Vergessene Stücke: Gerlind Reinshagen
13.05.2026
18:00 Uhr
Akademiegebäude am Gendarmenmarkt
Leibniz-Saal
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin
Gerlind Reinshagen (1926–2019) gehört zu den wichtigen Stimmen des Theaters der Nachkriegszeit. Sie war überhaupt die erste Frau, die sich als Autorin auf den Bühnen der alten Bundesrepublik behaupten konnte.
Ihre Dramatik spiegelt individuelle Lebensgeschichten in größeren historischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen: Ihre Stücke eröffnen einen Zugang zu Themen wie Identität, Verantwortung, Generationenerfahrung, gesellschaftlichem Wandel und dem Verhältnis von privatem Erleben und politischer Wirklichkeit.
Auch wenn Gerlind Reinshagen nur einen Lyrikband veröffentlicht hat – ihr letztes Buch „Atem anhalten“ von 2018 –, verstand sie sich immer in erster Linie als Dichterin. So zeichnen sich ihre Theaterstücke durch ein besonderes Formbewusstsein aus. Ihre Dialoge sind präzise, oft vielschichtig und lassen Raum für Deutung und Widerspruch. Sie eignen sich in besonderer Weise für die performative Vermittlung an Schülerinnen und Schüler, weil sie nicht nur gelesen, sondern auch szenisch, analytisch und im Gespräch erschlossen werden können. Schülerinnen und Schüler begegnen hier keiner einfachen Botschaft, sondern offenen Konstellationen, in denen Haltungen, Konflikte und historische Erfahrungen befragt werden müssen.
Die Auswahl der Stücke (u.a. „Sonntagskinder“, „Tanz, Marie“) verfolgt das Ziel, unterschiedliche Facetten ihres Schreibens sichtbar zu machen: zum einen die Verbindung von persönlicher Geschichte und gesellschaftlichen Umbrüchen, zum anderen die Frage nach individueller Handlungsmacht in historischen Prozessen. Reinshagens Texte führen exemplarisch vor, wie Konflikte zwischen den Generationen, politische Prägungen und soziale Rollen nicht abstrakt, sondern in konkreten Figurenbeziehungen erfahrbar gemacht werden können. Dadurch können Schülerinnen und Schüler sowohl literarische Mittel des Dramas untersuchen als auch eigene Gegenwartsbezüge herstellen.
Im Mittelpunkt des Erinnerungsabends aus Anlass von Gerlind Reinshagens 100. Geburtstag stehen daher Fragen wie:
Wie prägen gesellschaftliche Verhältnisse das Leben des Einzelnen?
Wie wirken politische Systeme in familiäre oder persönliche Beziehungen hinein?
Welche Verantwortung trägt das Individuum innerhalb historischer Entwicklungen?
Und schließlich: Wie kann Theater Erfahrungen sichtbar machen, die sich nicht einfach dokumentarisch erzählen lassen?
Mit Sophie Brunner (Choreografin), Jan Bürger (Deutsches Literaturarchiv Marbach), Michael Rotschopf (Schauspieler), Schülerinnen und Schülern der 8. Klasse des Beethoven-Gymnasiums, Simon Strauß (Theaterkritiker der FAZ), Angela Winkler (Schauspielerin) und Christina Wüstenhagen (Choreografin)
Eine Veranstaltung der Reihe „Vergessene Stücke“ in Kooperation zwischen dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, gefördert von der Stiftung Berliner Sparkasse.
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