Vor dem Siegeszug von Telefon und
Internet stellte über Jahrhunderte handschriftliche Korrespondenz das
wichtigste Medium für den direkten Austausch von Gedanken und Ideen dar. Die
meisten großen Köpfe ihrer Zeit waren auch fleißige Briefschreiber. Der
Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz beispielsweise führte mit rund 1.100
Zeitgenossen einen regen Briefwechsel. 17.500 Briefe von ihm und an ihn sind
überliefert.
Die deutschen Akademien der
Wissenschaften bearbeiten im Rahmen des Akademienprogramms zahlreiche
Gesamtausgaben von Philipp Melanchthon bis Felix Mendelssohn Bartholdy und von
Johannes Kepler bis Johann Gottlieb Fichte oder Karl Marx und Friedrich Engels
und widmen einen beachtlichen Teil ihrer Aufgaben solchen brieflichen
Nachlässen. Dank der Editionsprojekte im Akademienprogramm gilt aber nicht nur
„wer schreibt, bleibt“, auch die vielen Personen, die in Urkunden, Briefen,
Tagebüchern, Chroniken, wissenschaftlichen und literarischen Werken und
Textsammlungen erwähnt werden, erhalten durch akribische Recherche wieder eine
Identität.
In Zukunft könnte eine netzbasierte
Kooperation über eine zentrale Schnittstelle die biobibliographischen Recherchen
der Arbeit in den Editionsprojekten erheblich erleichtern. In einzelnen Akademienvorhaben
bereits vorhandene oder noch entstehende Personendatenbanken aller Epochen
sollen mit Hilfe des Netzes der gesamten Akademienforschung zur Verfügung
gestellt werden. Die Zusammenarbeit örtlich verteilter Arbeitsstellen würde vereinfacht,
Synergieeffekte könnten erzielt werden.
Der diesjährige Workshop „Personendateien“ der Arbeitsgruppe „Elektronisches
Publizieren“ der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften will konkrete
Impulse geben und wendet sich an Forscher, die zur Erschließung ihrer
Ergebnisse Personenregister publizieren oder in größerem Umfang Personennamen erschließen. Der Workshop findet vom 21. bis 23. September 2009 in Leipzig
in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
und der Deutschen Nationalbibliothek statt. Neben Wissenschaftlern aus
Akademievorhaben werden Vertreter weiterer öffentlich geförderter Forschungsprojekte
sowie großer deutscher Bibliotheken erwartet.
Zahlreiche Vorstellungen zu
personenbezogenen Aspekten in Forschungsvorhaben, Präsentationen bereits erprobter
informatischer Werkzeuge und Standards sowie ein Forum zu Einsatzmöglichkeiten
der maßgebenden Personennamendatei (PND) der Deutschen Nationalbibliothek
stehen auf dem Programm. Wichtige Fragen der netzbasierten Forschung und
Erschließung von Personennamen und der Anlage von Personendatenbanken sowie der
Entwicklung von Perspektiven für deren Vernetzung in nationalem wie
internationalem Rahmen sollen diskutiert werden.
Ein Höhepunkt des
Workshops ist der Vortrag von Prof. Dr. Thomas Bürger, Generaldirektor der
Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Er
wird am 21. September um 19 Uhr unter dem Titel „Namen verbinden – Historische
Grundlagenforschung im digitalen Zeitalter“ Bilanz ziehen, welche Auswirkungen
der digitalen Revolution im Alltag von Geisteswissenschaftlern bereits spürbar
sind.
Zu sämtlichen Veranstaltungen sind Vertreter der Medien herzlich eingeladen.
Veranstaltungsort:
Sächsische Akademie der
Wissenschaften zu Leipzig
Sitzungssaal, EG
Karl-Tauchnitz-Str. 1
04107 Leipzig
Agnes Schaefer (Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit)
0341 / 711 53 50
schaefer@saw-leipzig.de
www.saw-leipzig.de
Ansprechpartner für inhaltliche Anfragen:
Prof. Dr. Kurt Gärtner
Vorsitzender der AG
Elektronisches Publizieren
der Union der deutschen Akademien
der Wissenschaften
gaertnek@staff.uni-marburg.de
Ihre Ansprechpartner
Die Union der deutschen Akademien
der Wissenschaften ist die Dachorganisation von acht Wissenschaftsakademien,
die sich zur Umsetzung gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben. Unter
dem Dach der Union sind mehr als 1600 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen
verschiedenster Fachrichtungen vereint. Die Union koordiniert das
„Akademienprogramm“, das eines der größten und bedeutendsten geisteswissenschaftlichen
Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland darstellt. Sie fördert die
Kommunikation zwischen den Akademien, betreibt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
und organisiert Veranstaltungen über aktuelle Probleme der Wissenschaft.
Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Die Sächsische Akademie der
Wissenschaften zu Leipzig ist zugleich Gelehrtengesellschaft und Forschungszentrum
in den Ländern
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Am 1. Juli 1846 als Königlich Sächsische
Gesellschaft der Wissenschaften
gegründet steht die Sächsische Akademie
der Wissenschaften zu Leipzig ganz
in der Tradition des von Gottfried Wilhelm Leibniz um 1700 geprägten
Akademiegedankens: Wissenschaftler
verschiedenster Fachrichtungen zum
regelmäßigen Meinungsaustausch zusammenzuführen, Methoden
und Ergebnisse der Spezialforschung
im interdisziplinären Gespräch zu erörtern und langfristige Forschungsvorhaben
zu betreiben.
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