Über
wissenschaftliches Fehlverhalten, Unterstützung für Forschung an
palästinensischen
Universitäten und andere aktuelle Themen aus der Wissenschaft
diskutieren Delegierte von europäischen
Wissenschaftsakademien auf Einladung der Union der deutschen Akademien
der Wissenschaften am Donnerstag und Freitag in Berlin.
Ort:
Berlin-Brandenburgische
Akademie der Wissenschaften, Jägerstraße
22-23, 10117 Berlin
Zeit:
26. und 27. März 2009
Anmerkung: geschlossene
Veranstaltung, die Wissenschaftler stehen jedoch für Medienanfragen zur
Verfügung
Es
fängt beim Abschreiben einer Seminararbeit an und reicht bis zum
Fälschen
ganzer Datenreihen in großen wissenschaftlichen Studien – in einer
Zeit, in der
Forscher sich dem Credo „Publish or perish“ (Veröffentliche oder gehe
unter!)
beugen müssen und gleichzeitig die moderne Computertechnik
Manipulationen immer
leichter macht, kommt es umso mehr darauf an, klare Standards für
wissenschaftliches
Fehlverhalten zu formulieren. Der Umfang des Phänomens ist schwer zu
fassen.
„Daher reicht es nicht, nur einen Sanktionskatalog zu formulieren“,
betont Dr.
Rüdiger Klein, Executive Director von ALLEA (ALL
European Academies).
„Wir müssen bereits in der
Ausbildung den Blick dafür schärfen, was Integrität in der Forschung
bedeutet
und wie elementar sie ist.“ Die zwölf renommierten Wissenschaftler des
„Standing Committee on Science & Ethics“ von ALLEA, die sich am
Donnerstag
und Freitag in Berlin treffen, wollen daher ausloten, was derzeit im
gesamten
europäischen Raum und den angrenzenden Regionen als Fehlverhalten
interpretiert
und wie es geahndet wird, vor allem aber auch, wie Universitäten dem
Forschernachwuchs über Verbote hinaus vermitteln können, was der
wissenschaftliche Anstand gebietet. Das „Standing Committee on Science
&
Ethics“ wird von dem deutschen Delegierten Prof. Dr. Ludger Honnefelder
geleitet.
Er ist von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
entsandt und
Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und
der
Künste.
Auf
der Grundlage von ALLEA’s „Memorandum on Scientific Integrity“ könnte
es in
Zukunft einen Leitfaden geben, der an die Gegebenheiten der jeweiligen
Region
angepasst werden kann. Staaten, die die Standards für wissenschaftliche
Integrität noch nicht ausdrücklich formuliert haben, könnten so von der
internationalen
Vernetzung ihrer Wissenschaftsakademien profitieren. „Außerdem ist es
wichtig,
dass wir für die anstehende Weltkonferenz zum Thema im Sommer 2010 in
Singapur
eine gemeinsame europäische Position finden, wird doch globale
Forschungszusammenarbeit
immer wichtiger“, ergänzt Klein. Ein weiterer Aspekt bei den Beratungen
soll
die Abwägung sein, wo für Forscher ein Interessenkonflikt beginnt und
ab wann
er deklariert werden muss. Wie reagieren, wenn Forscher vertrauliche
Informationen aus einer Begutachtung für die eigene Arbeit verwenden?
Auch die
Frage der Integrität der wissenschaftlichen Politikberatung soll
diskutiert
werden.
Das
„Standing Committee on Science & Ethics“ der ALLEA hat außerdem
angeregt, in
Zusammenarbeit mit der israelischen Akademie der Wissenschaften zu
eruieren,
wie die universitäre Ausbildung und Forschungsprojekte in Palästina
unterstützt
werden können. „Hier geht es nicht darum, quasi als Care-Paket
einzelnen
Forschern, Bücher oder Laboreinrichtungen zu schicken“, erklärt Klein.
„Vielmehr wollen wir eine Bündelung aller Kräfte erreichen, so dass
trotz aller
Blockaden und Repressionen wissenschaftliche Partnerschaft in der Region möglich wird.“ Die
israelische
Akademie, die weltweit von Nobelpreisträgern unterstützte
Israeli-Palestinian
Science Organisation und eine Reihe europäisacher Einrichtungen sind
zur
Zusammenarbeit bereit. Die nächsten konkreten Schritte werden bei
dieser Tagung
erörtert.
Als
Themen künftiger Beratungen werden unter anderem Chancen und Risiken
der
Nanotechnologie, Alternativen zu Tierversuchen und die Moral von
Robotern
diskutiert.
Hintergrundinformationen:
ALLEA
steht als Abkürzung für ALL European Academies.
1994 gegründet, vereinigt sie 53 Wissenschaftsakademien
aus 40 europäischen und angrenzenden Ländern und hat ihren Sitz in
Amsterdam. Das
ALLEA „Standing Committee
on Science & Ethics“ beschäftigt sich sowohl mit ethischen
Themen, die
ausschließlich die Wissenschaft betreffen, als auch mit Themen, die an
der
Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft liegen. Seine
Mitglieder
aus Deutschland, den Niederlanden, Estland, der Türkei, Norwegen, der
Tschechischen Republik, Dänemark, der Schweiz, Belgien, Frankreich und
Italien
kommen ein bis zwei Mal im Jahr zu Beratungen zusammen. Ihre
Empfehlungen
erarbeitet das „Standing Committee on Science & Ethics“ im
Auftrag der
ALLEA-Leitung und deren Generalversammlung der 53 europäischen
Nationalakademien
und veröffentlicht sie in Broschüren und Publikationen.
Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist die
Dachorganisation von acht Wissenschaftsakademien, die sich zur
Umsetzung gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben. Unter dem
Dach der Union sind mehr als 1600 Wissenschaftler und
Wissenschaftlerinnen verschiedenster Fachrichtungen vereint, die zu den
national und international herausragenden Vertretern ihrer Disziplinen
gehören. Die Union koordiniert das „Akademienprogramm“, das eines der
größten und bedeutendsten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme
der Bundesrepublik Deutschland darstellt. Sie fördert die Kommunikation
zwischen den Akademien, betreibt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und
organisiert Veranstaltungen über aktuelle Probleme der Wissenschaft.
Die Akademienunion kommuniziert mit Wissenschaftsorganisationen des In-
und Auslandes und entsendet Vertreter in nationale und internationale
Wissenschaftsorganisationen. Ihre
Ansprechpartner
Prof.
Dr. Ludger Honnefelder, Delegierter der Union der deutschen Akademien
der
Wissenschaften im ALLEA Standing Committee „Science and Ethics“ und
dessen
Vorsitzender, E-Mail: honnefelder@t-online.de
Dr. Rüdiger
Klein, Executive
Director, European Federation of National Academies of Sciences and
Humanities
(ALLEA), E-Mail: ruediger.klein@allea.org
Jana
Schlütter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Union der deutschen
Akademien der Wissenschaften, Büro Berlin, Jägerstraße 22/23, 10117
Berlin. Tel.: 030 / 325 98 73 72, E-Mail: schluetter@akademienunion-berlin.de. Internet: www.akademienunion.de |