IGL-Vortragsreihe 2026: Prof. Dr. Damaris Nübling zum Thema „Sprachliche Mensch-Tier-Grenze diachron“
21.04.2026
19:00 Uhr
Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz
Plenarsaal der Akademie
Geschwister-Scholl-Str. 2
55131 Mainz
Der Vortrag ist Teil der IGL-Vortragsreihe 2026: „Von Ochsen, Pferden und Hunden - Arbeitstiere in der Geschichte“. Die Vortragsreihe widmet sich den vielfältigen und oft unterschätzten Kooperationen zwischen Menschen und Tieren in Arbeitskontexten.
Von der Feldarbeit über den Antrieb von Mühlen, dem Schutz von Tier und Mensch bis hin bis zum Gütertransport – Ochsen, Pferde oder Hunde wurden schon seit mehreren Jahrtausenden als lebende Ressourcen in wirtschaftliche Prozesse des Menschen eingebunden. Aus diesen Arbeitsbeziehungen gingen nicht nur ökonomische, sondern auch soziale Strukturen und Arbeitskulturen hervor. Ein Arbeiten mit Tieren bedeutete und bedeutet bis heute eben nicht nur die Nutzung ihrer Kraft, sondern auch eine Beziehung zu einem Lebewesen. Erst mit dem Aufkommen der Verbrennungsmotoren ändert sich dieses Verhältnis signifikant, da Maschinen einen Großteil der Aufgaben übernehmen. Die Vortragsreihe zielt damit vornehmlich auf die aktiven Rollen von Tieren und die Mensch-Tier Beziehungen in gemeinsamen Arbeitsprozessen.
In unserer Sprache ist diese enge Beziehung zwischen Mensch und Arbeitstier jedoch bis zum heutigen Tag repräsentiert. Begriffe wie „Pferdestärke“ oder „Arbeitstier“ aber auch Sprichwörter wie „die Last auf den Schultern tragen“ oder „wie ein Ochse ziehen“, zeigen, wie sehr die Arbeitstiere einst das tägliche Leben der Menschen prägten – und wie nachhaltig ihr Einfluss bis in die Gegenwart reicht.
Zeitlich spannt die Reihe einen weiten Bogen – von der Antike bis in die Gegenwart. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Wandel der Mensch-Tier-(Arbeits-)Beziehungen über die Jahrhunderte hinweg. Während technologische Umbrüche – etwa die Erfindung der Eisenbahn oder die Mechanisierung der Landwirtschaft – häufig als Ende der Tierarbeit gedeutet werden, wollen die Beiträge der Reihe zeigen, dass solche Phasen vielmehr zu einer Transformation führten: Die Aufgaben der Tiere veränderten sich, ihre Bedeutung aber blieb bestehen oder gewann sogar an neuer Relevanz.
In den einzelnen Vorträgen wird zunächst die Nutzung von Arbeitstieren in der Antike untersucht: Anhand von archäologischen Befunden, literarischer Quellen und ikonografischer Darstellungen wird gefragt, welche Rolle Tiere in Landwirtschaft, Handel oder im Militär spielten. Im Anschluss richtet sich der Blick auf das Mittelalter und die Frühe Neuzeit, Epochen, in denen sich vielfältige Arbeitstierkulturen herausbildeten. In diesen Zeiten gewannen Tiere nicht nur als Arbeitskräfte, sondern auch in rechtlicher, sozialer und symbolischer Hinsicht an Bedeutung. Zuletzt richten wir unseren Blick auf Redewendungen, Metaphern und Begriffe, die bis heute im Alltag Verwendung finden. Diese sprachlichen Besonderheiten spiegeln die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier im Arbeitsalltag wider.
Ein Vortrag von Prof. Dr. Damaris Nübling, Germanistische Linguistik.
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