Die Akademienunion und ihre Akademien sind wichtige „Schrittmacher“ in den Digital Humanities (DH). So hat der Wissenschaftsrat 2020 festgestellt, dass die Akademien auf dem „Feld der Digital Humanities unter dem Dach der Union besonders eng“ zusammenarbeiten und die Projekte des Akademienprogramms inzwischen „nahezu ausnahmslos digitale Komponenten“ enthalten. Deshalb wurde die AG „eHumanities“ eingerichtet, um einen regelmäßigen Austausch über technische Verfahren und ggf. gemeinsame Lösungen und somit akademienweite „Best Practices“ zu etablieren. Die AG „eHumanities“ bietet mithin den Mitgliedsakademien der Akademienunion ein Forum zum Informationsaustausch, zur kooperativen Entwicklung von gemeinsamen Lösungen und zur Beratung von Fragen des Urheberrechts, digitaler Publikation und Open Access.
Zudem ist die AG „eHumanities“ das interakademische Forum für die Koordination der erfolgreichen Initiativen und Aufgaben der Akademien im Rahmen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).
Leitbild Digitale Transformation
Die Akademienunion hat sich für das Akademienprogramm, das gemeinsame Forschungsprogramm der deutschen Akademien der Wissenschaften, ein Leitbild zur Digitalen Transformation gegeben. Die Digitale Transformation bietet große Chancen, im Akademienprogramm partizipative Zugänge zu Kultur, Sprache und Wissen zu realisieren und kulturelle Artefakte und Wissensträger digital zu bewahren. Damit wird eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für Analysen und Reflexionen zu historischen wie gegenwärtigen Gesellschaften und kulturellen Identitäten gelegt.
Arbeitsgruppe eHumanities
In der Arbeitsgruppe eHumanities, die unter dem Dach der Akademienunion eingerichtet wurde, beschäftigen sich bereits seit 1999 Expertinnen und Experten aus der Informatik, den Sprach- und Literaturwissenschaften, der Rechtswissenschaft und der Computerlinguistik sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Forschungsprojekten des Akademienprogramms mit Fragen des Urheberrechts, der elektronischen Speicherung, mit Standards, Tools und Software sowie mit Fragen des Open Access und der langfristigen Verfügbarkeit der elektronischen Daten. Einmal im Jahr organisiert die Akademienunion einen gemeinsamen Workshop zu einem Spezialthema des elektronischen Publizierens.
Akademien in der NFDI
Die Wissenschaftsakademien engagieren sich seit Beginn der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) für den Aufbau nachhaltiger Strukturen zur Sicherung, Bereitstellung und Nachnutzung von Forschungsdaten. Als zentrale Institutionen der vier geisteswissenschaftlichen NFDI-Konsortien stellen sie Daten, Infrastrukturen und Expertise bereit und wirken maßgeblich an der Entwicklung gemeinsamer Standards und Dienste mit. Dabei bauen sie auf ihre langjährige Erfahrung im Umgang mit komplexen geisteswissenschaftlichen Forschungsdaten und einzigartigen Beständen des kulturellen Erbes auf. So tragen die Wissenschaftsakademien dazu bei, Forschungsdaten dauerhaft zugänglich, interoperabel und nachnutzbar zu machen und die digitale Forschung in Deutschland nachhaltig zu stärken.
KI im Akademienprogramm
Durch die Verbindung einzigartiger und umfangreicher Datenbestände des verflochtenen kulturellen Erbes mit innovativen digitalen Methoden nimmt das von der Akademienunion koordinierte Akademienprogramm eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Anwendung von KI in den Geistes- und Kulturwissenschaften ein. Die Bandbreite der Anwendungen reicht von der automatisierten Handschriftenerkennung über die Namens- und Entitätserkennung in historischen Texten sowie die KI-gestützte Informationsextraktion bis hin zum Training von Modellen für historische Sprachstufen.
Auch im fachlichen Austausch innerhalb des Akademienprogramms nimmt das Thema KI einen wichtigen Stellenwert ein, etwa in den Themenkonferenzen und den Jahresworkshops der AG eHumanities. Dort werden Erfahrungen, Kompetenzen und praxisnahe Anwendungsszenarien geteilt, diskutiert und gemeinsam weiterentwickelt
Digitalisierungszentren der Akademien und Kooperationen
In den vergangenen Jahren gingen aus den Mitgliedsakademien der Akademienunion Einrichtungen hervor, die IT-Lösungen im Bereich der Digital Humanities aufgebaut und weiterentwickelt haben:
- Digitale Akademie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz
- TELOTA der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
- Koordinierungsstelle Digital Humanities der Nordrhein-Westfälsichen Akademie der Wissenschaften
- HAdW digital der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
- Digitale Akademie der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
- KompetenzwerkD an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig für die außeruniversitären, geisteswissenschaftlichen Forschungseinrichtungen in Sachsen
- LOD.ACADEMY der Akademien der Wissenschaften und der Literatur | Mainz und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
- Leibniz Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Darüber hinaus kooperieren die Akademien mit mehreren führenden Digitalisierungszentren in Deutschland:
- Cologne Center for eHumanities (CCeH)
- Göttingen Centre for Digital Humanities (GCDH)
- Kompetenzzentrum – Trier Center for Digital Humanities
- Zentrum für Forschungsdatenmanagement Hamburg (FDM-Zentrum)
- Hamburger Zentrum für Sprachkorpora (HZSK)
BMFTR-geförderte Projekte
Bestandsaufnahme und Analyse geistes- und sozialwissenschaftlicher Grundlagenforschung an den europäischen Wissenschaftsakademien
Die Akademienunion und der europäische Akademienzusammenschluss All European Academies (ALLEA) haben von August 2013 bis Oktober 2015 ein Projekt durchgeführt, in dessen Rahmen eine Bestandsaufnahme und Analyse geistes- und sozialwissenschaftlicher Grundlagenforschung an den europäischen Wissenschaftsakademien erarbeitet wurde. Ein besonderer Schwerpunkt bei der Erhebung und Auswertung war die Digitalisierung der Forschungsprojekte.
Aufbau eines europäischen Akademienportals
Das Projekt verfolgte zwischen November 2015 und Juni 2017 das Ziel, ein Konzept für eine paneuropäische digitale Infrastruktur zu erarbeiten, welche die Sichtbarkeit und Findbarkeit der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung an den Akademien verbessert und internationale Kooperationen befördert. Dazu wurden die Grundanforderungen für ein zukünftiges europäisches Akademienportal für die Geistes- und Sozialwissenschaften (European Academies Internet Gateway, kurz: AGATE) ermittelt und Möglichkeiten geprüft, bestehende Angebote und Lösungskonzepte zu integrieren, weiterzuverwenden und anzupassen.
Offen für alle? Zugang gestalten in den Digital Humanities
Berlin | Akademiegebäude am Gendarmenmarkt | Markgrafenstraße 38
Der Jahresworkshop der AG eHumanities der Akademienunion steht 2026 unter dem Titel „Offen für alle? Zugang gestalten in den Digital Humanities“. Mögliche Perspektiven umfassen…
„Nachhaltigkeit und KI“: Zwischenbilanz der Göttinger Digitalen Akademie
Göttingen | Niedersächsische Akademie der Wissenschaften | 9:00 Uhr
Nachhaltigkeit und KI sind zwei Schlagworte, die sich sowohl widersprechen als auch ergänzen. Der Energieverbrauch von KI-Rechenzentren scheint aktuell ins Grenzenlose zu steigen.…
Kontakt
Dr. Katharina Herget
Projektreferentin „Digital Humanities“
06131 / 218 528 18
katharina.herget@akademienunion.de
