Zum Hauptinhalt springen
Vortrag

Kommunikation mit Ketzern. Religiöse Differenz im Reich Theoderichs des Großen

Hans-Lietzmann-Vorlesung

05.12.2025

18 Uhr
Akademiegebäude am Gendarmenmarkt
Einstein-Saal
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin

Theoderich der Große herrschte in Italien als gotischer König und gestützt auf ein gotisches Heer über Untertanen, die seiner Kanzlei als Römer galten. Er selbst, seine Nachfolger und die große Mehrheit seiner Goten bekannten sich zu einem Glauben, der im Imperium Romanum seit langem verboten war. 

Die moderne Forschung nennt diesen Glauben homöisch, aber für die Bischöfe der Reichskirche ebenso wie für diejenigen Italiens war er nichts anderes als „Arianismus“, eine gefährliche Irrlehre, die unnachgiebig zu bekämpfen sei. Die große Mehrheit seiner römischen Untertanen hingegen gehörte Gemeinden an, deren Bischöfe sich als „katholisch“ verstanden und jegliche Gemeinschaft mit „Arianern“ ablehnten; nur die Juden führten daneben eine anerkannte Sonderexistenz.

Gleichwohl bestand im gotischen Italien und gefördert durch den König ein Zustand faktischer Koexistenz zwischen der „homöischen“ Kirche der mit Theoderich eingewanderten Goten und der einheimischen, „katholischen“ Kirche der Mehrheitsgesellschaft. Man kann daher von einer Art Bikonfessionalität sprechen. Diese Konstellation war jedoch instabil und prekär, da alle christlichen Kirchen der Spätantike der Auffassung waren, es gebe in Wahrheit nur eine Kirche; wer deren Glaubensbekenntnis nicht teile, stehe außerhalb der wahren Kirche. Die Koexistenz mehrerer Glaubensgemeinschaften mit unterschiedlichen Bekenntnissen ließ sich daher theologisch nicht rechtfertigen; konfessionelle Pluralität war in diesem Kontext prinzipiell undenkbar.

Der Vortrag beschäftigt sich mit Frage, wie die bikonfessionelle Situation sich auf die Kommunikation zwischen gotischen Herrschern und katholischen Untertanen auswirkte: Wie war es möglich, religiöse Fragen zu thematisieren, ohne die konfessionelle Differenz anzusprechen? Welche Themen wurden ausgeklammert? Welche Formen der Kooperation zwischen „katholischer“ Kirche und „homöischem“ König waren möglich und welche nicht? Von besonderem Interesse ist dabei die Rolle, die Theoderich in den Auseinandersetzungen um das römische Bistum spielte: Als es 498 zu einer Doppelwahl kam, wurde der König als Schiedsrichter angerufen und entschied für Symmachus. 501 berief er eine Synode nach Rom, die über Anklagen gegen Symmachus befinden sollte, und nahm Einfluss auf ihren Verlauf. Als die Synode Symmachus ohne Untersuchung in seinem Amt bestätigte, ignorierte der König diese Entscheidung und führte dadurch das „Laurentianische Schisma“ herbei.

Ein Vortrag von Hans-Ulrich Wiemer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg).


Eine Veranstaltung des Akademienvorhabens »Die alexandrinische und antiochenische Bibelexgese in der Spätantike« in Kooperation mit der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.



Aktuelle Veranstaltungen

Kooperationen Geisteswissenschaft im Dialog
03.06.2025

Max Weber Stiftung und Akademienunion gehen neue Wege in der Wissenschaftskommunikation

Die Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (MWS) und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften (Akademienunion) verlängern ihre bewährte Kooperation im Rahmen der Initiative „Geisteswissenschaft im…

Weiterlesen
Pressemitteilung Akademientag
18.09.2025

Einander verstehen – Gemeinsam in die Zukunft Akademientag am Heidelberger Herbst, 27. September 2025

Am 27. September 2025 findet der diesjährige Akademientag im Herzen der Altstadt am Universitätsplatz in der neuen Aula der Universität Heidelberg statt – die Gemeinschaftsveranstaltung der Akademienunion und ihrer acht Mitgliedsakademien. Diesmal…

Weiterlesen
Nachrichten
11.11.2025

Wissenschaft in stürmischer See - Sicherheit in Krisen? Jahresempfang der Akademienunion

Am Montagabend, 10. November 2025, konnten wir Gäste aus Wissenschaft und Forschung, Politik und dem Kreis der Freunde der Akademien bei unserem Jahresempfang begrüßen.

Weiterlesen

Kontakt

Dr. Annette Schaefgen
Leiterin Berliner Büro
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


030 / 325 98 73 70
annette.schaefgen@akademienunion.de