Haben wir genug Energie?
Eine Denkschrift der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften zur Sicherung der Energieversorgung

DÜSSELDORF. Anhaltende politische Spannungen im öl- und gasreichen Nahen Osten und die Lieferengpässe bei Erdgas verdeutlichen, dass die langfristige Sicherheit unserer Energieversorgung überprüft werden muss. Insbesondere der enorm steigende Energiebedarf in den aufstrebenden Ländern Asiens und der Dritten Welt erfordert ein zügiges und angemessenes Handeln. Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften wendet sich daher mit der Denkschrift „Die Energieversorgung sichern. Politische, technologische und wirtschaftliche Implikationen“ an die Öffentlichkeit und die Politiker.


Die Einführung neuer Techniken zur Energieumwandlung benötige von der Entwicklung bis zum Bau von Anlagen mehrere Jahrzehnte. Daher sei eine doppelte Strategie nötig: Bereits heute erprobte Techniken sollten nach nüchterner Betrachtung umfassender eingesetzt werden als bisher und zugleich zielstrebig auf neue Lösungen zugearbeitet werden. Da allen bekannten Studien zufolge weder regenerative Energiequellen noch die Kernfusion in den nächsten Jahrzehnten einen großen Beitrag zur weltweiten Energieversorgung leisten können, hieße dies vor allem eine Konzentration auf Kohle und Kernkraft, um Engpässe bei der Versorgung mit Öl und Erdgas zuverlässig auszugleichen. Das Land Nordrhein-Westfalen könne umfassend dazu beitragen, da man hier bereits über große Erfahrungen im Bergbau, Bergwerksmaschinenbau und in der Entwicklung der Kohlechemie und des Hochtemperaturreaktors verfüge.


Als Fazit fassen die Autoren der Denkschrift zusammen:

1. Durch das rasante Wirtschaftswachstum in China, Indien und anderen Schwellenländern habe die weltweite Nachfrage nach Öl derart zugenommen, dass das Angebot an konventionellem Öl nicht mehr Schritt halten könne. Öl werde zwar in absehbarer Zeit die Nummer eins unter den Energieträgern bleiben, aber mit steigender Nachfrage immer knapper und teurer werden.

2. Die Nutzung regenerativer Energiequellen hätte zwar – nicht zuletzt durch die Subventionierung – in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Aber alle bekannten Studien gingen davon aus, dass sie nur einen begrenzten Beitrag zur weltweiten Energieversorgung leisten könne. Sie könnte nicht die sich abzeichnenden großen Engpässe in der Ölversorgung kompensieren.

3. Bei Stromerzeugung in mit fossilen Brennstoffen befeuerten Kraftwerken sei anzustreben, sowohl deren Wirkungsgrad höchstmöglich zu steigern, als auch Verfahren zu entwickeln, die das Treibhausgas Kohlendioxid für die Umwelt möglichst unschädlich deponieren. Dies sei nicht zuletzt für den riesigen Neubaubedarf von Kraftwerken in China und Indien von großer Bedeutung.

4. Für eine sichere Energieversorgung sollten alle verfügbaren Energiequellen genutzt werden, da nur so ein Gesamtkonzept realisiert werden könne. Der Kernenergie sei dabei besondere Bedeutung beizumessen, wobei die heutigen Kernreaktoren langfristig gegen solche ersetzt werden sollten, die etwa auch gegen terroristische Angriffe und andere große Störfälle bestmöglich gesichert sind.

5. Vielversprechend sei auch der Hochtemperaturreaktor: Er diene nicht nur der Stromerzeugung, sondern könne auch Prozesswärme bei hohen Temperaturen liefern. Das ermögliche Prozesse in der Chemie, bei der Kohlevergasung oder der Wasserstoffgewinnung, die fossile Energieträger einsparen.

6. Es werde keine undifferenzierte Verlängerung der Laufzeiten für deutsche Kernkraftwerke empfohlen. Vielmehr sollten alle europäischen Kernkraftwerke sicherheitstechnisch neu bewertet und eine gemeinsame Strategie der weiteren Nutzung erarbeitet werden.

7. Das Land Nordrhein-Westfalen könne durch seine Tradition im Braun- und Steinkohlebergbau, seine international gefragte Zulieferindustrie für den Bergbau, seine jahrzehntelange Erfahrung im Bau und bei dem Betrieb von Braun- und Steinkohlekraftwerken und der Kohlechemie sowie in Anbetracht seiner Vorreiterrolle bei der Entwicklung des Hochtemperaturreaktors umfassend zur Lösung der Energieprobleme beitragen.

Die Denkschrift kann auf der Internet-Homepage der Akademie heruntergeladen werden.


Kontakt
Bernhard Scharfenberger
Referent in der Geschäftsstelle der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften
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40217 Düsseldorf
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E-Mail: Bernhard.Scharfenberger@akdw.nrw.de
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