Kurz nachgefragt ...

Text Albers

Prof. Dr. Wolfgang Klein ist Gesamtkoordinator des neu eingerichteten „Zentrums für digitale Lexikographie der deutschen Sprache (ZDL)“. Der Sprachwissenschaftler ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und leitet das dortige Akademieprojekt „Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS)“, das eines der größten Vorhaben im von der Akademienunion koordinierten Akademienprogramm ist.

  • Gesamtkoordinator des „Zentrums für digitale Lexikographie der deutschen Sprache (ZDL)“

    ... bei Prof. Dr. Wolfgang Klein

    BBAW

Ende Januar wurde das ZDL offiziell eröffnet. Was ist das Besondere an diesem Projekt?
Es ist zum einen nicht ein einzelnes Akademievorhaben, sondern ein auf lange Sicht geplanter Zusammenschluss der großen Wörterbücher der Akademien. Dabei sollen aber auch andere einschlägige Forschungsstätten mitwirken; zunächst ist das das Mannheimer Leibniz Institut für Deutsche Sprache; weitere – darunter auch Verlage – sollen schrittweise eingebunden werden. Zum andern ist es eine Verbindung von traditioneller, sachkundiger Philologie mit neuen digitalen Methoden; die technische Basis dafür liefert das bereits laufende und viel genutzte „Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache“. Und zum dritten ist es auf lange Sicht angelegt; die deutsche Sprache entwickelt sich ja beständig weiter, und das gilt insbesondere für den Wortschatz, der – mit kleinen Verlusten hie und da – insgesamt immer reicher wird.

Welche Ziele verfolgen die Akademien damit?
Gute Wissenschaft zu betreiben, die von großem gesellschaftlichen Nutzen ist, und dies mit den neuesten Methoden, die man dafür einsetzen kann.    

Und welchen Nutzen hat das ZDL für Bürgerinnen und Bürger?
Jeder, der etwas über die Bedeutung oder die Schreibweise, die Aussprache oder die Herkunft deutscher Wörter wissen will, kann sich über das Internet kostenlos und auf solider Grundlage darüber informieren. Ebenso kann er sich in umfassenden, zunächst etwa von 1600 bis in die Gegenwart reichenden Korpora vor Augen führen, wie die Wörter tatsächlich im Textzusammenhang verwendet werden. So kann man sich selber auch ein Bild von den Eigenschaften all der Wörter verschaffen, die sich nicht im Einzelnen durch geschulte Lexikographen beschreiben lassen; dazu ist nämlich der deutsche Wortschatz mit derzeit mindestens fünf Millionen Wörtern viel zu umfangreich. Im ZDL kann jeder sozusagen selber zum Lexikographen werden. Dazu zählt auch, dass man selber das Aufkommen und Verschwinden von Wörtern statistisch untersuchen kann. All das lässt sich nur durch einen schrittweisen Aufbau erreichen, und an diesem Aufbau sollen sich auch jede Nutzerin und jeder Nutzer beteiligen können.


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