Kurz nachgefragt ...

Text Hatt

Prof. Dr. Dr. Hanns Hatt ist seit September 2015 Präsident der Akademienunion. Am 1. September 2018 trat er seine zweite Amtszeit für drei weitere Jahre an. Von 2010 bis 2015 war er Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, einer der Mitgliedsakademien der Akademienunion und von 2012-2015 Vizepräsident der Akademienunion.

  • Präsident der Akademienunion seit 2015

    ... bei Prof. Dr. Dr. Hanns Hatt

    Foto: AWK NRW

Am 1. September haben Sie Ihre zweite Amtszeit als Präsident der Akademienunion angetreten. Was sind Ihre Ziele für diese Amtszeit?
In den vergangenen Jahren ist es uns bereits gelungen, die Zusammenarbeit der Akademien deutlich voranzubringen. Das gemeinsame Ziel der Akademien ist es, diesen Prozess noch weiter zu intensivieren, insbesondere gilt es unser gemeinsames geisteswissenschaftliches Forschungsprogramm – das Akademienprogramm – weiterzuentwickeln. Im nächsten Jahr besteht das Forschungsprogramm 40 Jahre, dies ist ein wichtiger Anlass für uns, um die Forschungsarbeit der Akademien zum kulturellen Erbe noch stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, jedoch auch um strukturelle und inhaltliche Impulse für eine dynamische Weiterentwicklung des Programms zu setzen.

Welche Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Akademienprogramms sollen in den nächsten Jahren konkret getroffen werden?
Die Forschungen im Akademienprogramm dienen der Bewahrung und Sicherung des kulturellen Welterbes. In den Akademien wird dieser Wissensschatz aus der Vergangenheit mit modernsten Methoden erforscht, aufbereitet und für die künftige Generationen gesichert und verfügbar gemacht. Dabei spielt die umfangreiche Digitalisierung und langfristige Speicherung der Daten der Akademieforschung eine entscheidende Rolle. Mit der in diesem Jahr etablierten AGATE-Plattform ist die Akademieforschung erstmals einheitlich klassifiziert und online recherchierbar und der Weg auch für die weitere Vernetzung der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung an den europäischen Akademien bereitet. Zudem möchten wir die Clusterbildung bei den Forschungsprojekten vorantreiben, um Synergien zu fördern. Darüber hinaus sind vor allem die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie die stetige Erhöhung der Chancengleichheit wichtige Themen in den Akademien.

Welche Rollen spielen die Wissenschaftsakademien in unserer heutigen Gesellschaft?
Wissenschaft hat die Aufgabe, Gesellschaft und Politik bei den schwierigen Herausforderungen, die uns aktuell und in Zukunft beschäftigen, zu begleiten, zu beraten und Entscheidungshilfen zu liefern. Hierbei ist es aus meiner Sicht unerlässlich, die sozial-und geisteswissenschaftliche Expertise noch viel stärker als bisher einzubeziehen. Sei es bei Themen wie „Migration“ oder „Demografischer Wandel“, wo dies ohnehin naheliegt. Dies gilt aber auch für Fragen zur „Energiewende“ und „Industrie 4.0“ – also gerade dann, wenn es darum geht, Auswirkungen von neuen Technologien auf den Menschen und die Sozialsysteme zu verstehen und auch zu lenken. Die Mitgliedsakademien der Akademienunion bringen hier besondere Kompetenz mit, da sie mit ihrer disziplinären Vielfalt und interdisziplinären Zusammenarbeit in einzigartiger Weise die deutsche Wissenschaftslandschaft repräsentieren. Diese möchten wir künftig noch stärker einbringen. Dabei müssen wir stets darauf achten, die zum Teil sehr komplexen wissenschaftlichen Sachverhalte den Bürgerinnen und Bürgern verständlich zu kommunizieren und mit diesen im Dialog zu bleiben.


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