Den Genen von Mikroorganismen auf der Spur
Universität Marburg ehrte den Präsidenten der Akademienunion mit Medizinpreis

MARBURG. Der Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, Prof. Dr. Gerhard Gottschalk, wurde mit einer der höchstdotierten deutschen Medizinauszeichnungen geehrt. Für seine überragenden Verdienste um die Mikrobiologie verlieh ihm und dem Würzburger Mikrobiologen Prof. Dr. Werner Goebel der Präsident der Philipps-Universität Marburg den Emil-von-Behring-Preis. Das Preisgeld von insgesamt 25.000 Euro stiftete der Impfstoffhersteller Novartis Behring.

Die Tradition des ersten Medizin-Nobelpreisträgers Behring, so lautete die Begründung der Philipps-Universität, setze Gerhard Gottschalk „im besten Sinne“ fort. War Emil von Behring unter anderem durch den ersten Impfstoff gegen Tetanus bekannt geworden, so gelang es Gottschalk und seinem Team im Jahr 2002, die Genomsequenz des Bakteriums Clostridium tetani zu entziffern.

Der Mikrobiologe an der Georg-August-Universität Göttingen hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Genomforschung an Bakterien in Deutschland führend ist: Er hat 1997 das Göttinger Laboratorium für Genomanalyse gegründet und leitet es seitdem. Darüber hinaus initiierte er 2001 im Genomforschungsprogramm GenoMik das Kompetenznetz Göttingen mit der „Genomforschung an Bakterien zu Analyse der Biodiversität der Bakterien und ihrer Nutzung zur Entwicklung neuer Produktionsverfahren“. Unter seiner Leitung wurden die Genome von mehr als zehn Mikroorganismen entschlüsselt.

In diesem Jahr wurden erstmals zwei Preisträger geehrt. Neben Gerhard Gottschalk wurde Prof. Dr. Werner Goebel (Julius-Maximilian-Universität Würzburg) ausgezeichnet. Er ist ebenfalls ein maßgeblicher Initiator der Genomnetzwerke, hat sich Verdienste um die Erforschung der Pathogenese wichtiger bakterieller Krankheitserreger erworben und Impfstoffe entwickelt, die Bakterien als Träger wichtiger schützender Antigene verwenden.

Der Emil-von-Behring-Preis der Philipps-Universität Marburg wurde nach dem ersten Nobelpreisträger für Medizin, dem Marburger Hygieniker und Begründer der Serumtherapie Emil von Behring (1845-1917) benannt. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben.


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