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Große Geschichte im Spiegel individueller Schicksale

Der Breitbach-Preis 2008 geht an Marcel Beyer

MAINZ. Für sein literarisches Gesamtwerk, insbesondere seine „sprachlich versierte und psychologisch komplexe Auseinandersetzung mit den langen Schatten der deutschen Vergangenheit“ zeichnet die Jury des Joseph-Breitbach-Preises in diesem Jahr den Lyriker und Romancier Marcel Beyer aus. Der Preis wird von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, und der Stiftung Joseph Breitbach gemeinsam vergeben und ist mit 50.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 26. September 2008 im Goerres-Haus Koblenz statt.

Aus der Begründung der Jury: Marcel Beyer „hat das Verhältnis von Erinnerung und Erfindung, Verschweigen und Vergessen in immer neuen Versuchsanordnungen ästhetisch ausgelotet und die große Geschichte im Spiegel individueller Schicksale reflektiert. Recherche, Analyse und Fiktion gehen in seinen Büchern eine subtil komponierte und atmosphärisch dichte Verbindung ein, wobei die literarische Rekonstruktion der Vergangenheit die Bedingungen des Erinnerns immer mitreflektiert. Beyers Romane sind poetische Resonanzräume für die Stimmen der Toten; imaginäre Raumerweiterungen, deren Präzision und Musikalität stets dem Klangbewusstsein und der sprachlichen Ökonomie des Lyrikers geschuldet sind.“

Marcel Beyer wurde am 23. November 1965 in Tailfingen/Württemberg geboren und wuchs in Kiel und Neuss auf. Er studierte von 1987 bis 1991 Germanistik, Anglistik und Literaturwissenschaft an der Universität Siegen. 1996 und 1998 war er Writer in residence am University College London und an der University of Warwick in Coventry, 2008 am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Bis 1996 lebte Beyer in Köln, seitdem ist er in Dresden ansässig. Beyers erster Roman „Das Menschenfleisch“ erschien 1991, vier Jahre später folgte der Roman „Flughunde“. Nach fünf weiteren Veröffentlichungen legte Beyer in diesem Jahr den Roman „Kaltenburg“ und ein Opernlibretto mit dem Titel „Arbeit, Nahrung, Wohnung“ vor. Sein Schaffen wurde bereits vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt (1991), dem Heinrich-Böll-Preis (2001), und dem Erich-Fried-Preis (2006).

Der Breitbach-Preis ist der höchstdotierte Literaturpreis in Deutschland und wurde in diesem Jahr zum elften Mal verliehen. Nach dem Willen des 1980 in München verstorbenen Schriftstellers Joseph Breitbach werden damit deutschsprachige Autoren aller Literaturklassen ausgezeichnet.

Kontakt:

Petra Plättner
Pressestelle der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz
Geschwister-Scholl-Str. 2
55131 Mainz
Tel.: 06131 / 577 102
pressestelle@adwmainz.de
icon_link_externwww.adwmainz.de
und
icon_link_externwww.joseph-breitbach-preis.de


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