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Hoffentlich nicht zu viele „Zusammengekrotzte“!
Erste Lieferung des „Wörterbuchs der Winzersprache“ auf CD-ROM

KAISERSLAUTERN. Wenn sich Winzer über ihre Arbeit, ihre Sorgen und Nöte unterhalten, so kann das etwas derbe klingen. „Arschlos“ ist eine Rebe, deren untere Wurzeln abgestorben sind. Und allzu viele „Zusammengekrotzte“ will man auch nicht haben – schließlich lassen sich vertrocknete Beeren nicht verkaufen. „Bettschisser“ dagegen sind nichts Verwerfliches, allerdings spielt die saure, einheimische Weinsorte heute kaum noch eine Rolle. Im „Wörterbuch der Winzersprache“ aus dem Akademienprogramm wird die jahrhundertealte und bislang nur mündlich überlieferte Arbeitssprache rund um den Wein dokumentiert und damit ein Stück Sprach- und Kulturtradition vor dem Untergang bewahrt. Die erste Lieferung ist nun auf CD-ROM erschienen.

Manchmal müssen die alten Winzer selbst schmunzeln, wenn sie Maria Besse, der Arbeitsstellenleiterin des an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, angesiedelten Wörterbuchs, ihren Sprachschatz verraten. Was für die 60- bis 90-jährigen deutschsprachigen Weinbauern zwischen Luxemburg und Aserbaidschan ihr gesamtes Arbeitsleben lang ganz normal geklungen hatte, offenbarte nun manch zutiefst menschliche Frustration und manchmal auch einen feinen Humor.

Das freilich ist nicht der Grund, warum sich die Sprachwissenschaftler für die bislang nur mündlich von Generation zu Generation weiter getragene Fachsprache interessieren. Vielmehr droht hier, ein jahrhundertealtes und sehr vielfältiges Erbe mit den alten Winzern auszusterben, die den Anbau der Reben noch vor der Technisierung erlebt haben. Mit dem Mainzer Akademie-Projekt entsteht nun ein europäisches Fachwörterbuch zur älteren Terminologie des Weinbaus und zur Weinkultur in allen deutschen bzw. (ehemals) deutschsprachigen Weinbaugebieten West-, Mittel-, Südost- und Osteuropas.

Seit den 80er Jahren wurden dafür Interviews an 500 Orten und in 23 Ländern aufgenommen und in einer Datenbank erfasst. Der gesamte, zum Teil schon historisch gewordene Winzerwortschatz wird hierbei in folgende Sachbereiche untergliedert: Rebe, ihre Teile und Rebsorten, Weinberg, Weinbergsarbeit, Traubenlese, Presse und Mostbereitung, Weinbereitung und Wein, Weingenuss und Winzerbrauchtum. Die unersetzlichen, vielerorts letztmalig erhobenen Sprachquellen, besonders aus den deutschen Sprachinseln, stellen eine erstrangige Geschichtsquelle für zahlreiche Disziplinen dar – von der Sprachwissenschaft, Geschichtswissenschaft bis zur Volkskunde. Die 2000 Jahre währende Kontinuität des Weinbaus in Deutschland seit den Römern erlaubt es unter anderem, die Entwicklung von Lehnwörtern aus dem Lateinischen oder aus den osteuropäischen Sprachen nachzuverfolgen.

Das Wörterbuch wird seit 1999 durch das Akademienprogramm gefördert. Bis 2012 soll parallel zum Arbeitsfortschritt jährlich eine multimedial aufbereitete CD-ROM erscheinen. Als Online-Wörterbuch werden die Forschungsergebnisse außerdem auszugsweise im Internet veröffentlicht (www.winzersprache.de). Zum Projektabschluss ist ein zweibändiges Wörterbuch geplant, dem eine recherchefähige digitale Ausgabe beigefügt wird.

Kontakt
Dr. Carlo Servatius
Leitender Akademischer Direktor
Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz
Geschwister-Scholl-Str. 2
55131 Mainz
Tel.: 06131 / 577 106
carlo.servatius@adwmainz.de
www.adwmainz.de

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