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Alevitisches Archiv: Ethnohistorie alevitischer Gemeinschaften in Anatolien, 16.-20. Jh.


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Das Projekt erforscht und dokumentiert die historischen Lebenswelten alevitischer Gemeinschaften in Anatolien vom 16. bis ins 20. Jahrhundert.

Aleviten bilden eine nicht offiziell anerkannte sozioreligiöse Minderheit in der Türkei (10–15 Prozent der Bevölkerung), deren Verhältnis zum Islam umstritten ist. Historisch stehen sie in Verbindung zu den Kızılbaş („Rotköpfe“), die einen charismatischen Islam praktizierten und seit Ende des 15. Jahrhunderts mit dem Orden der Safawiden im Iran verbündet waren. Bisher geht die Forschung davon aus, dass sich die Aleviten aufgrund anhaltender staatlicher Repression im Laufe des 16. Jh. in entlegene Gebiete Anatoliens zurückzogen und bis ins frühe 20. Jh. in dieser Isolation verharrten. Zentrale Charakteristika des Alevitentums bezüglich Sozialstruktur, Ritual und Endogamiegebot entwickelten sich demnach weitgehend abgeschieden von einem feindlich gesinnten sunnitischen Umfeld. Bis heute hat dieses Narrativ eine große soziale und politische Wirkmacht und prägt die Debatte um die historische und religionsgeschichtliche Einordnung der Aleviten. Dabei wurde es bisher nie anhand umfassender empirischer Materialien systematisch überprüft.

Innenraum des Mausoleums eines alevitischen Heiligen, Hüseyin Abdal (Sivas, Türkei)

Alevitisches Archiv: Ethnohistorie alevitischer Gemeinschaften in Anatolien, 16.-20. Jh.

Betreuende Akademie
Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

Arbeitsstelle und Sitzland
Leipzig, Sachsen

Typ
Editionen: Mittlere und Neuere Geschichte

Vorhabennummer
II.D.49

Das Archivum Alevicum fokussiert Siedlungsdynamiken und Prozesse der Gemeindewerdung alevitischer Gruppen in deren komplexen Beziehungen zum Staat sowie zu Sunniten, Christen und anderen religiösen und sozialen Gruppen. Mithilfe einer für diese Forschungsfragen innovativen Methodenkombination (Ethnohistorie) und auf Basis bisher noch nicht genutzter und miteinander verknüpfter Quellenbestände (u. a. osmanische Archivalia, Handschriften aus alevitischen Sammlungen, mündliche Überlieferungen und materielle Kultur) sollen die historischen Lebenswelten der Aleviten rekonstruiert werden. Hiermit leistet das Projekt zudem einen grundlegenden Beitrag zur anatolischen Sozial- und Religionsgeschichte. Der integrierte Digital Humanities-Ansatz ermöglicht dem Projekt die strukturierte Erfassung, Analyse und Vernetzung der erhobenen Daten in einer hierfür geschaffenen virtuellen Forschungsumgebung. Aufbereitete Daten werden so weit als möglich öffentlich gestellt. Als Grundlagenforschung zur alevitischen Sozial- und Religionsgeschichte leistet das Archivum Alevicum auch einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des kulturellen Erbes der Aleviten.

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