Was ist Wahrheit? Was ist Glück?
3670 philosophische Begriffe erschließt das „Historische Wörterbuch der Philosophie“. Die 13 Bände liegen nun vollständig vor.

MAINZ. Der „Schlussstein“ ist gesetzt. Mit dem Erscheinen des 13. Bandes, dem Registerband und einer digitalen Ausgabe ist das „Historische Wörterbuch der Philosophie“ abgeschlossen. Es schreibt eine Geschichte der philosophischen Begriffe, dokumentiert ihren Bedeutungswandel in den verschiedenen Epochen und zeigt damit, wie Begriffe unsere Sicht auf die Welt prägen. Diese unter der Verantwortung der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, herausgegebene Begriffsarchäologie ist eines der bedeutendsten, aufwändigsten und auch erfolgreichsten Buchprojekte der modernen deutschsprachigen Geisteswissenschaften. Mehr als 1500 Fachgelehrte aus aller Welt haben an diesem Werk mitgewirkt. Die Textbände 1-12 umfassen in 17.144 Textspalten ca. 6000 Artikel und Artikelteile zu 3670 philosophischen Begriffen von „Abbildtheorie“ bis „Zynismus“.

Wie anders als mit einem philosophischen Diskurs hätte ein solches Ereignis feierlich begangen werden können? Ende August 2007 fanden sich Mitglieder des Herausgeberkreises, Autoren, Redakteure, Akademie- und Verlagsvertreter im Deutschen Literaturarchiv Marbach ein. In einem öffentlichen Kolloquium diskutierten sie untereinander und mit den Referenten Otto Gerhard Oexle, Michael Stolleis , Dieter Teichert und Carsten Dutt über Leistungen und Perspektiven begriffsgeschichtlicher Forschung. Mit Volker Gerhardt (Berlin) moderierte nicht nur ein enger Fachkollege die Abschlussveranstaltung; Gerhardt ist zugleich als Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ein langjähriger Begleiter des zunächst von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dann im Akademienprogramm aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Senators für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin geförderten Mammutwerkes.

Bilanz der Begriffsgeschichte

Das „Historische Wörterbuch der Philosophie“ zeichnet sich gegenüber allen anderen philosophischen Wörterbüchern durch seine Darstellungsmethode, die begriffshistorische Methode, aus. Im Gegensatz zu enzyklopädischen oder systematisch-dogmatisch orientierten Wörterbüchern, die eine beschreibende Erklärung oder Definition der Begriffe bieten, dokumentiert es den Ursprung, das erste Auftreten, und die Geschichte bzw. den Bedeutungswandel eines Begriffs von den Griechen bis heute anhand präziser Belege und Stellenangaben. Der einzigartige Nutzen dieses Pionierwerkes besteht darin, dass die Stellung und die Bedeutung der einzelnen Begriffe in bestimmten Epochen oder bei bestimmten Philosophen oder auch die Bedeutungsverschiebungen und Begriffsgeschichten nachvollziehbar, d.h. die einzelnen Darstellungen verifizierbar oder korrigierbar sind.

Neben den philosophischen Begriffen behandelt dieses Wörterbuch auch Begriffe der angrenzenden Fachgebiete Theologie, Psychologie, Pädagogik, Soziologie, Geschichte, Politik, Jurisprudenz und der Naturwissenschaften. Erst durch die Register wird nunmehr eine umfassende und gezielte Nutzung des begriffsgeschichtlichen Wissens des Gesamtwerkes möglich. Eine Volltext-CD-ROM der Bände 1-13 erschließt das Gesamtwerk. (cs)

Bibliographische Angaben:
Ritter, Joachim; Gründer, Karlfried; Gabriel, Gottfried (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. 12 Textbände A–Z, Band 13: Register mit Volltext-CD-ROM. Basel: Schwabe. ISBN 978-3-7965-0115-9, Preis für das Gesamtwerk: 2380 Euro.

Kontakt:

Prof. Dr. Gottfried Gabriel
Herausgeber des Historischen Wörterbuchs der Philosophie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Philosophie
Zwätzengasse 9
07743 Jena.
Tel.: 03641/944131
gottfried.gabriel@uni-jena.de



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