HYPER ist eine spezifisch für die Geisteswissenschaften konzipierte Forschungs- und Publikationsinfrastruktur im Internet. Sie fußt auf einer Ontologie (im Sinne eines in der Informatik gebräuchlichen ‘Ontologie’-Begriffs) zur Organisation und dynamischen, bidirektionalen Kontextualisierung von Wissen. Die koordinierten Software-Module sind in drei in sich vernetzten und miteinander vernetzbaren Web-Applikationen aufeinander abgestimmt: HyperPlatform, HyperJournal und HyperFederation. Abgestimmt sind darin gleichfalls systemspezifische Publikationsabläufe und –verfahren, einschließlich einer doppelt anonymisierten peer review-Funktion.

HYPER ist verallgemeinernd und funktionserweiternd aus dem Pilotprojekt Hyper-Nietzsche <www.hypernietzsche.org> hergeleitet und wird dank deutscher, französischer und europäischer Organisations- und Forschungsförderung fortentwickelt und weitergegeben. Sämtliche systementwickelte Software ist unter open source-Lizenzen verfügbar, und sie ist dabei insbesondere auch auf je projektspezifische Bedürfnisse der diversen Anwender und Anwendergruppen abstimmbar. Konföderiert in offenem und jederzeit erweiterbarem Zu­sammenschluß sind derzeit europäische Projekte philosophischer, literatur-, musik- und kunstwissenschaftlicher Forschung und Edition (u.a. Leibniz, Nietzsche, Schopenhauer, Witt­genstein, Braudel; Beckett, Proust, Virginia Woolf; Puccini; Medea-Mythos; Motiv­ikonographie in der Kunst).

Die Forschungsplattformen sind insofern von Grund auf editionsgewichtet, als sie For­schungswissen auf der Basis von Originaldokumenten und –überlieferungen organisieren und generieren. Ihr Rückgrat bildet jeweils eine Klassifikation in Form einer systematischen Siglierung der je gegebenen originalen Archiv- und Bibliotheksmaterialien. Den Siglen wer­den, wo immer verfügbar, digitale Faksimilierungen dieser Materialien zugeordnet. Diese bleiben dadurch zur unmittelbaren Anschauung virtuell zugänglich. Sämtliche Inhalte der jeweiligen Forschungsplattform werden sodann an die Siglen als wissenschaftliche Beiträge angeknüpft. Die Beiträge sind in vielfältiger Gestalt denkbar und möglich: als Transkriptionen und (nach Komplexität fortschreitend variable) kritische Editionen der Faksimilierungen (hierzu ist eine XML-kompatible, speziell auf Handschriften abgestimmte Kodierungssprache zum Aufwiegen von Defiziten bei XML/TEI entworfen worden); sodann als z.B. chronologi­sche, genetische oder thematische Pfade durch die Originalmaterialien; sowie als ein—belie­big weites und stets erweiterbares—Spektrum von kritischen Auseinandersetzungen mit dem durch die Faksimilierungen und/oder die Transkriptions- und Editionsbeiträge repräsentierten Text- oder Bildmaterial. Insbesondere auch die diskursiven Beiträge zur jeweiligen For­schungsplattform werden dabei mit einem Netz relationaler Verknüpfungen versehen, das zur Klassifikationsstruktur der Originalmaterialien kompatibel angelegt ist.

Sämtliche Beiträge werden schließlich über eine doppelt anonymisierte Peer Review in ih­rer Qualität validiert und zur digitalen Veröffentlichung auf der Plattform freigeschaltet. Un­mittelbar auf die Veröffentlichung eines neuen wissenschaftlichen Beitrags folgend, greifen die Kontextualisierungsmodule der Infrastruktur auf das Netz der Klassifikationen und relati­onalen Verknüpfungen zu und dynamisieren das gesamte Verweisgeflecht einer HYPER-Plattform allnächtlich bidirektional neu durch. Der wissenschaftliche Austausch und Dialog in HYPER ist somit stets aktuell und dynamisch progredierend.

Die von der digitalen Infrastruktur geleistete dynamische Kontextualisierung vermag zu­dem die unter dem Dach der Hyper Federation operierenden Plattformen übergreifend aufein­ander zu referentialisieren. Damit eignet dem HYPER-System ein Potential synergetischer Wissensanreicherung. Im Systemmodul Hyper Journal findet dies auf den wissenschaftlichen Publikationstypus “Zeitschrift” konkrete Anwendung. Ein nicht unbedeutender Rahmeneffekt von Hyper Journal ist dabei, mithilfe der dynamischen Kontextualisierungmodule flächen­deckende citation indexes automatisch zu erzeugen und so auch hier mittels des Organmerk­mals des offenen wissenschaftlichen Dialogs die Leistung von HYPER als vollwertiges, da qualitätsvalidiertes System digitaler Publikation signifikant zu ergänzen.

Dr. Paolo D'Iorio
Projekt HyperNietzsche
Ludwig-Maximilians-Universität München
Schellingstr. 9 ­ D-80799 München
Tel. +49 (0) 89-21 80 64 11
Webseite des Projekts
Mailadresse D'Orio
Ansprechpartner beim Workshop selbst sind
Dr. Matteo D'Alfonso
und
Prof. Hans Walter Gabler.