„Wie sicher ist unsere Welt?“

Auf der XVII. internationalen Amaldi-Konferenz diskutierten 56 Forscher der Wissenschaftsakademien und der nationalen wissenschaftlichen Gesellschaften über globale Sicherheit, Rüstungskontrolle und Nuklearpolitik

Von Klaus Gottstein

HAMBURG. Wissenschaftliche Fragen rund um die Nuklearpolitik standen im Mittelpunkt der dreitägigen Konferenz, die Mitte März 2008 im Auditorium des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) in Hamburg unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Wissenschaftler aus China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, dem Iran, Israel, Italien, Japan, Kanada, Südkorea, Polen, Russland, Tschechien und den USA lieferten in 23 Vorträgen wertvolle Erkenntnisse, die nun an die Regierungen und politischen Ausschüsse weitergeleitet werden. Gastgeber war die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, die Akademie der Wissenschaften in Hamburg hatte die Schirmherrschaft übernommen. 

Diskutiert wurde insbesondere, wie es sich vermeiden lässt, dass angereichertes Uran für Kernkraftwerke bzw. in Kraftwerken entstehendes Plutonium zur Weiterverbreitung von Kernwaffen beiträgt und welche Konsequenzen die nukleare Renaissance im Zeichen des Klimaschutzes für die Rüstungskontrolle hat. Dabei beriet man auch über die Möglichkeiten, den nuklearen Brennstoffkreislauf international zu kontrollieren und heimliche Kernwaffenherstellung durch Analyse von Luftproben aufzudecken. Die Rüstungssituation im Nahen Osten und die Probleme einer regionalen nuklearen Abschreckung wurden ebenso analysiert wie die technischen Optionen, die das wachsende Risiko eines nuklearen Terrorismus mindern können. Gerade weil es für Terroristen möglich ist, auch mit gering angereichertem Uran noch Kernexplosiv-Stoffe herzustellen, deren Wirkung verheerend sein kann, war den Diskutanten dieses Thema besonders wichtig.

Weitere Punkte auf der Tagesordnung waren neue militärische Technologien wie Laserwaffen, aber auch der Einfluss, den wissenschaftliche Akademien als Berater der Politik haben können. Insbesondere im Hinblick auf den G8-Gipfel 2009 in Italien wurde beraten, welche Themen aus Sicht der Wissenschaftsakademien dort aufgeworfen werden sollten.

Das Ziel der Amaldi-Konferenzen

Die seit 1989 regelmäßig stattfindenden Amaldi-Konferenzen sollen zum einen ausgewiesenen Fachleuten, Akademiemitgliedern und von den Akademien nominierten Wissenschaftlern ein Forum bieten, um offen und frei von Zwängen über Sicherheit und Rüstungskontrolle diskutieren zu können. Zum anderen sollen sie ein Reservoir von unabhängigen Experten auf diesen Gebieten heranbilden, die in der Lage sind, den wissenschaftlichen Rüstungsexperten der Regierungen fachkundig und – falls erforderlich – kritisch entgegen zu treten und den Regierungen unabhängigen Rat zu erteilen. Ferner möchte man den internationalen wissenschaftlichen Dialog auf diesen Gebieten fördern.

Um die politische Neutralität der Amaldi-Konferenzen zu wahren, werden keine Beschlüsse gefasst und keine öffentlichen Verlautbarungen verabschiedet. Man teilt der Öffentlichkeit nur mit, welche Fragen behandelt wurden. Ausschließlich die Regierungen und Parlamente werden über die zur Sprache gekommenen Fakten und Argumente unterrichtet.

Die dritte Amaldi-Konferenz in Deutschland

Die XVII. Amaldi-Konferenz war die dritte, die in Deutschland stattfand. Sie wurde vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) und der Alfred Toepfer-Stiftung gefördert. Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg gab den angereisten Wissenschaftlern einen Empfang im Rathaus; als Vertreter für den erkrankten Präsidenten der Hamburger Akademie sprach deren Vizepräsident, Prof. Dr. Cord Jakobeit, in der Eröffnungssitzung und beim Empfang.

Eine Besonderheit der diesjährigen Amaldi-Konferenz war, dass sich junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen deutschen und britischen Instituten beteiligten. Sie diskutierten mit und berichteten als Rapporteure in der Schlussdiskussion aus ihrer Sicht über besonders wichtige Konferenzergebnisse. Damit war das vorgegebene Ziel erreicht, auch die jüngere Generation an wichtige wissenschaftliche Fragen der globalen Sicherheit heranzuführen.
 
Allgemein wurde die Konferenz und insbesondere das „Experiment“ der Teilnahme junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als gelungen und vorbildlich für künftige Amaldi-Konferenzen bezeichnet. Die Teilnehmer diskutierten bereits abschließend über mögliche Themen für die XVIII. Amaldi-Konferenz, deren Ort und Zeit demnächst festgelegt werden.

Der Autor, Prof. Dr. Klaus Gottstein (München), ist Beauftragter der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften für die Beteiligung an den internationalen Amaldi-Konferenzen.

Kontakt:

Prof. Dr. Klaus Gottstein
Max-Planck-Institut für Physik
Föhringer Ring 6
80805 München
Tel.: 089 / 60 55 93
Klaus.Gottstein@unibw-muenchen.de
http://amaldi2008.desy.de




Redaktion
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