Kurz nachgefragt ...

Prof. Dr. Michael Heinemann ist Professor für Historische Musikwissenschaften an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Er ist Experte für Bachrezeption im 20. Jahrhundert und leitet gemeinsam mit Dr. Thomas Synofzik, Direktor des Robert-Schumann-Hauses in Zwickau, das Akademievorhaben Edition der Briefe Robert und Clara Schumanns mit Freunden und Künstlerkollegender Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Das Projekt wird seit 2010 im Akademienprogramm gefördert.

  • Leiter des Akademieprojekts „Edition der Briefe Robert und Clara Schumanns mit Freunden und Künstlerkollegen“ der SAW Leipzig

    ... bei Prof. Dr. Michael Heinemann

    Foto: privat

Robert und Clara Schumann haben die Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts nachhaltig geprägt – was erforschen Sie genau in Ihrem Forschungsprojekt?

Die Schumann-Briefedition ist als Korrespondenzausgabe angelegt werden, die nicht nur die Briefe Robert und Clara Schumanns zugänglich macht. Vielmehr erschließt sie als historisch-kritische Edition erstmals den Gesamtbestand dieser Korrespondenz: vom Liebesbrief zur Geschäftsnotiz, von Nachrichten aus dem europäischen Musikleben zu Berichten über den Entwicklungsweg der Kinder, von Zuschriften mit Artikeln für die Neuen Zeitschrift für Musik bis zu Details von Vertragsverhandlungen mit einer kaum zu übersehenden Zahl von Verlagen in ganz Europa

Welche neuen Erkenntnisse eröffnen die „Künstlerbriefe“ über Leben und Wirken Clara und Robert Schumanns für Wissenschaft und Öffentlichkeit?

Der im Rahmen des Akademieprogramms geförderte Teil des Projekts umfasst die Briefwechsel mit Freunden und Künstlerkolleg*innen, darunter nicht nur die bereits in weiten Teilen bekannten, jedoch bislang nicht in kritischen Editionen verfügbaren Korrespondenzen mit Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy und Joseph Joachim, sondern auch die nur in geringen Auszügen erschlossenen Briefwechsel mit Stephen Heller, Ferdinand Hiller, Ignaz Moscheles oder Julius Rietz, ferner alle Schriftstücke in Zusammenhang mit der Redaktionstätigkeit für die Neue Zeitschrift für Musik, die mit ihren vielfältigen Eingriffen Schumanns in die ihm übersandten Texte gänzlich neue Einblicke nicht nur in seine journalistische Arbeit, sondern auch die Grundzüge seine Ästhetik erlauben.

Welche Anknüpfungspunkte hat Ihr Forschungsprojekt zu anderen Projekten aus dem Akademienprogramm?

Die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig hat einen gewissen Schwerpunkt mit Themen zur regionalen Geschichte, die sich in Mitteldeutschland als besonders reich darstellt. Mit der Ausgabe der musikalischen Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy gibt es unmittelbare Berührungspunkte, die mit der Herausgabe von Briefen und Dokumenten befassten Wissenschaftler*innen tauschen ihre Erfahrungen in einer Kommission Interkulturelle historische Grundwissenschaften aus, auch und gerade im Blick auf neue Methoden von Textkritik und Editionspragmatik.


© Union der deutschen Akademien der Wissenschaften 2014