THESAVRVS LINGVAE LATINAE
an der
Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Geschichte
1893 beschlosen
die damaligen fünf deutschsprachigen Akademien gemeinsam den Thesaurus linguae
Latinae als ein vollständiges historisches Lexikon des antiken Latein zu schaffen;
im Jahr 1894 wurde in Göttingen
und München mit der Materialsammlung
begonnen. 1899 wurde die Ausarbeitung begonnen; die erste Lieferung erschien
1900.
Schon in den ersten Jahren zeigte
sich, daß man – wie bei allen Wörterbüchern ähnlich umfassender Art – die
Schwierigkeiten des Projektes unterschätzt hatte. Adäquate Methoden der
Ausarbeitung konnten erst aus der
Praxis entwickelt werden und mußten sich ausweitenden Erwartungen (z. B. größere
Rolle des Spätlatein) gerecht werden, so daß man in den ursprünglich veranschlagten
15 Jahren nur bis zur Hälfte des D kam.
Die politischen Katastrophen des 20.
Jh. brachten die Arbeiten immer wieder zum Stocken, so daß 1949 mit der Gründung der
Internationalen Thesaurus-Kommission ein Neubeginn gesetzt werden mußte.
Inzwischen wird das Lexikon von 28 deutschen und ausländischen Akademien und
wissenschaftlichen Gesellschaften gemeinsam getragen und ist heute (2006) zu über zwei Dritteln
fertig bearbeitet und lieferbar (bis zum Buchstaben P). Der Verlag K.G. Saur,
bei dem die gedruckte Ausgabe des Thesaurus erscheint, hat eine elektronische
Version erstellt, die in ihrer 4. Auflage nun alle Artikel mit vielfältigen
Recherche-Möglichkeiten bietet.
Materialsammlung
Um
sicherzustellen, daß das Material auch bei größeren Stichwörten überschaubar
bleibt, wurde es folgendermaßen ausgewählt: Die älteren Texte (bis gegen Ende
des 2. Jh. n. Chr.) wurden vollständig aufgenommen; die jüngeren Texte
(bis ca. 600 n. Chr.) wurden exzerpiert, d. h. Materialzettel wurden nur
für diejenigen Stellen angelegt, die irgendwie bemerkenswert erschienen. Damit
gelang eine Reduktion des Materials auf das lexikalisch Relevante. Die Zettel
(mehr als 10 Mio.), die oft zusätzlich textkritische und interpretatorische
Notizen enthalten, sind die Grundlage der lexikographischen Arbeit; im
Bedarfsfall werden digitalen Datenbanken zusätzlich herangezogen. Auch nach der
Publikation der Artikel behält das Zettelarchiv, das eine wesentlich größere
Anzahl von Autoren und Werken als die bis jetzt verfügbaren elektronischen
Textcorpora umfaßt, seinen Wert als Forschungsgrundlage.
Ausarbeitung
Der Bearbeiter überprüft unter Zuhilfenahme von
modernen Editionen, Kommentaren und sonstiger Literatur sämtliche Belege des
Stichwortes in bezug auf Textkonstitution sowie auf Prosodie, grammatische Form
etc. und interpretiert das Material in semantischer und syntaktischer Hinsicht.
So werden die für das betreffende Stichwort adäquaten Darstellungskategorien
entwickelt und Gruppen von zusammengehörenden Erscheinungen gebildet, die nun,
in entsprechende Ordnung gebracht, die Geschichte dieses Wortes beschreiben.
Vom Redaktor überarbeitet und von Generalredaktor und
auswärtigen Spezialisten kontrolliert, bietet der gedruckte Artikel dem
Benützer die Summe aller gemachten Beobachtungen, und zwar hauptsächlich in
Form der nach Bedeutungen und Gebrauchsweisen gegliederten Belege der
jeweiligen Stichwörter; da der relevante Kontext der Stellen meist mitzitiert
wird, können die im Artikel aufgestellten Behauptungen in der Regel sofort
nachvollzogen werden.
Kontakt
Thesaurus linguae LatinaeAlfons-Goppel-Str. 11D-80539 MünchenTel.: xx49/(0)89/230 31-1160Fax: xx49/(0)89/230 31-1275mail: tll@thesaurus.badw.deweb: www.thesaurus.badw.de