Die Editio critica maior des griechischen Psalters

Seit mehr als hundert Jahren wird in Göttingen die große kritische Gesamtedition des griechischen Alten Testaments, die Editio critica maior der Septuaginta, vorbereitet. In den Jahren 1908 bis 2015 lag die Veranwortung für dieses gewaltige Editionsvorhaben, das die Edition des Psalters stets ausnahm, beim "Septuaginta-Unternehmen“, 2016 wurde eine Forschungskommission, die "Kommission zur Edition und Erforschung der Septuaginta“, mit den noch verbliebenen Editionsüberhängen betraut.

Seit dem 1.1.2020 ist ein neues Langzeitvorhaben Teil des Akademienprogramms, das ein wesentliches Desiderat der Grundlagenforschung zum Gegenstand hat: “Die Editio critica maior des griechischen Psalters”. Der Psalter ist eines der am meisten verbreiteten, am kompliziertesten überlieferten und am häufigsten ausgelegten Bücher der Bibel. Als liturgisches Gebets- und individuelles Meditationsbuch verbindet er Judentum mit abendländischem und orthodoxem Christentum. Seine Ausstrahlung auch in die Dichtung (z.B. Arnold Schönberg, Moderne Psalmen; Paul Celan, Tenebrae), Musik (z.B. Igor Stravinsky, Symphony of Psalms; Leonard Bernstein, Chichester Psalms) und bildende Kunst (z.B. Marc Chagall, Psalmen Davids) reicht bis in die Gegenwart und macht ihn zu einem der Grundlagentexte der europäischen Literatur, gar der Weltliteratur.

  • Die Editio critica maior des griechischen Psalters

    Dr. Felix Albrecht, der in einem Faksimile des Codex Vaticanus „B“ blättert. Hintergrund: Historische Forschungsbibliothek der Arbeitsstelle. Foto: Adrienne Lochte.

Ziel des neuen Psaltervorhabens ist die Erforschung der Überlieferungs- und Textgeschichte des Septuagintapsalters, die in der Ausarbeitung einer neuen kritischen Edition der Psalmen und Oden münden wird, welche die inzwischen völlig veraltete Edition von Alfred Rahlfs aus dem Jahre 1931 ersetzen wird. Am Ende soll der kritische Text in einer Hybrid-Edition vorliegen: Als gedrucktes Buch und in öffentlich zugänglicher, digitaler Form.

Zurück zur Übersicht

© Union der deutschen Akademien der Wissenschaften 2014