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Pressemitteilung
26.03.2009 2009/04

Wissenschaft und Ethik

Über wissenschaftliches Fehlverhalten, Unterstützung für Forschung an palästinensischen Universitäten und andere aktuelle Themen aus der Wissenschaft diskutieren Delegierte von europäischen Wissenschaftsakademien auf Einladung der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften am Donnerstag und Freitag in Berlin.

Ort:                  Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Jägerstraße 22-23, 10117 Berlin
Zeit:                 26. und 27. März 2009
Anmerkung:      geschlossene Veranstaltung, die Wissenschaftler stehen jedoch für Medienanfragen zur Verfügung

Es fängt beim Abschreiben einer Seminararbeit an und reicht bis zum Fälschen ganzer Datenreihen in großen wissenschaftlichen Studien – in einer Zeit, in der Forscher sich dem Credo „Publish or perish“ (Veröffentliche oder gehe unter!) beugen müssen und gleichzeitig die moderne Computertechnik Manipulationen immer leichter macht, kommt es umso mehr darauf an, klare Standards für wissenschaftliches Fehlverhalten zu formulieren. Der Umfang des Phänomens ist schwer zu fassen. „Daher reicht es nicht, nur einen Sanktionskatalog zu formulieren“, betont Dr. Rüdiger Klein, Executive Director von ALLEA (ALL European Academies). „Wir müssen bereits in der Ausbildung den Blick dafür schärfen, was Integrität in der Forschung bedeutet und wie elementar sie ist.“ Die zwölf renommierten Wissenschaftler des „Standing Committee on Science & Ethics“ von ALLEA, die sich am Donnerstag und Freitag in Berlin treffen, wollen daher ausloten, was derzeit im gesamten europäischen Raum und den angrenzenden Regionen als Fehlverhalten interpretiert und wie es geahndet wird, vor allem aber auch, wie Universitäten dem Forschernachwuchs über Verbote hinaus vermitteln können, was der wissenschaftliche Anstand gebietet. Das „Standing Committee on Science & Ethics“ wird von dem deutschen Delegierten Prof. Dr. Ludger Honnefelder geleitet. Er ist von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften entsandt und Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Auf der Grundlage von ALLEA’s „Memorandum on Scientific Integrity“ könnte es in Zukunft einen Leitfaden geben, der an die Gegebenheiten der jeweiligen Region angepasst werden kann. Staaten, die die Standards für wissenschaftliche Integrität noch nicht ausdrücklich formuliert haben, könnten so von der internationalen Vernetzung ihrer Wissenschaftsakademien profitieren. „Außerdem ist es wichtig, dass wir für die anstehende Weltkonferenz zum Thema im Sommer 2010 in Singapur eine gemeinsame europäische Position finden, wird doch globale Forschungszusammenarbeit immer wichtiger“, ergänzt Klein. Ein weiterer Aspekt bei den Beratungen soll die Abwägung sein, wo für Forscher ein Interessenkonflikt beginnt und ab wann er deklariert werden muss. Wie reagieren, wenn Forscher vertrauliche Informationen aus einer Begutachtung für die eigene Arbeit verwenden? Auch die Frage der Integrität der wissenschaftlichen Politikberatung soll diskutiert werden.

Das „Standing Committee on Science & Ethics“ der ALLEA hat außerdem angeregt, in Zusammenarbeit mit der israelischen Akademie der Wissenschaften zu eruieren, wie die universitäre Ausbildung und Forschungsprojekte in Palästina unterstützt werden können. „Hier geht es nicht darum, quasi als Care-Paket einzelnen Forschern, Bücher oder Laboreinrichtungen zu schicken“, erklärt Klein. „Vielmehr wollen wir eine Bündelung aller Kräfte erreichen, so dass trotz aller Blockaden und Repressionen wissenschaftliche Partnerschaft in der  Region möglich wird.“ Die israelische Akademie, die weltweit von Nobelpreisträgern unterstützte Israeli-Palestinian Science Organisation und eine Reihe europäisacher Einrichtungen sind zur Zusammenarbeit bereit. Die nächsten konkreten Schritte werden bei dieser Tagung erörtert.

Als Themen künftiger Beratungen werden unter anderem Chancen und Risiken der Nanotechnologie, Alternativen zu Tierversuchen und die Moral von Robotern diskutiert. 

Hintergrundinformationen:

ALLEA steht als Abkürzung für ALL European Academies. 1994 gegründet, vereinigt sie 53 Wissenschaftsakademien aus 40 europäischen und angrenzenden Ländern und hat ihren Sitz in Amsterdam.  Das ALLEA „Standing Committee on Science & Ethics“ beschäftigt sich sowohl mit ethischen Themen, die ausschließlich die Wissenschaft betreffen, als auch mit Themen, die an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft liegen. Seine Mitglieder aus Deutschland, den Niederlanden, Estland, der Türkei, Norwegen, der Tschechischen Republik, Dänemark, der Schweiz, Belgien, Frankreich und Italien kommen ein bis zwei Mal im Jahr zu Beratungen zusammen. Ihre Empfehlungen erarbeitet das „Standing Committee on Science & Ethics“ im Auftrag der ALLEA-Leitung und deren Generalversammlung der 53 europäischen Nationalakademien und veröffentlicht sie in Broschüren und Publikationen. 

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist die Dachorganisation von acht Wissenschaftsakademien, die sich zur Umsetzung gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben. Unter dem Dach der Union sind mehr als 1600 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedenster Fachrichtungen vereint, die zu den national und international herausragenden Vertretern ihrer Disziplinen gehören. Die Union koordiniert das „Akademienprogramm“, das eines der größten und bedeutendsten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland darstellt. Sie fördert die Kommunikation zwischen den Akademien, betreibt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und organisiert Veranstaltungen über aktuelle Probleme der Wissenschaft. Die Akademienunion kommuniziert mit Wissenschaftsorganisationen des In- und Auslandes und entsendet Vertreter in nationale und internationale Wissenschaftsorganisationen.

Ihre Ansprechpartner

Prof. Dr. Ludger Honnefelder, Delegierter der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften im ALLEA Standing Committee „Science and Ethics“ und dessen Vorsitzender, E-Mail: honnefelder@t-online.de 

Dr. Rüdiger Klein, Executive Director, European Federation of National Academies of Sciences and Humanities (ALLEA), E-Mail: ruediger.klein@allea.org

Jana Schlütter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, Büro Berlin, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin. Tel.: 030 / 325 98 73 72, E-Mail: schluetter@akademienunion-berlin.de. Internet: www.akademienunion.de

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