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Martin Bucer: Neue Bände werfen Licht auf einen alten Streit
Im Dezember macht die Bucer-Edition einen regelrechten Sprung vorwärts. Es werden drei neue Bände der Öffentlichkeit präsentiert.


HEIDELBERG / EMDEN. Die Edition des umfangreichen Werkes von Martin Bucer (1491-1551) ist für die gesamte Epoche der Reformation eines der wichtigsten Vorhaben, da dieser Straßburger Theologe, Kirchenmann und Politiker zu den wirkungsmächtigen Persönlichkeiten der deutschen wie der europäischen Reformationsgeschichte zählt. Von der historisch-kritischen Ausgabe der Deutschen Schriften Martin Bucers, mit der sich die Heidelberger Akademie der Wissenschaften seit 1980 befasst, sind bisher 15 Bände erschienen. Nun folgen gleich drei weitere: Sie gewähren unter anderem Einblick in die Religionsgespräche zwischen Katholiken und Protestanten der Jahre 1541 bis 1542 (Bucers Deutsche Schriften 9,2) und werden Bucers umfangreiche „Beständige Verantwortung“ zur Kölner Reformation vom Januar 1545 erstmals in einer kritischen Edition der Öffentlichkeit zugänglich machen (BDS 11,3). Auch auf den Rechtsstreit zwischen dem Kaiser und den evangelischen Ständen über die umstrittene Frage nach dem rechtmäßigen Besitz der Kirchengüter (BDS 12) wird ein erhellendes Licht geworfen.

„Ende der 1530-er Jahre drohte ein schwelender Rechtsstreit zwischen Kaiser und evangelischen Ständen über den legitimen Besitz von Kirchengütern zu einem regelrechten Krieg zu führen. Kein Reformator hat sich den Herausforderungen dieses politisch tiefgreifenden Konflikts so vorbehaltlos gestellt wie Martin Bucer“, sagt Dr. Stephen Buckwalter, der Band 12 (Schriften zu Kirchengütern und zum Basler Universitätsstreit) bearbeitet hat. „Seine zahlreichen Gutachten zur Kirchengüterfrage verteidigten den protestantischen Zugriff auf das Kircheneigentum, ordneten diesen Anspruch aber in seine umfassende Vision einer grundlegenden, nach den strengen Anforderungen des ’göttlichen Rechts’ zu gestaltenden Erneuerung der Kirche und der Gesellschaft ein.“

Ähnliche theologische Originalität und Sensibilität für die jeweiligen Wahrheitsmomente einander widerstreitender Positionen zeigte Bucer in seinen Gutachten zum Basler Universitätsstreit von 1539, der die Spannung zwischen der seelsorgerlich-geistlichen Ausrichtung und dem wissenschaftlich-theologischen Anspruch des Pfarramtes behandelte.

Die öffentliche Buchpräsentation findet am 20. Dezember um 18 Uhr in der Johannes a Lasco-Bibliothek in Emden statt (Kirchstraße 22). Es handelt sich um Band 9,2 (Bearbeiter Dr. Cornelis Augustijn) sowie Band 11,3 (Dr. Thomas Wilhelmi) und Band 12 (Dr. Stephen Buckwalter). (jos.)

Bibliographische Angaben
Martin Bucer: Deutsche Schriften. Band 9,2: Religionsgespräche (1541-1542). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2007. ISBN 978-3-579-04891-8, Preis 128 Euro.

Martin Bucer: Deutsche Schriften. Band 11,3: Schriften zur Kölner Reformation. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2006. ISBN 978-3-579-04311-1, Preis 160 Euro.

Martin Bucer: Deutsche Schriften. Beiband zu Band 11,3: Johannes Gropper: Christliche und catholische Gegenberichtung. Köln, 1544. Reprint. ISBN 978-3-579-04312-8, Preis 78 Euro.

Martin Bucer: Deutsche Schriften. Band 12: Schriften zu Kirchengütern und zum Basler Universitätsstreit (1538-1545). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, im Druck. ISBN 978-3-579-04892-5, Preis 128 Euro.

Kontakt:

Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Karlstr. 4
69117 Heidelberg.
Tel.: 06221 / 54 34 00
johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de.
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