Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
  DIE AKADEMIENUNION FORSCHUNG / AKADEMIENPROGRAMM KLEINE AKADEMIEGESCHICHTE AKTUELLES SERVICE  
Startseite English
   
VeranstaltungenPressekonferenzen"Aus den Akademien"PressemitteilungenAus aktuellem Anlass Aktuelles
Musik des Abendlandes
Balzan-Preis 2006 an Musikwissenschaftler Ludwig Finscher verliehen

HEIDELBERG. Die internationale Balzan Stiftung hat den deutschen Musikwissenschaftler Ludwig Finscher für seine Studien zur Geschichte der abendländischen Musik seit 1600 ausgezeichnet. Der Preis gilt als eine der wichtigsten wissenschaftlichen, kulturellen und humanitären Ehrungen und wurde Ende November vom italienischen Staatspräsident Giorgio Napolitano in Rom überreicht. Finscher ist ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz.

Finscher zählt nach Einschätzung der Balzan Stiftung „weltweit zu den bedeutendsten Musikwissenschaftlern“. Der Preis sei ihm zuerkannt worden für „seine umfassende Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Musikwissenschaft, für seine scharfsinnigen und einprägsamen Erläuterungen musikalischer Kunstwerke, für seine tiefschürfenden Kommentare zu musikalischen Phänomenen sowie für die editorische Leitung der Neuausgabe der Enzyklopädie ‚Die Musik in Geschichte und Gegenwart‘, welche solche Erkenntnisse einem breiten Kreis von Musikern und Musikliebhabern zugänglich macht.“

Alljährlich werden vier Balzan Preise an international angesehene Forscher, Wissenschaftler beziehungsweise Künstler vergeben. Die vier Fachgebiete wechseln von Jahr zu Jahr und entstammen dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften, der Kunst sowie der Physik, Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin. Die jeweilige Preissumme beträgt eine Million Schweizer Franken (etwa 640.000 Euro) – die Hälfte sollen die Preisträger zur Förderung von Forschungsprojekten vornehmlich junger Wissenschaftler einsetzen.

Prof. Dr. Ludwig Finscher wurde 1930 in Kassel geboren und studierte von 1949 bis 1954 an der Universität Göttingen, wo er mit einer Dissertation über „Die Messen und Motetten Loyset Compères“ promovierte. Er habilitierte 1967 an der Universität Saarbrücken mit der Arbeit „Das klassische Streichquartett und seine Grundlegung durch Joseph Haydn“ und lehrte als Professor an der Universität Frankfurt am Main und später bis zu seiner Emeritierung an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Studien zur Geschichte der abendländischen Musik

Seine wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf vier Bereiche, die alle den historischen Zeitraum vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert betreffen: Seine Studien zum Streichquartett, zur Kammermusik und zu Joseph Haydn sind Standardwerke, ebenso wie die zweibändige Edition der „Musik des 15. und 16. Jahrhunderts“. Neben zahlreichen Aufsätzen in wissenschaftlichen Publikationen trug er zu den Gesamtausgaben der Werke von Gluck und Mozart bei. Zu seinen wichtigsten Initiativen zählt die Neuausgabe der 26-bändigen Enzyklopädie „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“, deren Herausgeber er seit 1988 ist. Dieses Projekt wird Finscher im kommenden Frühjahr zum Abschluss bringen.

Gottfried Scholz betonte in seiner Laudatio, Finschers Arbeiten seien von „herausragender Qualität, immer geht er auf die Primärquellen zurück, jeweils kommentiert er die vorhandene Sekundärliteratur. (…) Es ist immer die Musik selbst, die er in das Zentrum seiner Darstellungen setzt, doch sieht er sie als Teil geistiger, kultureller, sozialer Geschehnisse, welche er in klaren Worten und mit Einfühlungsvermögen in vergangene Zeiten zu skizzieren versteht. (…) Das große Ansehen Finschers in der internationalen Fachwelt manifestiert sich in hohen Ämtern (Präsident der Gesellschaft für Musikwissenschaft) und in ehrenvollen Mitgliedschaften zu Akademien in und außerhalb Deutschlands und des Ordre pour le mérite.“

Erstmals Musikwissenschaftler mit dem Balzan Preis ausgezeichnet

In seiner Dankesrede in der Accademia Nazionale dei Lincei sagte Finscher: „Über diese unerwartete und ungewöhnliche Ehrung freue ich mich sehr. Sie ermöglicht es mir, mit neuen Forschungsprojekten zu beginnen, die ich schon lange plane, bisher aber nicht verwirklichen konnte. (…) Ein weiterer Aspekt ist mir wichtig. Der Balzan Preis wurde bisher erst zwei Mal für Leistungen in der Musik vergeben: 1962 an Paul Hindemith und 1991 an György Ligeti. Indem sie nun zum ersten Mal einen Musikwissenschaftler ausgewählt hat, hat die Balzan Stiftung auch eine Wissenschaftsdisziplin geehrt, die, milde ausgedrückt, nicht im Zentrum des öffentlichen Interesses steht und es heutzutage auch als Universitätsfach schwer hat.”

Der Zweck der Balzan Preise besteht darin, die Kultur und Wissenschaften sowie besonders verdienstvolle humanitäre Initiativen für den Frieden und die Brüderlichkeit unter den Völkern unabhängig von Nationalität, Rasse und Religionszugehörigkeit zu fördern. Bereits im letzten Jahr war mit dem Sinologen Lothar Ledderose ein Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften unter den Balzan-Preisträgern.

Kontakt

Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Karlstr. 4
69117 Heidelberg
Tel.: 06221 / 54 34 00
johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
www.haw.baden-wuerttemberg.de



Druckversion

Redaktion
Union der deutschen Akademien
der Wissenschaften
Büro Berlin
Myriam Hönig (v.i.S.d.P.)
Dr. Annette Schaefgen
Markgrafenstr. 37
10117 Berlin
Tel. 030 / 325 98 73 72
schaefgen@akademienunion-berlin.de

  Die AkademienBerlinGöttingenMünchenLeipzigHeidelbergMainzDüsseldorf  Impressum