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Menschenhandel in der Antike: Eine Tradition bis heute?

Von Dr. Andrea Binsfeld

MAINZ. Sie werden verschleppt und missbraucht, zur Sklavenarbeit und zur Prostitution gezwungen. Kaum ein Tag vergeht, an dem man aus den Medien nicht vom gewaltsamen Schicksal von Frauen und Kindern erfährt. Der Kampf gegen das Human Trafficking hat heute für die nichtstaatlichen Anti-Sklaverei-Organisationen höchste Priorität. Sklaverei und Knechtschaft, Frondienst und Zwangsarbeit kannte jedoch schon die Antike. Wie sich diese „Tradition“ bis heute fortsetzt, wurde kürzlich auf einer Tagung der Mainzer Akademie diskutiert. Die Ergebnisse sollen 2007 publiziert werden.

Organisiert wurde die Tagung von dem Projekt „Forschungen zur antiken Sklaverei“ der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Fast 60 Teilnehmer aus sechs europäischen Ländern und Nachwuchswissenschaftler des Trierer Graduiertenkollegs „Sklaverei – Knechtschaft und Frondienst – Zwangsarbeit“ kamen in den Räumen der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur zusammen.

In den letzten Jahren ist der Menschenhandel wieder stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen: Trotz Aktualität und Relevanz sind allerdings Beiträge zu einem historischen Vorläufer, dem antiken Sklavenhandel, selten. Ziel der Tagung war es, auf dieses Forschungsdesiderat aufmerksam zu machen und diese Lücke zumindest teilweise zu schließen.

Moderner Menschenhandel im Rhein-Main-Gebiet

Um eine Brücke zwischen dem Menschenhandel in der Antike und der Neuzeit zu schlagen, konnten die Veranstalter die Frankfurter Staatsanwältin Annette von Schmiedeberg gewinnen, die seit 1997 in der Abteilung für Organisierte Kriminalität arbeitet und dort vorrangig Ermittlungsverfahren zum organisierten Menschenhandel und andere Verfahren aus dem Rotlichtmilieu bearbeitet. Ausgehend von den gesetzlichen Grundlagen gegen den Menschenhandel berichtete sie von ihrer täglichen Arbeit gegen die organisierte Kriminalität, speziell über die Ausprägungen des modernen Menschenhandels im Rhein-Main-Gebiet.

Dem Thema des antiken Sklavenhandels näherten sich die Teilnehmer mit vier Vorträgen an. Den Menschenhandel aus der Sicht des römischen Rechts behandelte der Salzburger Rechtshistoriker J. Michael Rainer. Ausgehend von den Quellen der Sklaverei betonte er dabei vor allem die Kaufverträge. Er thematisierte ferner das Strafrecht zum Menschenhandel. Anders als in heutiger Zeit spielte der Menschenhandel zur Prostitution in den römischen Rechtsquellen jedoch keine wichtige Rolle.

Karl-Wilhelm Welwei, ehemals Professor für Alte Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum, untersuchte in seinem Vortrag Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Folgen von Menschenraub und Deportationen in frühen Kulturen insbesondere im neuassyrischen Reich, der archaischen Zeit in Hellas und der Wanderungsbewegungen germanischer Völkerschaften. Zum Vergleich zog er die Sklavenjagden der Dahome-Krieger in Westafrika im 18. und frühen 19. Jahrhundert heran.

Sklavinnen in der Antike

Speziell dem Frauenhandel widmete sich der Vortrag von Andrea Binsfeld, Mitarbeiterin im Projekt „Forschungen zur antiken Sklaverei“. Ausgehend von zwei recht unterschiedlichen Quellengruppen – den Papyrusurkunden und den Schilderungen in den antiken Romanen – entwarf sie ein anschauliches Bild des Frauenhandels: von der Herkunft der Sklavinnen, den Handelsrouten, von Preisen und Alter der Frauen bis hin zu den Sklavenhändlern und den Arbeitsbereichen der verhandelten Frauen.

Heikki Solin, Professor für Lateinische Philologie an der Universität von Helsinki, kommentierte die Herkunft der römischen Sklaven aufgrund seiner eigenen Forschungen zu den griechischen Personennamen sowie aufgrund neuerer Forschungen. Das zu diesem Thema gesammelte Material erlaubt zwar keine statistischen Schlüsse, kann aber ungefähre Einschätzungen ermöglichen, so dass man eine Vorstellung über das Verhältnis der sprachlichen Zugehörigkeit des Namens und der Herkunft seines Trägers gewinnen kann.

Die anregenden Diskussionen im Plenum und in Einzelgesprächen machten nochmals die Relevanz der Forschungen zur antiken Sklaverei auch für heutige Situationen und Themen deutlich. Um die Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist eine Publikation der Beiträge für die erste Hälfte des Jahres 2007 vorgesehen.

Kontakt

Dr. Carlo Servatius
Leitender Akademischer Direktor
Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz
Geschwister-Scholl-Str. 2
55131 Mainz
Tel.: 06131 / 577 106
carlo.servatius@adwmainz.de
www.adwmainz.de



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