Kurz nachgefragt ...

Text Höllmann

Prof. Dr. Thomas O. Höllmann ist Sinologe und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit Januar 2017 ist er Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und seit November 2017 auch Vizepräsident der Akademienunion.

  • Vizepräsident der Akademienunion und Präsident der Bayerischen Akademie

    ... bei Prof. Dr. Thomas O. Höllmann

    BAdW: Janina Amendt

Die Akademienunion ist ein Verband von acht, zum Teil sehr unterschiedlichen Akademien. Welche Chancen sehen Sie in dem Zusammenschluss?
Diese Heterogenität muss kein Nachteil sein; denn unterschiedliche Forschungstraditionen, Fragestellungen und Fördermodelle können sehr befruchtend aufeinander wirken. Abgesehen davon werden wir überregional nur dann wahrgenommen und anerkannt, wenn wir mit einer Stimme sprechen.

Die Akademienunion koordiniert das gemeinsame Forschungsprogramm der Wissenschaftsakademien. Gibt es Forschungsthemen, die Sie für besonders relevant halten und die künftig stärker bearbeitet werden sollten?
Die Akademien eignen sich in besonderem Maße für den anspruchsvollen Gedankenaustausch zwischen den Disziplinen: namentlich für den Dialog zwischen den Fächern, die man traditionell – und etwas vereinfachend – den Natur- und Geisteswissenschaften zurechnet. Dies sollte sich auch in der Förderung widerspiegeln. Das vom Bund und von den Ländern finanzierte Akademienprogramm ist jedoch primär auf die Sicherung und Erschließung des kulturellen Erbes ausgerichtet. Jenseits der damit verbundenen Grundlagenforschung, die sich beispielsweise in maßgeblichen Editionen und Wörterbüchern niederschlägt, wäre als erster Schritt zumindest eine stärkere Einbeziehung der Sozialwissenschaften wünschenswert.

Sie sind nun seit einem Jahr Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Welchen Stellenwert haben Akademien der Wissenschaften für unsere Gesellschaft heute?
Die Akademien sind nicht nur in der deutschen Forschungslandschaft fest verankert, sondern auch international hervorragend vernetzt. In einer Zeit, in der die institutionalisierte Irreführung immer stärker um sich greift, kommt ihnen nicht zuletzt die Aufgabe zu, Stabilität und Glaubwürdigkeit zu vermitteln. Dabei können die faktengestützte Recherche und Analyse in die Beratung politischer Entscheidungsträger münden, sie müssen es aber nicht.


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