Corpus Coranicum: Edition und Kommentar des Korans

Ziel des im Folgenden beschriebenen Vorhabens ist die Erarbeitung zweier grundlegender Desiderata der Koranforschung: eine kritischen Maßstäben genügende Edition des Korantextes und ein umfassender Kommentar des Korans, der diesen konsequent im Rahmen seines historischen Entstehungskontextes auslegt. Im Gegensatz zur derzeit allgemein verbreiteten Kairener Koranausgabe von 1923 soll das hier vorgestellte Editionsprojekt sowohl die frühesten Zeugnisse der schriftlichen Koranüberlieferung als auch die in der islamischen Literatur tradierten mündlichen Lesevarianten umfassend zugänglich machen.

Da das Schriftsystem früher Koranmanuskripte in z.T. hohem Grad mehrdeutig ist (etwa durch das Fehlen von Vokalzeichen oder konsonantenunterscheidenden Diakritika), empfiehlt sich eine strikte Trennung zwischen handschriftlichem Befund einerseits und mündlich überlieferter Lesung des Textes andererseits; die Edition wird deshalb die Form einer doppelseitigen Gegenüberstellung haben.

Der geplante Kommentar wird den Koran zunächst aus einer konsequent diachronen Perspektive in den Blick nehmen, d.h. als ein in über 2 Jahrzehnten sukzessive gewachsenes Korpus, welches formale, inhaltliche und terminologische Differenzen aufweist und in dem frühere Texte durch spätere Rückbezüge und Ergänzungen vielfach aus- und umgedeutet werden. Der Kommentar verfolgt zweitens einen surenholistischen Ansatz, welcher zumindest die mekkanischen Koransuren als durch nachweisbare Aufbaukonventionen und eine entsprechende Formensprache strukturierte literarische Einheiten anerkennt. Drittens beruht er auf einer umfassenden Heranziehung jüdisch-christlicher Intertexte.

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