Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters –
Repertorium Fontium Historiae Medii Aevi (www.repfont.badw.de)
Mit dem Voranschreiten der großen europäischen Quellensammlungen zur mittelalterlichen Geschichte im 19. Jahrhundert entstand das Bedürfnis, sich mit Hilfe eines «Wegweisers», eines Generalverzeichnisses, einen schnellen Zugang zu Überlieferung, kritischen Ausgaben und Kommentarliteratur zu verschaffen. Ein solches Generalverzeichnis (mit normierender Titel- und Werkbestimmung) erstellte der deutsche Mediävist und Bibliothekar August Potthast (1824-1898), dessen «Bibliotheca historica medii aevi» 1896 in zweiter Auflage erschien. Dieses noch heute nützliche Werk war jedoch nach einigen Jahren nicht mehr aktuell. Nach dem Zweiten Weltkrieg regte das «Istituto storico italiano per il medio evo» (Rom) 1953 eine Neubearbeitung unter gesamteuropäischer Zusammenarbeit an. Das in Rom redigierte, als Buch ausgedruckte «Repertorium Fontium Historiae Medii Aevi» umfasst bislang zehn Bände und wird mit einem ausstehenden Band 2007 abgeschlossen werden.
Die Bearbeitung des deutschen Quellenanteils lag seit 1964/65 bei der «Kommission für das Repertorium Fontium Historiae Medii Aevi» der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und den Monumenta Germaniae Historica (MGH). Als sich seit der Mitte der 1980er Jahre die Möglichkeiten andeuteten, die im EDV-Einsatz liegen, fasste der Kommissionsvorsitzende und damalige Leiter der MGH, Prof. Dr. Horst Fuhrmann, eine Aktualisierung und Fortführung des Repertorium auf elektronischem Weg ins Auge. Mit dem rasanten Aufbau des Internet seit ca. 1995 wurde dieser Plan realisierbar; Repertorien zu mittelalterlichen Quellen wurden zunehmend elektronisch erstellt bzw. online publiziert (vgl. die belgisch-niederländischen Quellen www.narrative-sources.be).
Bei der Alternative zwischen Datenbank und pdf-Publikation entschied sich die Repertorium-Kommission für die zweite Form. Die Gründe waren vielfältig, ausschlaggebend waren jedoch folgende:
1 Die multiplen Such- und Verknüpfungsstrategien einer Datenbank sind für das «Repertorium» untypisch – hier sucht man in der Regel nur nach dem Titel der Quelle und den ihr zugeordneten Informationen. Die Feststellung der einschlägigen Quellenbezeichnung wird durch eine Suchmaschine des Gesamtverzeichnisses möglich. Eine wie uns schien «überdimensionierte» und für uns nicht anzustrebende Lösung ist die des Parallelunternehmens «narrative-sources.be».
2 Die Aktualisierung versteht sich als Fortsetzung und übernimmt den alten (eingescannten) Datenbestand, in den die neuen Daten eingepasst werden. Die Altdaten sind zum Teil ungemein knapp konzipiert – so fehlen bei Textausgaben oft bibliographische Buchtitel –, und ohne grossen Aufwand nicht in datenbankkompatible Form zu bringen. Zudem existiert eine ausgeklügelte Verweisstruktur innerhalb der Quellenartikel von einer Rubrik auf die andere, denn jeder bibliographische Titel taucht jeweils nur einmal auf. Hier wäre für eine Datenbank neben dem Aufwand der technischen Umsetzung auch erhebliche inhaltliche Bearbeitung nötig.
3 Die pdf-Lösung erscheint der Kommission benutzerfreundlicher. Sie ermöglicht den download der gesamten Datei (die größten ca. 2 MB) und die ständige Benutzung auf dem PC (wenn auch auf Kosten einer günstigen Benutzerstatistik), beides bei heutiger Datengeschwindigkeit und Rechnergrösse für viele Benutzer akzeptabel. Für bibliographische Datenwerke ist eine möglichst leichte Exportiermöglichkeit für möglichst viele Daten wünschenswert, auch dies bietet diese Lösung. Sie lässt – selbstverständlich – Volltextsuche und das Kopieren von Daten zu.
Die Kommission prüft zwar z. Z. zusammen mit der Bayerischen Staatsbibliothek die Möglichkeiten, die vorhandene Daten für eine Datenbank exportierfähig zu machen, doch es scheint die Erschliessung der verschiedenen elektronischen Text- und Datensysteme durch Meta-Strukturen Vorrang vor der Vereinheitlichung der individuell angepassten Projektsysteme zu haben. Die beiden Mitarbeiter der Kommission können sich erst seit dem vergangenen Jahr, nach Abschluss der Arbeit für die Druckfassung, zusammen mit voller Kraft der inhaltlichen Aktualisierung der «Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters» widmen. Allein diese Aktualisierung, die ca. 3.300 Artikel betrifft, nimmt alle Energie in Anspruch.
Dr. Markus Wesche