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BERLIN. Weltweit wurden die Anbauflächen gentechnisch veränderter Pflanzen in den letzten Jahren auf über 100 Mio. Hektar ausgedehnt. In Deutschland ist dagegen mit einem raschen flächendeckenden Anbau gentechnisch veränderter Sorten nicht zu rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, den die Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften vorgelegt hat.
„Die weiterhin steigenden Anbauflächen und verschiedene Studien belegen, dass Landwirte von der ersten Generation grüner Gentechnik trotz höherer Saatgutkosten profitieren können“, sagt der Sprecher der Arbeitsgruppe Ferdinand Hucho von der Freien Universität Berlin. Allerdings finden die Landwirte in der EU schlechtere Rahmenbedingungen vor als in anderen Ländern. Hierbei seien in erster Linie die Kennzeichnungspflicht und die Koexistenzregeln beim Anbau wie bei der Verarbeitung transgener und nicht-transgener Pflanzen zu nennen.
Präzisionszüchtung mit arteigenen Genen
„Gleichzeitig ist das Forschungsgebiet der grünen Gentechnik sehr dynamisch und wird weltweit weiterhin intensiv vorangetrieben“, gab der Molekularbiologie Bernd Müller-Röber von der Universität Potsdam bei der Vorstellung der Studie zu bedenken. Aktuelle Entwicklungen sind beispielsweise die Präzisionszüchtung (Smart Breeding) und Pflanzen, bei denen die Gentechnik lediglich arteigene Gene verwendet (Cis-gene Pflanzen). Beide Technologien werden allerdings die „klassische“ Gentechnologie bei Pflanzen nicht ersetzen können.
Für die Grundlagenforschung fordern die Autoren, dass aus genehmigten Freisetzungsversuchen erfolgende Auskreuzungen nicht als kommerzielles Inverkehrbringen gewertet werden. Dazu müssen Regelungen gefunden werden, die die Forschung nicht behindern, aber gleichzeitig dem Sicherheitsbedürfnis von Landwirten und Verbrauchern Rechnung tragen. In diesem Punkt weise das Eckpunktepapier der Bundesregierung zur Gentechnik in die richtige Richtung.
Beitrag der Wissenschaft zur Gentechnik-Debatte
Das Supplement zur grünen Gentechnologie aktualisiert und ergänzt das Kapitel zur Pflanzenzüchtung im Gentechnologiebericht der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Mit seinem komplexen Monitoring will der Bericht über aktuelle Fragen informieren und zu einer Moderation der öffentlichen Debatte beitragen.
Die von dem Biochemiker Ferdinand Hucho geleitete interdisziplinäre Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht besteht aus Naturwissenschaftlern, Geistes- und Sozialwissenschaftlern. Die Studie schreibt den ersten deutschen Gentechnologiebericht weiter, den die Arbeitsgruppe im September 2005 veröffentlicht hat. Die Arbeit am Gentechnologiebericht soll zunächst bis 2010 fortgeführt werden. Weitere Ergänzungsbände zur Grünen Gentechnologie, zu Gentherapie und Gendiagnostik sind in Vorbereitung.
Bibliographische Angaben
Müller-Röber, Bernd; Hucho, Ferdinand, van den Daele, Wolfgang; Köchy, Kristian; Reich, Jens; Rheinberger, Hans-Jörg; Schmidtke, Jörg; Sperling, Karl; Wobus, Anna M.; Boysen, Mathias; Kölsch, Meike: Grüne Gentechnologie - Stand des Wissens und der ökonomischen Anwendungen. Supplement zum Gentechnologiebericht. Forschungsberichte der Interdisziplinären Arbeitsgruppen, Bd. 16. Heidelberg/Berlin: Elsevier Spektrum Akademischer Verlag, 2007. BBAW. ISBN-13 978-3-8274-1903-3, Preis: 25,00 Euro.
Kontakt
Gisela Lerch
Leiterin der Abteilung Kommunikation und Information der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
Jägerstraße 22/23
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Tel.: 030 / 20370-657
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