Karl Jaspers: „Wohin treibt die Bundesrepublik?“
Workshop mit anschließendem Vortrag
08.04.2024
Göttingen
Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
15:30 Uhr
15:30 Uhr Workshop
Dr. Bernd Weidmann (Heidelberg)
Der Titel dieser 1966 publizierten Schrift klingt überraschend aktuell, der Inhalt ist es weniger. Jaspers hat den für ihn enttäuschenden Ausgang der beiden Bundestagsdebatten über die Verjährung von NS-Verbrechen im März 1965 zum Anlass genommen, die bundesdeutsche Politik seit 1949 auf ihren Willen zu einem radikalen Neuanfang zu befragen. Sein Urteil fiel vernichtend aus. Mit Blick auf die bestehende Parteienoligarchie und die geplante Notstandsgesetzgebung sah er die Bundesrepublik als einen zunehmend autoritären Staat auf dem Weg zur Diktatur.
Ist das Buch aufgrund dieses politischen Fehlurteils heute nur noch von historischem Interesse? Der Vortrag führt in die Thematik des Textes ein, rekonstruiert seine Entstehungsgeschichte und schließt mit einem Vorschlag, worin auch heute noch seine Relevanz liegen könnte.
17:00 Uhr Vortrag
Prof. Dr. Joachim Ringleben (Göttingen): "Die Hegel-Darstellung und -Kritik von Karl Jaspers"
Hegels Philosophie des absoluten Geistes gilt als das eigentliche Gegenstück zur Existenzphilosophie - auch was das Programm einer in sich geschlossenen, vermeintlich endgültigen Enzyklopädie philosophischen Wissens betrifft. In der Tat gehen wesentliche Ansätze der Existenzphilosophie auf die Hegel-Kritik beim späten Schelling und bei Kierkegaard zurück. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Jaspers hat sich bereits in der „Psychologie der Weltanschauungen“ konstruktiv mit Hegel auseinandergesetzt, der für ihn zeitlebens einer der wichtigsten Antipoden geblieben ist. Obwohl die Relevanz des Themas „Jaspers und Hegel“ offensichtlich ist, stellt Jaspers‘ Arbeit an Hegel in der Forschung noch immer ein Desiderat dar.
Ort: Vortragssaal der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Karlstr. 4, 69117 Heidelberg
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