
Schlaf gut! Aber wie?
20.06.2026
Trotz sommerlicher Hitze zog die Aktion „Schlaf gut! Aber wie?“ am vergangenen Samstag, den 20. Juni 2026, zahlreiche Besucherinnen und Besucher an die AHA-Themeninsel „Gesundheit“ auf der Münchner Ludwigstraße. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, sich im Rahmen des AHA Super Science Summer Club und der Dialogreihe „Fit für morgen!“ zum Wissenschaftsjahr 2026 wissenschaftlich fundiert und niederschwellig zu informieren.
Großes Interesse an gesundem Schlaf beim Zamanand-Festival
Die Gemeinschaftsaktion der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW), acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und AHA – The Science Communication Hub hatte es sich zum Ziel gesetzt, einen öffentlichen Austausch auf Augenhöhe zu schaffen. Dabei sollten gezielt auch Menschen angesprochen werden, die abseits solcher Großveranstaltungen seltener den Weg in wissenschaftliche Einrichtungen finden. Schlaf wurde hierbei als eine der zentralen Säulen von Gesundheit und Prävention – neben Bewegung, Ernährung und sozialen Kontakten – in den Fokus gerückt.
Wissenschaftlicher Dialog statt Mythenbildung
Der niedrigschwellige Einstieg in die Thematik funktionierte über ein interaktives Schlaf-Quiz, das als Eisbrecher diente. Birte Balzer, technische Assistentin im Schlaflabor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, zog eine positive Bilanz der Methode: „Also erstmal habe ich ihnen das Quiz angeboten und über das Quiz sind dann die Fragen entstanden und dadurch kam das Gespräch zustande.“ Anhand von Alltagsfragen wurden Besucherinnen und Besucher zur Selbstreflexion angeregt und kamen direkt mit dem Expertenteam der Ambulanz für Schlafmedizin des Instituts ins Gespräch.
Besonders häufig korrigiert werden musste dabei die scheinbar plausible Annahme, dass ein gesunder Schlaf ausnahmslos durchgehend verlaufen müsse. Wie Dr. Matthias Knop, Oberarzt und Leiter der Schlafambulanz, im Nachgang berichtete, war die Frage, ob nächtliches Aufwachen zu einem guten Schlaf dazugehöre, der absolute Spitzenreiter bei den Falschantworten. Die meisten Gäste waren fest davon überzeugt, dass man idealerweise komplett durchschlafen müsse. Dass man in der Realität jedoch immer wieder kurz wach wird, überraschte viele – laut Knop bot gerade dieser weit verbreitete Irrglaube einen hervorragenden Hebel, um unkompliziert mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Er betonte den präventiven Charakter des Formats: „Man kann schon mit Aufklärungsgesprächen ohne große Diagnostik viele Befürchtungen nehmen und zu Verbesserungen beitragen.“
Zwischen Selbstoptimierung und konkreten Beschwerden
Das Publikum spiegelte einen Querschnitt der Bevölkerung wider: Ältere Paare und Einzelpersonen suchten den Pavillon ebenso auf wie Studierende und junge Erwachsene. Die inhaltlichen Interessen unterschieden sich dabei je nach Lebenslage deutlich. Während ältere Gäste vermehrt Fragen zu veränderten Schlafstadien und dem nachlassenden Tiefschlaf im Alter äußerten, stand bei jüngeren Menschen die Anwendung von Smartwatches und Fitness-Trackern im Vordergrund.
Das Expertenteam ordnete die Datenerhebung dieser Wearables ein. Die gewonnenen Schlafdaten könnten Orientierung und Einblicke in die eigenen Schlafmuster bieten. Zugleich warnten die Fachleute vor einem verbissenen Optimierungswahn. Wenn der Zwang zur Perfektionierung von Leistung oder Lebensdauer die Oberhand gewinnt, schlage das Bemühen oft in Stress und Verunsicherung um.
Neben der Diskussion um Trends und allgemeiner Neugier rund um aktuelle Forschung zum Thema Schlaf suchten viele Betroffene auch handfesten Rat bei konkretem Leidensdruck wie chronischen Schlafstörungen oder dem Gefühl eines zu hohen Schlafbedürfnisses.
Gerade das Thema Schnarchen entpuppte sich dabei als ein Phänomen, das viele Gäste beschäftigt – und das neben medizinischen Ratschlägen auch Raum für ein Augenzwinkern bot. Eine Besucherin berichtete etwa sehr plastisch von den akustischen Herausforderungen einer Hüttenübernachtung nach einer ausgiebigen Pilgerwanderung.
Praxisnahes Rahmenprogramm und Fazit
Ergänzt wurde das Dialogangebot durch eine Reihe praktischer Angebote. Während eine Ruheoase mit Liegestühlen und Entspannungsmusik über Kopfhörer einen Kontrapunkt zum lebhaften Festivaltreiben setzte, boten Kreativstationen für Kinder – wie das Basteln von Lavendelsäckchen und das Gestalten von Buttons – einen kindgerechten Zugang. Für den Transfer in den Alltag standen Informationskarten mit wissenschaftlich fundierten Tipps, weiterführenden Links sowie Abend-Tee-Beutel und Ohrstöpsel zur Verfügung.
Die hohe Verweildauer der Gäste überraschte angesichts der Rahmenbedingungen auch das Team vor Ort. Birte Balzer resümierte: „Angesichts der großen Hitze an diesem Tag hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass die meisten Menschen im Freibad oder Biergarten sind – umso überraschender und erfreulicher war das enorme Interesse.“
Am Ende zeigte der Tag auf dem Festival: Das Interesse an verlässlichen Informationen ist groß, wenn die Wissenschaft dorthin kommt, wo die Menschen ohnehin schon unterwegs sind. Die Mischung aus lockerer Festival-Atmosphäre, praktischen Alltagstipps und dem direkten Draht zu den Experten hat funktioniert. Für das Team war die Aktion ein voller Erfolg, der zeigt, wie unkompliziert und alltagsnah Gesundheitsprävention im öffentlichen Raum sein kann.
Kontakt
Dr. Annette Schaefgen
Leiterin Berliner Büro
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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