Nobelpreis für Chemie an Gerhard Ertl

Die Akademie als Ort exzellenter Forscher – 78 Nobelpreisträger zählt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften in ihrer Geschichte

BERLIN. Die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften hat den diesjährigen Nobelpreis für Chemie an den Berliner Forscher Prof. Dr. Gerhard Ertl verliehen. Ertl ist Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Direktor emeritus am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft und Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Preis wurde ihm für seine grundlegenden Arbeiten innerhalb der Oberflächenchemie verliehen. Ende Oktober lud die Berlin-Brandenburgische Akademie zu einem Empfang zu Ehren des Nobelpreisträgers.

Gerhard Ertl war über Jahre hinweg gewähltes wissenschaftliches Mitglied im Rat der Berlin-Brandenburgischen Akademie, engagierte sich im Kuratorium der Hermann und Elise geborene Heckmann-Wentzel-Stiftung und bei vielen öffentlichkeitswirksamen Unternehmungen wie der Akademievorlesung. Er war zudem für die Entwicklung der internationalen Beziehungen der Akademie von unschätzbarem Wert. „Gerhard Ertl verantwortete die Weichenstellungen unserer Akademie von der ersten Stunde an mit, und ist damit für die erfolgreiche Etablierung dieser Institution von entscheidender Bedeutung. Seine aktive Mitarbeit ist nach wie vor außerordentlich bereichernd“, sagte Akademiepräsident Günter Stock. „Dass Gerhard Ertl den Nobelpreis erhalten hat, freut mich für ihn persönlich, es belegt aber auch erneut, dass die Akademie ein Ort exzellenter Forscher ist.“ Mit Gerhard Ertl zählt die 1992 neu konstitutierte Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, die auf die Preußische Akademie zurückgeht, 78 Nobelpreisträger in ihrer Geschichte.

Am 29. Oktober hatte Akademiepräsident Günter Stock gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, zu Ehren Gerhard Ertls zu einem Empfang in den Leibniz-Saal der Akademie geladen. „Die Tatsache, dass er von der Physik kommt und mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde“, sagte Günter Stock in seiner Eröffnungsrede, „dies zeigt einerseits die enorme fachliche Breite der wissenschaftlichen Arbeiten von Herrn Ertl, es ist aber vor allem ein Beleg für die dringende Notwendigkeit von Grenzgängen, von erfolgreichen inter- und transdisziplinären Arbeiten.“ Klaus Wowereit betonte in seiner Rede, dass dieser Nobelpreis für Berlin ein Signal sei. „Wissenschaftliche Exzellenz“, so sagte er, „zählt wieder etwas in unserem Land.“ Spitzenforschung sei zukunftsweisend für die Entwicklung Berlins und Deutschlands. Durch die Exzellenz-Initiative von Bund und Ländern habe ein breites Umdenken in Sachen Forschung und Wissenschaft eingesetzt.

In Anwesenheit vieler Vertreter aus Politik und Gesellschaft wies Nobelpreisträger Gerhard Ertl darauf hin, dass exzellente Forschung auch an Universitäten möglich sei, schließlich seien die Arbeiten, für die er ausgezeichnet wurde, zum großen Teil an Universitäten entstanden, bevor er nach Berlin gekommen sei. Er rühmte aber auch die hohe Qualität des Fritz-Haber-Instituts, an dem er tätig ist. Ähnlich wie ein Dirigent von einem Orchester abhängig sei, sagt Gerhard Ertl, verdanke er seine Leistungen der Qualität seiner Mitarbeiter. (gl)


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