Poetischer Chronist deutscher Zustände

In diesem Jahr wurde zum zehnten Mal der Breitbach-Preis verliehen. Er ging an F.C. Delius.

KOBLENZ. Für sein literarisches Gesamtwerk, insbesondere „für seine nuancierten Psychogramme deutscher Menschen, für die Furchtlosigkeit des Gedankens, für die Musikalität und innovative Kraft seiner Prosa“ wurde in diesem Jahr Friedrich Christian Delius mit dem Joseph-Breitbach-Preis ausgezeichnet. Er sei ein „poetischer Chronist deutscher Zustände, geleitet von unbestechlichem Erkenntnisinteresse und ohne Hochmut“, hieß es in der Begründung der Jury. Der Preis wird von der Akademie der Wissenschaften und Literatur, Mainz, sowie der Joseph-Breitbach-Stiftung vergeben und ist mit 50.000 Euro dotiert.

Delius wurde im Februar 1943 in Rom geboren und wuchs in Hessen auf. Bekannt wurde er 1972 mit seiner satirischen Festschrift „Unsere Siemenswelt“, die damals einen dreijährigen Rechtsstreit mit dem Siemenskonzern auslöste. Zu seinen wichtigsten Romanen gehören „Ein Held der inneren Sicherheit" aus der Trilogie „Deutscher Herbst“ (1981), „Die Birnen von Ribbeck" (1991) und „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde" (1994). Delius lebt in Rom und Berlin.

Professor Dr. Heinrich Detering, Mitglied der Mainzer Akademie, hob in seiner Laudatio den „1. FC Delius“ hervor, der mühelos alle elf literarischen Positionen in einer imaginierten Fußballmannschaft besetzen könne. Delius sei ein so sensibler und genauer Beobachter, dass man kaum bemerke, wo er zum Erfinder werde.

In einem sehr persönlichen Dank schilderte Delius das „Gefühl der Erleichterung“, nachdem er die Nachricht vom Preis erhalten habe und in der Begründung zutreffend „das Spezifikum“ seiner Arbeit auf den Punkt gebracht worden sei – „ein halbes Jahr vor dem Rentenalter“. Beide Reden werden durch Stiftung und Akademie veröffentlicht, sind aber vorab unter www.fcdelius.de zugänglich.

Bei der Preisübergabe am 21. September 2007 im Stadttheater Koblenz sprachen außerdem der Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, Dr. Eberhard Schulte-Wissermann, der Vizepräsident der Klasse der Literatur, Albert von Schirnding, sowie Staatsministerin Doris Ahnen und für die Stiftung Joseph Breitbach Dr. Nicolas Baer Grußworte.

Der Breitbach-Preis ist einer der höchstdotierten Literaturpreise in Deutschland und wurde in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehen. Nach dem Willen des 1980 in München verstorbenen Schriftstellers Joseph Breitbach werden damit deutschsprachige Autoren aller Literaturklassen ausgezeichnet. (pp)

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