Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz

- Geistes- und sozialwissenschaftliche Klasse -


Wörterbuch der deutschen Winzersprache

Vorsitzender der Kommission Prof. Dr. Hans-Henrik Krummacher

Abb.: Traube der Rebsorte "Affenthaler"

Projektleiter Prof. Dr. Wolfgang Haubrichs
Hauptamtliche Mitarbeiter Dr. Maria Besse, Arbeitsstellenleiterin
Dr. Roland Puhl
N.N.
Anschrift Benzinoring 6
67657 Kaiserslautern
Telefon (0631) 360 1531
Fax (0631) 360 1974
E-Mail wdw@winzersprache.de

Bei dem Akademie-Projekt "Wörterbuch der deutschen Winzersprache (WDW)" handelt es sich um ein europäisches Fachwörterbuch zur älteren Terminologie des Weinbaus und zur Weinkultur in allen deutschen bzw. (ehemals) deutschsprachigen Weinbaugebieten West-, Mittel-, Südost- und Osteuropas. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen neben dem mündlich überlieferten, vorwiegend dialektal geprägten Winzerwortschatz die Kulturtechniken vornehmlich vor der Phase der Technisierung, die im Weinbau etwa ab den 1960er Jahren verstärkt einsetzte. 

Das Untersuchungsgebiet umfasst alle Weinbaugebiete in Deutschland (Ahr, Baden, Franken, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel-Saar-Ruwer, Nahe, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Saale-Unstrut, Sachsen, Württemberg) sowie zahlreiche deutsche Sprachinseln in Europa. Es reicht von Luxemburg im Westen bis zum Kaukasus im Osten und von der Saale und Unstrut sowie Sachsen im Norden bis nach Südtirol im Süden. Die Sprachdaten stammen aus über 20 Staaten: Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Georgien, Italien, Kroatien, Liechtenstein, Luxemburg, Moldawien, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweiz, Serbien-Montenegro, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine und Ungarn. 

Die Materialgrundlage des WDW wurde Anfang der 1980er Jahre in direkter Methode durch standardisierte Fragebogenerhebungen mit Speicherung der Interviews auf Tonband geschaffen. Die unersetzlichen, vielerorts letztmalig erhobenen Sprachquellen im Untersuchungsgebiet, besonders aus den deutschen Sprachinseln, stellen eine erstrangige Geschichtsquelle für zahlreiche Disziplinen dar. Das von Prof. Dr. Wolfgang Kleiber initiierte und von Prof. Dr. Wolfgang Haubrichs fortgeführte WDW-Akademie-Projekt verfolgt die lexikographische Darstellung der Winzerfachsprache im engeren Sinn. Lexikalisch-semantische, wortgeographische und sachkundliche Aspekte stehen hierbei im Vordergrund. Der gesamte, zum Teil schon historisch gewordene Winzerwortschatz wird hierbei in folgende Sachbereiche untergliedert: Rebe, ihre Teile und Rebsorten, Weinberg, Weinbergsarbeit, Traubenlese, Presse und Mostbereitung, Weinbereitung und Wein, Weingenuss und Winzerbrauchtum.  

Die Erarbeitung des multimedialen Wörterbuchs erfolgt ausschließlich mit Hilfe der modernen Informationstechnik am Computer:

Das Wörterbuch wird streng alphabetisch nach Stichwörtern gegliedert, die sich, wo es sinnvoll erscheint, an der neuhochdeutschen Schriftsprache orientieren. Die Wortartikel werden durch sog. Zentralartikel ergänzt, die durch Abarbeitung der Sachkunde, Synonymik und Heteronymik die inhaltliche Vernetzung herstellen. Das geplante Wörterbuch ist auf zwei gedruckte Bände im zweispaltigen Lexikonformat mit durchschnittlich 1.600 Spalten pro Band angelegt und wird durch eine begleitende digitale Edition (DVD o. ä.) ergänzt.  

Die Publikation des Wörterbuchs erfolgt parallel zum Arbeitsfortschritt: Bereits im Jahr 2004 wurden erste Forschungsergebnisse als Online-Wörterbuch im Internet unter http://www.winzersprache.de/onlinewb/ für jedermann zugänglich veröffentlicht. Die weiteren Ergebnisse werden fortlaufend als Multimedia-Ausgabe (mit integrierten digitalen Bild-, Karten- und Sprachaufzeichnungen), sog. WDW-CD/DVD-Vorabversionen, herausgegeben. So ist die WDW-CD-1 mit den bearbeiteten Teilbereichen „Rebe“ und „Weinberg“ und  Stand Herbst 2005 seit Sommer 2006 beim S. Hirzel Verlag, Stuttgart erhältlich. Die abschließende Druckfassung mit begleitenden digitalen Medien ist für das Jahr 2011 geplant. Das "Wörterbuch der deutschen Winzersprache (WDW)" ist ein Standardwerk für Germanisten, Romanisten, Dialektologen, aber auch Historiker, Volkskundler und alle interessierten Winzer und Weinfreunde. 

Weitere Informationen im Internet und in Publikationen: