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Von Dr. Gabriele Buschmeier
MAINZ. Die Bedeutung digitaler Medien für die kritischen Editionen großer Komponisten diskutierten Ende November etwa 75 Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, USA und Österreich. Das Kolloquium „Digitale Medien und Musikedition“ wurde vom Ausschuss für musikwissenschaftliche Editionen der Akademienunion und dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften der Universität Trier veranstaltet.
Mit ausgewählten EDV-basierten literatur- und musikwissenschaftlichen Projekten und Fachportalen wie dem Heinrich-Heine-Portal und dem digitalen Beethoven-Archiv wurde zunächst demonstriert, welche digitalen Recherchemöglichkeiten es bereits gibt. Dabei kam zum Ausdruck, dass die Erschließung und Bereitstellung digitaler Fachinformationen inzwischen zu den zentralen Aufgaben beider Disziplinen gehört. Sowohl Literatur- als auch Musikwissenschaftler müssen sich mit ähnlichen Problemen und Fragen auseinandersetzen, wenn sie Quellen und wissenschaftliche Materialien recherchierbar und dauerhaft verfügbar machen wollen.
Im Zentrum der Tagung stand das Thema „Digitale Musikedition“, das anhand ausgewählter Projekte wie der „Digitalen Mozart-Edition“ diskutiert wurde: Neben Methoden und Techniken von Kodierungsformen von Musik (z.B. MusicXML) wurde erörtert, wie neue Quellen am besten erschlossen und Daten gespeichert und strukturiert werden sollten. Auch Datenhaltungsstandards und die Möglichkeiten ihrer Anwendung bzw. Aufbereitung wurden thematisiert.
Ressourcen für die digitalen Musikeditionen bündeln
In dem abschließenden Workshop ging es vor allem um mögliche gemeinsame Standards, Werkzeuge und Formate sowie um Vernetzungsmöglichkeiten und Fragen zur Forschungsförderung. Die Teilnehmer waren sich einig, dass internationale Kooperation und Austausch auf nationaler wie internationaler Ebene unabdingbar sind. Auch mit Blick auf die Perspektiven digitaler Musikedition sollten die begonnenen Entwicklungen unbedingt koordiniert werden, um Ressourcen zu bündeln und Synergieeffekte zu erzielen. Darüber hinaus wurde empfohlen, unter dem Dach der Akademienunion ein entsprechendes Forum zu etablieren sowie kleinere Arbeitsgruppen einzurichten. Diese sollten sich nicht nur mit spezifischen Fragen und Problemen digitaler Musikedition auseinandersetzen und die Entwicklung auf diesem Gebiet vorantreiben, sondern vor allem auch die Ergebnisse ihrer Arbeit kommunizieren.
Initiiert und veranstaltet wurde das Kolloquium vom Ausschuss für musikwissenschaftliche Editionen der Akademienunion. Dieser hat die Aufgabe, die langfristigen musikwissenschaftlichen Editionsvorhaben im Rahmen des Akademienprogramms zu koordinieren und die Union sowie insbesondere die Akademie Mainz, die die Vorhaben wissenschaftlich betreut, zu beraten. Der Ausschuss koordiniert derzeit 17 musikwissenschaftliche Editionsvorhaben mit 21 Arbeitsstellen und rund 60 Mitarbeitern in zehn Bundesländern. Zu den Vorhaben gehören unter anderen die Neue Mozart-Ausgabe, die Neue Bach-Ausgabe, die Haydn-Gesamtausgabe, die Neue Schubert-Ausgabe, die Wagner-Gesamtausgabe, die Schumann-Gesamtausgabe, die Neue Brahms-Ausgabe, die Hallische Händel-Ausgabe und die Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe.
In der Vergangenheit hat der Ausschuss bereits mehrfach Symposien zu zentralen Themen der Musikwissenschaft veranstaltet, so zum Beispiel zur „Opera incerta“ und den „Komponistenbriefen des 19. Jahrhunderts“. Auf diesen Symposien gingen Experten unter anderem der Frage nach, welche Methoden die aus öffentlichen Mitteln geförderten Editionsstellen der großen Gesamtausgaben anwenden und welche Auswirkungen die eingeschlagenen Wege auf das wissenschaftliche Ziel der Projekte haben. Mit dem Thema „Digitale Medien und Musikedition“ hat sich der Ausschuss für musikwissenschaftliche Editionen für eine sehr aktuelle Fragestellung entschieden, da die elektronischen Medien bei der Durchführung der Editionsvorhaben und der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse eine zentrale Bedeutung gewinnen.
Kontakt
Dr. Gabriele Buschmeier
Wissenschaftliche Referentin für die Koordinierung der musikwissenschaftlichen Editionen der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Tel.: 06131 / 577120
gabriele.buschmeier@akademienunion.de
www.akademienunion.de
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