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GARCHING. Komplexe Systeme und Prozesse in der Physik, Materialforschung, Strömungsdynamik, Astrophysik, Chemie sowie in den Geo- und Biowissenschaften zu erforschen, ist heute ohne Computer-Simulationen kaum noch denkbar. Mit dem neuen Höchstleistungsrechner im frisch eingeweihten Neubau des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften jedoch sind die Forscher international konkurrenzfähig: Ihnen steht einer der weltbesten Computer zur Verfügung.
Der Rechner schafft in seiner ersten Ausbaustufe über 26 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde, in der zweiten Ausbaustufe Ende 2007 werden es mehr als doppelt so viele sein. Er ist damit auf Platz 13 in der Rangliste der schnellsten Computer der Welt, in Deutschland sogar auf Platz 2.
Mit dieser Rechenleistung lassen sich besonders gut komplexe Systeme simulieren seien es nun Strömungen in porösen Gebilden, die Entstehung und Ausbreitung von Schall, Hochtemperatur-Supraleitung, chemische Reaktionen bei Verbrennungs- und Katalyseprozessen, die Ausbreitung von seismischen Wellen und Erdbeben oder auch die Beziehungen zwischen Sequenz, Struktur und Funktion bei Proteinen. Voraussetzung für die Nutzung des Rechners ist eine positive Begutachtung des jeweiligen Projektes durch ein Expertengremium.
Darüber hinaus betreibt das Leibniz-Rechenzentrum das Münchner Wissenschaftsnetz und ist mit anderen Rechenzentren vernetzt. Es bildet gemeinsam mit den Höchstleistungsrechenzentren in Jülich und Stuttgart den europaweit größten Rechnerverbund. Die gleichberechtigten Standorte sollen im internationalen Wettbewerb eine Spitzenposition einnehmen.
Der Neubau des Leibniz-Rechenzentrums der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ist der modernste und mit ca. 5.700 qm Hauptnutzfläche und ca. 5.000 qm Funktionsfläche der größte Neubau eines wissenschaftlichen Rechenzentrums in Deutschland. Er ist architektonisch in drei große Bereiche unterteilt:
- Rechnerwürfel: Hier sind der Höchstleistungsrechner, die Server für Netz- und IT-Dienste, Linux-Cluster und die umfangreichen Datenarchive sowie die aufwendige technische Infrastruktur zur Elektrizitätsversorgung und Kühlung in einem markanten, würfelförmigen Bau untergebracht. Es gelten erhöhte Sicherheitsansprüche. Die Stromversorgung ist für 2 Megawatt Rechnertechnikbedarf und 2 Megawatt Klimatechnikbedarf ausgelegt. Es stehen unterbrechungsfreie Stromversorgungen zur Verfügung. Ausgefeilte Sicherheits- und Feuerlöschsysteme sorgen für Schutz der technischen Anlagen. Erweiterungen für zukünftige Anforderungen im Klima-, Strom und Rechnerbetrieb sind jederzeit möglich.
- Institutsgebäude: Im Institutsbereich befinden sich die Arbeits- und Laborräume der ca. 170 Mitarbeiter. Das Erdgeschoss ist für den Publikumsverkehr vorgesehen.
- Hörsaal- und Seminargebäude: Das neue LRZ-Gebäude verfügt über einen Hörsaal (120 Sitzplätze) und mehrere Seminar- und Kursräume. Dieser Bereich wird vor allem von Studenten und Wissenschaftlern der Münchner Hochschulen im Rahmen von LRZ-Veranstaltungen und Kursen genutzt werden.
Das neue Gebäude des Leibniz-Rechenzentrums und der Höchstleistungsrechner wurden am 21. Juli 2006 durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, den Bayerischen Ministerpräsidenten, Dr. Edmund Stoiber, und den Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Thomas Goppel, eingeweiht. Das LRZ ist eine Einrichtung der Kommission für Informatik der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und versteht sich als modernes Dienstleistungsunternehmen im wissenschaftlichen Bereich. Es verbindet über das ebenfalls von ihm betriebene Münchner Wissenschaftsnetz die zentralen Server und Systeme der Münchner Hochschulen und anderer wissenschaftlicher Einrichtungen wie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Max-Planck-Institute, der Fraunhofer-Gesellschaft etc.
Die Kosten für den Neubau des Leibniz-Rechenzentrums und die Installation des Höchstleistungsrechners von insgesamt rund 82 Millionen Euro wurden vom Bund und dem Freistaat Bayern gemeinsam finanziert.
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Martin Schütz
Pressereferent der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
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