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HEIDELBERG. Wie wurde Germanien erobert? Woher kam das Baumaterial für die ägyptischen Pyramiden? Wie veränderte der Mensch schon in der Steinzeit seine Umwelt? Wenn Archäologen und andere Geisteswissenschaftler Antworten auf solche Fragen suchen, bekommen sie Hilfe von einer noch jungen Naturwissenschaft: der Archäometrie. An der Heidelberger Akademie der Wissenschaften diskutierten etwa 100 Experten über den Stand der Forschung.
Als im Wintersemester 1976 / 1977 das erste Archäometrie-Seminar in Heidelberg gehalten wurde, war die Resonanz noch geteilt: Von den einen kritisch als Konkurrenz beäugt, wurden die neuen Möglichkeiten von den anderen begeistert aufgenommen. Doch als im Laufe der letzten beiden Dekaden sichtbar wurde, welches Leistungsspektrum die Archäometrie abdecken kann, verstummten die kritischen Stimmen nahezu gänzlich. Dank neu entwickelter Messverfahren konnten prähistorische Fundstücke und Sedimente physikalisch datiert werden - von trojanischen Scherben über bronzezeitliche Siedlungsreste bis hin zu den berühmten Nasca-Linien in Peru. Dies bedeutete eine große Chance für verschiedenste Disziplinen wie die Ägyptologie, Paläoanthropologie, Archäologie, Amerikanistik, Geoarchäologie und andere. Denn erstmals konnten nun geisteswissenschaftliche Hypothesen durch physikalische Messverfahren gestützt oder auch falsifiziert werden.
Forschungsstelle an die Universität übergeben
Hohe wissenschaftliche Reputation erarbeitete sich dabei die Forschungsstelle Archäometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Als sie Mitte letzten Jahres planmäßig ihre Arbeit unter der Ägide der Akademie einstellte, konnte sie an die Universität Heidelberg übergeben werden. Hier wird sie seit Juli 2006 als eigenständiger Bereich am Geographischen Institut weitergeführt und erhielt am Lehrstuhl für Physische Geographie entsprechende Laborräume. Die Universität plant außerdem einen Masterstudiengang Geoarchäologie.
„Wie kaum einer anderen Disziplin gelang uns ein Brückenschlag zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften“, sagt Prof. Dr. Günther Wagner, der die Forschungsstelle Archäometrie an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften leitete. Vor allem durch das Lumineszenzverfahren sei es der Arbeitsstelle gelungen, archäologische Ablagerungen, Keramiken, Steine, Feuerstellen und andere historische Zeugnisse im Labor zeitgeschichtlich genau einzuordnen.
Auch das Alter und die Zusammensetzung von Kunstwerken kann bestimmt und damit deren Echtheit geprüft werden. Welche Aufmerksamkeit solche Forschung auf sich ziehen kann, erfuhr unter anderen Prof. Dr. Ernst Pernicka vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen, als er die Echtheit der Himmelsscheibe von Nebra untersuchte. Auf der Konferenz sprach er daher über „High-Tech für die Bronzezeit - Herkunft, Herstellung und Echtheit der Metalle von Nebra“.
Einen aktuellen Schwerpunkt der Archäometrie bildet die Erforschung der Klima- und Landschaftsentwicklung, berichteten die Experten. Mithilfe der Archäometrie gelang der Nachweis, dass bereits die Menschen in der Jungsteinzeit so stark in ihre Umwelt eingriffen, dass diese sich regional gravierend veränderte. So sei die sanfte Hügellandschaft des Kraichgaus keineswegs natürlichen Ursprungs, sondern eine Folge von Waldrodungen, Landwirtschaft und darauf folgender Bodenerosion.
Kontakt
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Karlstr. 4
69117 Heidelberg
Tel.: 06221 / 54 34 00
johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
www.haw.baden-wuerttemberg.de und
Prof. Dr. Günther Wagner
ehemals Leiter der Forschungsstelle Archäometrie an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Tel.: 06221 / 544584
guenther.wagner@mpi-hd.mpg.de
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