Wege der Forschung in der Medizin

Wie sich Gedankenblitze in der Forschung ihren Weg bahnen, beleuchteten Wissenschaftler während der Göttinger Akademiewoche

GÖTTINGEN. Egal, ob es um Hirnforschung, Stammzelltherapien oder schlagendes Herzgewebe aus dem Reagenzglas geht – die Forschung in der Medizin steht vor besonderen Herausforderungen. Diese aufzuzeigen und für Bedingungen einzutreten, unter denen sie gedeihen kann, war das Anliegen der Göttinger Akademie in der nunmehr zum dritten Mal gemeinsam mit der Stadt veranstalteten Akademiewoche 2007. In Vorträgen berichteten Mitglieder der Akademie über ihre Arbeiten, die in den von ihnen geleiteten Kliniken und Laboratorien in Universitäten oder Max Planck-Instituten entstanden sind.

Stärker als in den Naturwissenschaften hat die medizinische Forschung im Umgang mit den Kranken ethische Grundsätze zu berücksichtigen; Erkenntnisse lassen sich wegen der Individualität der Patienten nicht ohne weiteres verallgemeinern. Zudem unterliegen Ärzte speziellen berufsbedingten Risiken, die ihre Forschungstätigkeit erschweren. Andererseits entstehen aus Krankengeschichten auch Ideen für neue Forschungsansätze.

Dass diese Ideen nicht planbar sind und die Forschung außerdem vielfach von einzelnen Persönlichkeiten mit besonderem Stehvermögen und individuellen Interessen vorangetrieben wird, wird oft vergessen – und mit ihr die „freie Spielwiese“ engagierter Anfänger und ihrer Lehrer, derer es bedarf, damit sich solche Forscherpersönlichkeiten entfalten können. Nachwuchsförderung und Erkenntnisfortschritt greifen hier ineinander. In Deutschland hat das eine lange Tradition.

Diese Tradition droht allerdings, verschüttet zu werden: Viel zu viele hochbegabte Forscher wandern aus, weil sie hierzulande keine adäquaten Arbeitsbedingungen finden. Die Mitglieder der Göttinger Akademie haben sich daher vorgenommen, jungen Wissenschaftlern zu helfen, auch in Deutschland ein Forschermilieu zu finden, in dem sie kreativ arbeiten können.

Während der Akademiewoche 2007 sprachen:
Prof. Dr. Michael Manns, Medizinische Hochschule Hannover: Entdeckungen, die die Behandlung weltweiter infektiöser Lebererkrankungen revolutionierten

Prof. Dr. Norbert Hilschmann, Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen: Immunität und Gehirn: Vorprogrammierte Systeme für Reaktionen auf das Unerwartete

Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Medizinische Fakultät der Universität Göttingen: Stammzellen in der Kardiologie, ein neuer therapeutischer Ansatz?

Prof. Dr. Thomas Eschenhagen, Medizinische Fakultät der Universität Hamburg: Schlagendes Herzgewebe im Reagenzglas

Prof. Dr. Hans-Jürg Kuhn und PD Dr. Wolfgang Knabe, Medizinische Fakultät der Universität Göttingen: Die Embryonalentwicklung der Netzhaut als Modell für die Hirnreifung

Prof. Dr. Jens Frahm, Biomedizinische NMR Forschungs GmbH am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen: Robert Brown, Albert Einstein und der Fortschritt der bildgebenden Diagnostik

Prof. Dr. Reiner Thomssen, Medizinische Fakultät der Universität Göttingen: Welche molekularen Strukturen vermitteln die Infektion der Leberzelle durch das Hepatitis-C-Virus?

Prof. Dr. med. Eckart Altenmüller, Hochschule für Musik und Theater Hannover: Robert Schumann als Bewegungsforscher? Wie aus Krankengeschichten Forschungsideen entstehen

Ausgewählte Vorträge werden im Jahrbuch der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen veröffentlicht. (al)

Kontakt:

Ulla Deppe, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Theaterstraße 7
37073 Göttingen.
Tel.: 0551 / 39 53 62
udeppe@gwdg.de.
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