
Schon gewusst… dass wir Fakten statt Floskeln von unseren Forschenden zum Akademientag 2026 erhalten
Sprache ist mehr als Worte. Sie beeinflusst politische Debatten, prägt digitale Kommunikation, schafft Zugehörigkeit und transportiert Emotionen. Doch vieles, was wir über Sprache zu wissen glauben, stimmt nur teilweise – oder gar nicht. In unserer Reihe „Fakten statt Floskeln“ präsentieren Forschende überraschende Erkenntnisse, räumen mit verbreiteten Halbwahrheiten auf und geben spannende Einblicke in die Themen des Akademientags 2026.
Vier Themen – vier Perspektiven auf Sprache



Sprache & Emotionen
Schon gewusst… dass emotionale Gedichte an ganz bestimmten Stellen messbare Gänsehaut auslösen können?
Beim Lesen oder Hören besonders bewegender Gedichte zeigt sich Gänsehaut nicht nur subjektiv: Sie lässt sich objektiv über die Haut messen. Überraschend ist, dass viele Menschen an denselben Versen reagieren. Diese „Gänsehautmomente“ lassen sich somit über Personen hinweg vorhersagen – ein Hinweis darauf, dass Sprache Emotionen auf erstaunlich ähnliche Weise auslösen kann.
Dr. Eugen Wassiliwizky
Schon gewusst… dass loben, glauben, erlauben und Urlaub mit Liebe sprachverwandt sind?
Die deutschen Begriffe gehen letztlich auf die indogermanische Wurzel *leu̯bʰ- (‚lieb sein, gefallen; betören; verwirren) zurück. Im Germanischen hatte sich die Bedeutung verengt zu lieb sein oder Gunst gewähren. So entwickelte sich glauben aus dem Vertrauen, das man jemandem schenkt, und erlauben aus der Gewährung von Gunst. Urlaub bezeichnete einst die Erlaubnis zu gehen.
Dr. Svenja Bonmann
Schon gewusst… dass unsere innere Stimme unsere Stimmung beeinflusst?
Wie wir in unserer inneren Rede mit uns selbst sprechen, prägt maßgeblich, wie wir die gemeinsam mit anderen geteilte Welt erleben. Situationen werden von uns nicht einfach passiv wahrgenommen, sondern aktiv gedeutet und interpretiert. Viele der Einstellungen, Bewertungen und Urteile, die dabei unser Erleben beeinflussen, bleiben implizit und werden uns oft weder bewusst noch reflektiert. Andere hingegen vollziehen wir aktiv in unserer inneren Rede – indem wir mit uns selbst oder imaginär mit anderen sprechen. Auf diese Weise bestimmt unsere innere Stimme unser Erleben im wahrsten Sinne des Wortes – und damit auch unsere Stimmung.
Dr. Philipp Schmidt-Boddy
Zum Panel: Gefühltes Wissen: Wie Musik, Wissenschaft und Gesellschaft über Emotionen sprechen
Mehr entdecken beim Akademientag
Die hier vorgestellten Fakten sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Diskussionen des Akademientages „Von Moin bis Meme. Sprache macht Gesellschaft“. Besuchen Sie die Panels, kommen Sie mit Forschenden ins Gespräch und entdecken Sie, wie Sprache unsere Gesellschaft prägt.
8. September 2026
Alte Mensa Göttingen
Eintritt frei