Zur Geschichte des Akademienprogramms

Langfristforschung hat in Deutschland eine weit zurückreichende Tradition. Ihre Wurzeln liegen am Beginn des 19. Jahrhunderts, als im Zuge der Gründung der historischen und philologischen Wissenschaften erste Forschungsunternehmungen initiiert wurden, deren Umfang und Dauer schon von Beginn an die Arbeitskraft und -zeit einer einzelnen Forscherpersönlichkeit überstiegen. Solche Projekte wurden vielfach außerhalb der auf die Lehre konzentrierten Universitäten in den forschungsorientierten Wissenschaftsakademien begonnen, und bilden dort bis heute einen Schwerpunkt der Arbeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Langfristprojekte der Akademien vorwiegend mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. In den 1970er Jahren wurde jedoch deutlich, dass eine Förderung von Projekten mit einer solchen zeitlichen Dauer mit dem zentralen Auftrag der DFG kollidierte, wissenschaftliche Projekte in wettbewerbsorientierten Verfahren befristet zu fördern. Die Maßgabe der Forschungskontinuität und Entscheidungen über langfristige Mittelfestlegungen verlangten einen Förderrahmen eigener Art.

Bund und Länder verständigten sich daher 1979 auf die Einrichtung und paritätische Finanzierung des mittlerweile 40 Jahre lang bestehenden Akademienprogramms als Gemeinschaftsaufgabe. Träger der Forschungsprojekte sind die deutschen Akademien der Wissenschaften, koordiniert wurden sie vom Zusammenschluss der Akademien, damals „Konferenz“, der heutigen Union der deutschen Akademien der Wissenschaften.

Ein erster wichtiger Schub für den Ausbau des Akademienprogramms erfolgte bereits 1980 durch die Übernahme einer größeren Gruppe von Musikeditionen aus der Förderung der Stiftung Volkswagenwerk. Bis 1991 wuchs das Akademienprogramm auf diese Weise von ursprünglich 70 Projekten und einer Fördersumme von 18,6 Mio. DM auf 101 Projekte mit einem Förderbedarf von 42,2 Mio. DM an. Nach der Wiedervereinigung erfuhr das Akademienprogramm eine weitere Ausweitung durch die Übernahme von 60 Langzeitprojekten der ehemaligen Deutschen Akademie der Wissenschaften der DDR und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Zudem erfolgten immer wieder Übernahmen, bisher von der DFG geförderter Langfristprojekte in den Bestand des Programms.

Im Jahr 2000 wurden die gesamte Durchführung und die Koordination des Akademienprogramms in die Hände der Akademienunion gelegt. 2004 und 2009 erfolgten Evaluierungen des Akademienprogramms durch den Wissenschaftsrat. Auf dessen Empfehlung hin wurden bis Ende 2015 die letzten naturwissenschaftlichen Forschungsprojekte im Programm beendet oder in andere institutionelle Förderungen überführt. Das Akademienprogramm ist seither fokussiert auf die langfristig angelegte geistes- und sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung.

 


© Union der deutschen Akademien der Wissenschaften 2014