arbeit rückt menschliche Potenziale und ein neu auszubalancierendes Verhältnis zwischen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Erfordernissen in den Mittelpunkt.

Mit dem Begriff der „Tätigkeitsgesellschaft“ wird eine Perspektiverweiterung auf das Verständnis von Arbeit vorgeschlagen, bei der neben klassischer Erwerbstätigkeit auch all jene Beschäftigungen be­rücksichtigt werden, die einen konkreten gesellschaftlichen Nutzen erbringen, wie beispielsweise Sor­gearbeit oder auch ehrenamtliche Arbeit. Diese ganz unterschiedlichen Formen von Arbeit sind eng miteinander verbunden und bedingen einander.

In der heute veröffentlichten Stellungnahme hat die Arbeitsgruppe Handlungsempfehlungen in fünf Feldern erarbeitet:

  • Tätigkeitsbiografien an demografischen Wandel anpassen und für mehr Flexibilität in der be­ruflichen Entwicklung sorgen, z.B. durch ein Miteinander von (reduzierter) Erwerbsarbeit, Rentenbezug und variablem Renteneintrittsalter.
  • Organisationsformen der Erwerbsarbeit an den digitalen Wandel anpassen, wie z.B. durch ein Miteinander von Erwerbsarbeit in Präsenz, mobilem Arbeiten und New Work Konzepten.
  • Bildung, Aus- und Weiterbildung stärker an den großen Herausforderungen ausrichten. Le­benslanges Lernen und eine kontinuierliche, selbstbestimmte Weiterentwicklung beruflicher Fähigkeiten und Kenntnisse ermöglichen eine sinnstiftende Beschäftigung über Jahrzehnte, die sich aktuellen persönlichen und gesellschaftlichen Bedarfen anpassen kann und überdies gesundheitsförderlich ist.
  • Geschlechterbezogene Ungleichheiten in der Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit abmil­dern, indem die Sorgearbeit von Männern gestärkt, mehr Flexibilität für die Vereinbarung von Sorgearbeit und Erwerbsarbeit geschaffen und Sorgearbeit in ihrer gesellschaftlichen Aner­kennung Erwerbsarbeit gleichgestellt wird.
  • Räumlich-bauliche Rahmenbedingungen anpassen und so auf veränderte Arbeitsformen und Bedarfe reagieren, wie es im Zuge des mobilen Arbeitens bereits teilweise begonnen hat.

Die Stellungnahme ist ein gemeinsamer Beitrag der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopol­dina und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften unter der Federführung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Die Akademien unterstützen Politik und Gesell­schaft unabhängig und wissenschaftsbasiert bei der Beantwortung von Zukunftsfragen zu aktuellen The­men. Ihre Mitglieder und weitere Experten sind hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft­ler aus dem In- und Ausland.

Am Samstag, 20. Januar 2024, wird die Stellungnahme im Rahmen des Salon Sophie Charlotte der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften der Öffentlichkeit vorgestellt. Mehr Infor­mationen unter https://salon.bbaw.de/programm/wissenschaftsforum-atrium

Die Stellungnahme „Die Zukunft der Arbeit“ ist auf den Webseiten der beteiligten Akademien veröf­fentlicht:
www.bbaw.de/publikationen/neuerscheinungen
www.akademienunion.de/neuerscheinungen
www.leopoldina.org/publikationen

Weitere Informationen zur Arbeitsgruppe und deren Mitgliedern finden Sie hier: https://www.bbaw.de/forschung/zukunft-der-arbeit

Gern vermittelt das Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften geeignete Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu unterschiedlichen Aspekten des Themas.

Kontakt
Dr. Ann-Christin Bolay, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Tel. +49 (0)30 20370-657, E-Mail:
bolay@bbaw.de

Caroline Wichmann, Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
Tel. +49 (0)345 472 39-800, E-Mail:
presse@leopoldina.org

Dr. Annette Schaefgen, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Tel.: +49 (0)30 / 325 9873-70, E-Mail: annette.schaefgen@akademienunion.de

 


Kontakt

Dr. Annette Schaefgen
Leiterin Berliner Büro
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


030 / 325 98 73 70
annette.schaefgen@akademienunion.de