(Vorhaben der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen)
Erstellung eines Wörterbuches zu den hebräischen und aramäischen Texten aus Qumran einschließlich der übrigen jüdischen epigraphischen Zeugnisse Palästinas aus hellenistisch-römischer Zeit sowie der mittelalterlichen Sirach-Handschriften.
Das Wörterbuch schließt damit die lexikographische Lücke zwischen dem älteren biblischen und inschriftlichen Hebräischen bzw. dem Alt- und Reichsaramäischen einerseits und dem jüngeren rabbinischen Hebräischen bzw. dem späteren Jüdisch-Aramäischen andererseits. Dabei wird der gesamte Wortschatz einschließlich der belegten Formen und aller aufweisbaren Bedeutungsnuancen mit Zitaten geboten. Die sprachgeschichtliche Einordnung wird durch Angaben zur Etymologie zu jedem Lemma gewährleistet, die dieses auch in den breiteren Kontext der verwandten semitischen Sprachen stellt.
Das Korpus besteht in der Hauptsache aus vielfach nur fragmentarisch erhaltenen und zuweilen auch schwer entzifferbaren Manuskripten. Wenn das Wörterbuch sich auch grundsätzlich auf die mit ausreichender Sicherheit zu lesenden Passagen beschränkt, so sind auch diese häufig in ihrer Deutung umstritten. Dies beruht nicht nur auf dem häufig schlechten Erhaltungszustand der Manuskripte, sondern auch auf der prinzipiellen Mehrdeutigkeit einer weitgehend vokallosen Schrift und auf unterschiedlichen Rekonstruktionen der Manuskripte und und Schriftreste.
Entsprechend der besonderen Problematik der Quellen ist es unerlässlich, die unterschiedlichen Lesungen und Interpretationen der Texte zu sammeln und dahingehend zu bewerten, ob sie eine hinreichende Plausibilität besitzen, um in das Wörterbuch aufgenommen zu werden.
Die hierbei gewonnenen Daten werden in einer relationalen Datenbank integriert, die grundsätzlich alle Lesungen zu jeder Stelle aufnimmt. Anhand vorliegender Fotografien sowie Autopsien der Originale wird eine Entscheidung getroffen, welche Lesung(en) zu praeferieren ist(/sind). Diese werden grammatikalisch bestimmt und syntaktisch ihrem Kotext zugeordnet, wobei auch hier zuweilen sich mehrere Möglichkeiten ergeben. Auch diese Informationen werden in die Datenbank eingetragen, die somit alle relevanten Informationen enthält, die unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten abfragbar sind.
Auf Grund dieser Datenbasis werden die Artikel der einzelnen Lemmata erstellt. Die Abfassung geschieht durch einen eigenständigen Editor, der es erlaubt, Stellenangaben und Zitate direkt aus der Datenbank zu übernehmen. Dabei werden Stellenangaben oder Zitate nur als Verweise auf die entsprechenden Datensätze in den Artikel eingefügt, der im XML-Format ebenfalls in der Datenbank abgespeichert wird. Erst bei der Anzeige des Artikels, seiner Bearbeitung oder bei seiner Umsetzung in die Druckfassung werden diese Verweise automatisch aufgelöst. Dies verhindert einerseits die allfälligen Abschreibefehler, andererseits erlaubt dies, dass die Artikel jeweils den neuesten Stand der Textform widerspiegelt.
Auf Grund des XML-Formates der Artikel können diese einerseits als (X)HTML-Dokument präsentiert werden, wobei durch die Einbettung der Verweise auf die Datenbank in der XML-Version sich auch problemlos Links auf die zitierten oder angegebenen Texte oder andere Lemmata in der (X)HTML-Version realisieren lassen. Andererseits lassen sich aus den Artikel ebenfalls automatisch LaTeX-Dateien generieren, die eine fertige Druckvorlage ergeben.