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Wissenschaftsjahr

Fit für morgen! Ein Präventions-Salon im Herzen Berlins

30.09.2026

Prävention mitten auf dem Gendarmenmarkt

Zur Abendveranstaltung: Fit für morgen! Wie gelingt Prävention?

Zu den Denkanstößen aus der Wissenschaft

Sonne über dem Berliner Gendarmenmarkt, Passantinnen und Passanten halten inne, schreiten durch eine begehbare Arterie, betrachten medizinische Exponate an Thementischen und sprechen mit Forschenden über Gesundheit. Am 30. September wurde der Gendarmenmarkt von 12 bis 16 Uhr zum offenen Präventions-Salon: Unter dem Motto „Fit für morgen!“ luden die Akademienunion und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2026 – Medizin der Zukunft dazu ein, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Gesundheitsförderung kennenzulernen und mit Expertinnen und Experten zu diskutieren.

Das Konzept war bewusst niedrigschwellig: Wer über den Platz kam, konnte spontan stehen bleiben, Platz nehmen, Fragen stellen oder an Mitmachangeboten teilnehmen. In Kooperation mit Einrichtungen wie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke, dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und der Einstein Stiftung entstand so ein Wissenschaftsformat mitten im öffentlichen Raum, begleitet von gesunder Verpflegung und Livemusik von Yehjin Chun (Cello) und Haesue Lee (Bratsche).

Wie wird aus Wissen Verhalten?

Als Gastgeber und Moderator führte Prof. Dr. Christoph Markschies, Präsident der Akademienunion und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), durch den Nachmittag. Direkt vor dem Denkmal für Friedrich Schiller schlug er eine Brücke zu dessen medizinischer Dissertation über das Verhältnis von Körper und Geist. Daraus leitete er eine Frage ab, die bis heute aktuell ist: „Warum schaffe ich das nicht, das Präventionswissen, das ich habe, in mein Verhalten umzusetzen?“

Damit war der rote Faden des Nachmittags gesetzt: Prävention beginnt mit wissenschaftlicher Erkenntnis, wirksam wird sie aber erst, wenn Wissen Menschen erreicht und für ihren Alltag relevant wird.

Genau hier setzt die neue Interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Zielgerichtete Prävention“ der BBAW an. Ihre Sprecherin Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich beschäftigt sich mit der Frage, wie Prävention evidenzbasiert und zugleich stärker auf unterschiedliche Risiken und Lebenssituationen zugeschnitten werden kann. Dabei geht es nicht nur darum, was nachweislich gesund hält, sondern auch darum, wie Empfehlungen vermittelt werden, welche Barrieren ihrer Umsetzung entgegenstehen und wie Vertrauen in Präventionsangebote entsteht.

Prävention beginnt früh

Wie unterschiedlich Prävention je nach Lebensphase aussehen kann, zeigte sich an den Thementischen. Im Gespräch mit Kinderarzt und Podcaster Dr. Nibras Naami ging es unter anderem um kindliches Übergewicht und die Unsicherheit vieler Eltern angesichts widersprüchlicher Gesundheitsinformationen. Er verwies auf die besondere Bedeutung der ersten 1.000 Lebenstage von der Schwangerschaft bis zum zweiten Geburtstag:

„Jüngste Forschungsergebnisse zeigen immer mehr, dass Kinder ganz früh geprägt werden. [...] Da wird der Grundstein gelegt.“

Frühe Prävention bedeutet dabei auch, Eltern zu erreichen und ihnen Orientierung zu geben. Naami verwies deshalb auf digitale Formate wie Podcasts und soziale Medien, über die wissenschaftlich fundiertes Wissen direkt im Familienalltag ankommen kann.

Vom individuellen Risiko zu gemeinsamen Bedingungen

Geburtsmediziner Prof. Dr. Wolfgang Henrich fasste fünf zentrale Einflussfaktoren für die persönliche Gesundheit zusammen: „Erstens Verzicht auf Rauchen. Zweitens Verzicht auf Alkohol. Drittens Bewegung. Viertens gesunde Ernährung. Und fünftens Vermeidung von Einsamkeit.“ Alle fünf Faktoren hingen miteinander zusammen, betonte er.

Wie zielgerichtete Prävention konkret aussehen kann, wurde unter anderem beim Thema Ernährung greifbar. Am Stand des DIfE konnten Besucherinnen und Besucher mit dem Deutschen Diabetes-Risiko-Test ihr persönliches Erkrankungsrisiko einschätzen. Aus der allgemeinen Frage „Wie gesund lebe ich?“ wurde so eine individuelle: „Welche Risiken bringe ich mit und wo kann ich etwas verändern?“

Zentral war auch das Thema psychische Gesundheit. Eine Frage aus dem Publikum führte zur Diskussion, wann Angst noch eine normale Reaktion ist und wann sie behandlungsbedürftig wird.

Angst erfülle zunächst eine wichtige Schutzfunktion, erklärten die anwesenden Expertinnen und Experten für psychische Gesundheit. Sie sei etwas Überlebensnotwendiges. Problematisch werde Angst, wenn sie über längere Zeit mit starkem Leiden verbunden ist oder den Alltag erheblich einschränkt. Prävention bedeutet hier, Belastungen möglichst früh wahrzunehmen und Unterstützung zugänglich zu machen.

Auch bei Kindern und Jugendlichen geht es um solche frühen Ansatzpunkte, etwa im Zusammenhang mit ADHS. Prävention bedeutet dabei nicht, jede Erkrankung verhindern zu können, sondern Auffälligkeiten früh wahrzunehmen, Familien Orientierung zu geben und passende Unterstützung anzubieten.

Prävention braucht Rahmenbedingungen

Weitere Gespräche behandelten Themen wie geschlechtersensible Medizin, Bluthochdruck und unterschiedlichen Wirkungen von Medikamenten sowiedigitale Gesundheitsanwendungen. Dabei wurde deutlich: Gesundheit lässt sich nicht allein über individuelle Vorsätze steuern.

Ob Menschen gesundheitsfördernde Entscheidungen treffen können, hängt auch von ihrem sozialen Umfeld, ihren Lebensbedingungen und dem Zugang zu verlässlichen Informationen und medizinischer Versorgung ab. Zielgerichtete Prävention muss deshalb individuelle Risiken und Möglichkeiten ebenso berücksichtigen wie die Bedingungen, unter denen Menschen leben.

An den Mitmachstationen wurde dieser Anspruch praktisch. Besucherinnen und Besucher konnten sich unter anderem mit dem Neugeborenen-Screening beschäftigen und erfahren, wie seltene Erkrankungen bereits kurz nach der Geburt erkannt werden können. Eine weitere Station vermittelte anschaulich die schweren Folgen eines Schütteltraumas bei Säuglingen.

Der Präventions-Salon zeigte damit Wissenschaft nicht als fertige Sammlung von Empfehlungen, sondern als Ausgangspunkt für Gespräche: darüber, was Menschen selbst verändern können, wo Unterstützung nötig ist und welche gesellschaftlichen Bedingungen gesundheitsförderndes Verhalten ermöglichen.

Noch mit dabei waren u. a.:

Wolfgang Henrich (Charité, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin)
Gertraud Turu Stadler (Charité, Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin)
Malek Bajbouj (Charité, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie)
Christine Heim (Charité, Direktorin des Instituts für Medizinische Psychologie)
Claudia Buß (Charité, Professorin im Institut für Medizinische Psychologie)
Freia De Bock (Charité, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft & Leitung Forschungsbereich Gesund Aufwachsen)
Sibylle Winter (Charité, Stellv. Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters)
Constanze Bickelmann (Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke)
Heinrich Audebert (Charité, Stellv. Direktor der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie)
Peter Kühnen (Charité, Direktor der Klinik für pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie)
Philip Bufler (Charité, Direktor der Klinik für Pädiatrie m. S. Gastroenterologie, Nephrologie und Stoffwechselmedizin)



Impressionen


Denkanstöße aus der Wissenschaft

Stellungnahme der Wissenschaftsakademien

acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften | Nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina | Akademienunion (Hrsg.): „Datengetriebene Demenzprävention" (Stellungnahme), München 2026.

Stellungnahmen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Präventions-Gourmet-Menu „Fit für morgen“

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Der Präventions-Salon ist Teil des Projekts „Fit für morgen!“ von Leopoldina, acatech, Akademienunion, BAdW und BBAW im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2026 – Medizin der Zukunft des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie Teil des Projekts „Wissenschaft - und ich?!“ von DFG, HRK, Akademienunion, BBAW und Wissenschaft im Dialog. 

Kontakt

Dr. Annette Schaefgen
Leiterin Berliner Büro
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


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