Pressemitteilung
16.09.2009
2009/14
Historische Briefkultur und neue digitale Möglichkeiten
Workshop der Akademienunion zur Personen-
erschließung

Vor dem Siegeszug von Telefon und Internet stellte über Jahrhunderte handschriftliche Korrespondenz das wichtigste Medium für den direkten Austausch von Gedanken und Ideen dar. Die meisten großen Köpfe ihrer Zeit waren auch fleißige Briefschreiber. Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz beispielsweise führte mit rund 1.100 Zeitgenossen einen regen Briefwechsel. 17.500 Briefe von ihm und an ihn sind überliefert.

Die deutschen Akademien der Wissenschaften bearbeiten im Rahmen des Akademienprogramms zahlreiche Gesamtausgaben von Philipp Melanchthon bis Felix Mendelssohn Bartholdy und von Johannes Kepler bis Johann Gottlieb Fichte oder Karl Marx und Friedrich Engels und widmen einen beachtlichen Teil ihrer Aufgaben solchen brieflichen Nachlässen. Dank der Editionsprojekte im Akademienprogramm gilt aber nicht nur „wer schreibt, bleibt“, auch die vielen Personen, die in Urkunden, Briefen, Tagebüchern, Chroniken, wissenschaftlichen und literarischen Werken und Textsammlungen erwähnt werden, erhalten durch akribische Recherche wieder eine Identität.  

In Zukunft könnte eine netzbasierte Kooperation über eine zentrale Schnittstelle die biobibliographischen Recherchen der Arbeit in den Editionsprojekten erheblich erleichtern. In einzelnen Akademienvorhaben bereits vorhandene oder noch entstehende Personendatenbanken aller Epochen sollen mit Hilfe des Netzes der gesamten Akademienforschung zur Verfügung gestellt werden. Die Zusammenarbeit örtlich verteilter Arbeitsstellen würde vereinfacht, Synergieeffekte könnten erzielt werden.

Der diesjährige Workshop „Personendateien“ der Arbeitsgruppe „Elektronisches Publizieren“ der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften will konkrete Impulse geben und wendet sich an Forscher, die zur Erschließung ihrer Ergebnisse Personenregister publizieren oder in größerem Umfang Personennamen erschließen. Der Workshop findet vom 21. bis 23. September 2009 in Leipzig in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und der Deutschen Nationalbibliothek statt. Neben Wissenschaftlern aus Akademievorhaben werden Vertreter weiterer öffentlich geförderter Forschungsprojekte sowie großer deutscher Bibliotheken erwartet.

Zahlreiche Vorstellungen zu personenbezogenen Aspekten in Forschungsvorhaben, Präsentationen bereits erprobter informatischer Werkzeuge und Standards sowie ein Forum zu Einsatzmöglichkeiten der maßgebenden Personennamendatei (PND) der Deutschen Nationalbibliothek stehen auf dem Programm. Wichtige Fragen der netzbasierten Forschung und Erschließung von Personennamen und der Anlage von Personendatenbanken sowie der Entwicklung von Perspektiven für deren Vernetzung in nationalem wie internationalem Rahmen sollen diskutiert werden. 

Ein Höhepunkt des Workshops ist der Vortrag von Prof. Dr. Thomas Bürger, Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Er wird am 21. September um 19 Uhr unter dem Titel „Namen verbinden – Historische Grundlagenforschung im digitalen Zeitalter“ Bilanz ziehen, welche Auswirkungen der digitalen Revolution im Alltag von Geisteswissenschaftlern bereits spürbar sind.   

Zu sämtlichen Veranstaltungen sind Vertreter der Medien herzlich eingeladen.

Veranstaltungsort:

Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Sitzungssaal, EG
Karl-Tauchnitz-Str. 1
04107 Leipzig

Agnes Schaefer (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
0341 / 711 53 50
schaefer@saw-leipzig.de
www.saw-leipzig.de

Ansprechpartner für inhaltliche Anfragen:

Prof. Dr. Kurt Gärtner
Vorsitzender der AG Elektronisches Publizieren
der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
gaertnek@staff.uni-marburg.de

Ihre Ansprechpartner 

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist die Dachorganisation von acht Wissenschaftsakademien, die sich zur Umsetzung gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben. Unter dem Dach der Union sind mehr als 1600 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedenster Fachrichtungen vereint. Die Union koordiniert das „Akademienprogramm“, das eines der größten und bedeutendsten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland darstellt. Sie fördert die Kommunikation zwischen den Akademien, betreibt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und organisiert Veranstaltungen über aktuelle Probleme der Wissenschaft.

Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

Die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig ist zugleich Gelehrtengesellschaft und Forschungszentrum in den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Am 1. Juli 1846 als Königlich Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften gegründet steht die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig ganz in der Tradition des von Gottfried Wilhelm Leibniz um 1700 geprägten Akademiegedankens: Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen zum regelmäßigen Meinungsaustausch zusammenzuführen, Methoden und Ergebnisse der Spezialforschung im interdisziplinären Gespräch zu erörtern und langfristige Forschungsvorhaben zu betreiben.




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