„Sternstunde für die Geschichtswissenschaften“
Die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften feiert 150. Geburtstag

MÜNCHEN. 2008 begeht die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ihr 150-jähriges Jubiläum. Im Mittelpunkt der Kommissionsarbeit stehen qualitativ hochwertige Quelleneditionen; das Spektrum der rund 650 Veröffentlichungen reicht vom Spätmittelalter bis zur Zeitgeschichte. Sie ist heute eine der größten außeruniversitären historischen Forschungseinrichtungen der Bundesrepublik. Ihre Gründung vor 150 Jahren sei eine „Sternstunde für die Geschichtswissenschaften und die Wahrung unseres Geschichtsbewusstseins“ gewesen, betonte Ministerpräsident Günter Beckstein auf dem Festakt.

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Lothar Gall überreicht Staatsminister a.D. Hans Zehetmair die Ehrenmedaille der Historischen Kommission

Der große Festakt fand bereits am 30. Mai in Anwesenheit von Ministerpräsident Beckstein und Bundesministerin Schavan in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München statt.

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Versammelte Festgemeinde: in der ersten Reihe Claudia Eder, Lothar Gall, Marga Beckstein, Günther Beckstein, Annette Schavan, Dietmar Willoweit, Hildegard Willoweit, Peter Strohschneider (v.l.n.r.)

Mit einer nicht ganz ernstgemeinten Selbstbestimmung des Wörtchens „bei“, der richtigen Präposition also, die das besondere Verhältnis zwischen Bayerischer Akademie der Wissenschaften und Historischer Kommission abbildet, eröffnete Präsident Dietmar Willoweit als Hausherr sein Grußwort. Die Kommission ist rechtlich und finanziell selbständig, aber mit der Akademie satzungsgemäß eng verbunden. Sie hat auch ihren Sitz unter dem Dach der Akademie.

Eine „Akademie für deutsche Geschichte“

König Max II. von Bayern gründete im Jahr 1858 die Kommission auf Initiative von Leopold von Ranke die Kommission. Neben ihrer Funktion als Forschungseinrichtung ist die Historische Kommission auch eine Gelehrtengesellschaft, eine „Akademie für deutsche Geschichte“, wie Ranke betonte.

Heute ist sie eine der größten außeruniversitären historischen Forschungseinrichtungen der Bundesrepublik. Im Mittelpunkt der Kommissionsarbeit stehen seit ihrer Gründung qualitativ hochwertige Quelleneditionen. Das Spektrum der rund 650 Veröffentlichungen reicht vom Spätmittelalter bis zur Zeitgeschichte. Dazu zählen zentrale Editionen wie die „Deutschen Reichstagsakten“, die „Deutschen Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts“, die „Akten der Reichskanzlei. Regierung Hitler 1933–1945“ oder das maßgebliche historisch-biographische Lexikon des deutschen Sprachraums, die „Neue Deutsche Biographie“ (NDB). Seit einiger Zeit verfolgt die Kommission auch ein ambitioniertes Digitalisierungsprogramm.

Historie der deutschen Geschichtswissenschaft und ihrer großen Vertreter spiegelt sich in der Kommission

Die in Nordrhein-Westfalen geborene Bundesministerin Annette Schavan ließ es sich nicht nehmen, in ihrem Grußwort auch auf die Bedeutung der „Nordlichter“, also der aus Norddeutschland nach Bayern berufenen ersten Mitglieder der Kommission hinzuweisen, darunter Georg Waitz, Johann Gustav Droysen oder Wilhelm Giesebrecht. Heute hat die Historische Kommission mehr als 40 Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seit 1997 leitet Lothar Gall (Universität Frankfurt/Main) als Präsident die Geschicke dieser einzigen Historischen Kommission Deutschlands mit nationalem Anspruch.

Lothar Gall hielt auch den Festvortrag über „Anspruch und Programm“ der Kommission. Er zeigte, wie sich die Geschichte der deutschen Geschichtswissenschaft und ihrer großen Vertreter in dieser Einrichtung widerspiegelt. Der Impuls der Gründerväter, vor allem Leopold von Rankes, sagte Gall, die Geschichte durch verlässliche Quelleneditionen als Wissenschaft zu etablieren, wirke fort. Anlässlich ihres Jubiläums hat die Historische Kommission daher der Bayerischen Staatsregierung den Vorschlag unterbreitet, Rankes Verdienste um die deutsche Geschichtswissenschaft durch eine Büste in der Walhalla zu ehren.

Die erstmals verliehene Ehrenmedaille, die Hubertus von Pilgrim geschaffen hat, wurde an S.K.H. Herzog Franz von Bayern sowie an Staatsminister a.D. Dr. Hans Zehetmair für besondere Verdienste um die Historische Kommission verliehen.

Veröffentlichungen zum 150-jährigen Jubiläum

Lothar Gall (Hrsg.): „... für deutsche Geschichts- und Quellenforschung“. 150 Jahre Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2008. ISBN 978-3-486-58286-4, Preis: 49,80 Euro.

Helmut Neuhaus: 150 Jahre Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Eine Chronik. München: Historische Kommission 2008. ISBN 978-3-929691-12-2, Schutzgebühr 10,00 Euro.

Akademie Aktuell. Zeitschrift der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 02/2008, ISSN 1436-753X.

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