Zwänge und Zukunftsperspektiven der deutschen Universitäten

Auftakt des neu gegründeten Journals „Denkströme“ der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

LEIPZIG. Seit Mitte November 2008 ist das neu gegründete Journal „Denkströme“ der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig mit seinem ersten Heft unter www.denkstroeme.de online abrufbar. Es soll künftig zweimal jährlich sowohl als Open Access-Ausgabe als auch in einer Druckauflage beim Leipziger Universitätsverlag erscheinen. Die Druckausgabe des ersten Heftes, das sich mit der Lage der deutschen Hochschulen auseinandersetzt, wird voraussichtlich Mitte Dezember erhältlich sein.

Mit den Denkströmen möchte die Sächsische Akademie den transdisziplinären Dialog und die Reflexion auf das Verhältnis der Wissenschaft zu Politik und Gesellschaft fördern. Dabei ist der Titel des Journals Programm: Es geht nicht darum, endgültige Resultate zu kontroversen Fragen der Zeit zu präsentieren, sondern den Diskurs über sie lebendig, offen und frei zu gestalten. Die verschiedenen Argumente und unterschiedlichsten Themen in den Wissenschaften und über die Wissenschaften sollen dort eine Stimme finden.

Verwirrung über das Humboldt-Ideal

So findet sich im ersten Heft eine Debatte über die allgemeine Verwirrung um das Humboldt-Ideal im Zuge des Umbaus der höheren, universitären Bildung in Deutschland und Europa nach den Bolognareformen. Die gleichlautende Überschrift der Beiträge von Holm Tetens und Wulf Diepenbrock „Die Idee der Universität und ihre Zukunft“, die mit dem Titel der Diskussionen im Akademieforum vom 20. Juni 2008 zusammenfällt, könnte somit gleichsam den Rahmentitel für einen Großteil der Beiträge abgeben. In vielfachen Anläufen und aus unterschiedlichen Perspektiven wird der Versuch unternommen, die Idee der Universität in ihrem Zusammenhang zu den gegenüber der preußischen Staatsuniversität veränderten strukturellen Rahmenbedingungen zu thematisieren.

Daneben finden sich im Diskussionsteil Zwischenrufe zum gerade beschlossenen neuen Sächsischen Hochschulgesetz (SHG). Sie schließen sich nahtlos an die allgemeinen Überlegungen zur Idee und Zukunft der Universität an und führen diese in der besonderen Auseinandersetzung mit den Regulierungsvorgaben des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst fort.

Aus dem Inhalt des ersten Heftes:

  • Jürgen Mittelstraß: Die Universität zwischen Anspruch und Anpassung
  • Holm Tetens: Die Idee der Universität und ihre Zukunft
  • Konrad H. Jarausch: Demokratische Exzellenz? Ein transatlantisches Plädoyer für ein neues Leitbild deutscher Hochschulen
  • Pirmin Stekeler-Weithofer: Ist die Idee der (deutschen) Universität am Ende?
  • Richard Münch: Bildung und Wissenschaft jenseits disziplinärer Grenzen
  • Wulf Diepenbrock: Die Idee der Universität und ihre Zukunft. Ein Diskussionsbeitrag
  • Detlef Döring: Die Rolle der Universitäten bei der Herausbildung der modernen Wissenschaften
  • Wolfgang Fach: Der Laufstall. Anmerkungen zur Hochschulreform am Beispiel Sachsens
  • Charlotte Schubert: Bemerkungen zum Entwurf für ein neues Sächsisches Hochschulgesetz
  • Pirmin Stekeler-Weithofer: Diskussionsbemerkungen zur geplanten Neufassung des Sächsischen Hochschulgesetzes (SHG)
  • Gerald Eisenblätter und Karola Kunkel: Das Sächsische Hochschulgesetz aus studentischer Perspektive

Über den Anspruch der Transdiziplinarität, der die Hefte durchziehen soll, heißt es im Editorial des ersten Heftes: „Wie eine Akademie der Wissenschaften der Idee nach das ganze Spektrum disziplinären Wissens umfasst, so will auch unser Akademiejournal transdisziplinäre Verbindungen schaffen. Es soll Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Disziplinen und wissenschaftlichen Institutionen herstellen. Es ist in dem Sinn interdisziplinär, ohne einer hybriden Auflösung der Disziplinen das Wort zu reden.“

In diesen Grundanliegen der Akademie bildet das Akademiejournal eine von drei Säulen neben den beiden öffentlichen Veranstaltungsreihen: dem Forum der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und dem Kolloquium der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. (mew.)

Kontakt:

Redaktion Denkströme
Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Karl-Tauchnitz-Str. 1
04107 Leipzig

denkstroeme@saw-leipzig.de
icon_link_externhttp://www.denkstroeme.de


Redaktion
Myriam Hönig (v.i.S.d.P.)
Dr. Annette Schaefgen
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