Ein Protestant als Papsthistoriker
Von Prof. Dr. Ernst-Dieter Hehl

TÜBINGEN. Ein faszinierendes Panorama der Papstgeschichtsschreibung breiteten deutsche Mediävisten am 80. Geburtstag von Professor Dr. Harald Zimmermann aus. Gleichzeitig stellten sie aktuelle Neuerscheinungen der mediävistischen Grundlagenforschung vor.

Unter dem Motto „Über die Faszination der Papstgeschichte“ stand kürzlich ein eintägiges Kolloquium in Tübingen anlässlich des 80. Geburtstages des Mediävisten Harald Zimmermann, ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Organisiert wurde die Veranstaltung von Wilfried Hartmann (Tübingen) und Klaus Herbers (Erlangen).

Vorgestellt wurden gleichzeitig zwei neue Bände der Regesta Imperii, die sich der Papstgeschichte widmen (für die Jahre 1024-1046 und 1184/85 für den quellenreichen Pontifikat Lucius’ III.) – eine passende Geburtstagsgabe für den Jubilar. Denn er hat als erster einen Band Papstregesten 911-1024 in den an der Geschichte der deutschen Herrscher orientierten Regesta Imperii vorgelegt und sein Regestenwerk später durch eine Edition der Papsturkunden (896-1046) ergänzt, die in den Denkschriften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erschienen ist.

Ausflug in das späte Mittelalter

Die Begeisterung für die Papstgeschichte hat Zimmermann in seinem wissenschaftlichen Oeuvre auch in das späte Mittelalter geführt. 1994 hat er bei den Monumenta Germaniae Historica die Papstgeschichte des Wiener Theologen Thomas Ebendorfer (gestorben 1464) ediert und dieser Edition Ausgaben der weiteren historischen Werke Ebendorfers folgen lassen, dem er 1952 seine historische Dissertation gewidmet hatte.

So wäre ein weites Panorama faszinierender Papstgeschichte auf diesem Kolloquium zu zeichnen gewesen. Es musste sich aber auf einzelne Aspekte beschränken. Die Referenten spiegelten die Tradition der Tübinger Papstgeschichtsforschung sowie die Verknüpfung der Papstgeschichtsforschung mit der Regestenarbeit und den Editionen der Monumenta Germaniae Historica, kurz: die Arbeitsgebiete und Forschungszusammenhänge, für die Zimmermanns Name steht.

Wie sich Zeitgenossen an Canossa erinnerten

Der Festvortrag von Johannes Fried (Frankfurt) galt fast folgerichtig einem Thema, dem Zimmermann 1975 als Abhandlung der Mainzer Akademie eine grundlegende Studie gewidmet hatte: Canossa. Hatte Zimmermann hier neben der Rekonstruktion der Ereignisse das Augenmerk der Forschung vor allem auf die Rezeption dieser dramatischen Geschehnisse bis in das 20. Jahrhundert gelenkt, so fragte Fried danach, wie die Erinnerung der Zeitgenossen sich zwischen das Ereignis und den Historiker schiebt, der sich seiner Erkenntnis widmet.

Die Faszination der Papstgeschichte liegt offenbar darin, so zeigte das Kolloquium, dass dieses Forschungsfeld sowohl der Grundlagenforschung wie Edition und Erstellung von Regesten als auch komplexer historischer Fragestellung und Methode offensteht – beides sich letztlich unauflösbar miteinander verschränkt.

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