Kreationismus kontra Naturwissenschaft - Evolutionsforschung heute
67 Wissenschaftsakademien und der Verband deutscher Biologen engagieren sich für eine wissenschaftlich fundierte Evolutionsbiologie

BERLIN. Die Wissenschaft vom Ursprung und der Entwicklung der Lebewesen darf nicht den Kreationisten überlassen werden, sondern muss auf wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen beruhen, fordern die Akademienunion und 66 weitere Akademien der Wissenschaften in einem Statement des InterAcademy Panel. Der Verband deutscher Biologen (VdBiol) unterstützt diese Stellungnahme.


Die Evolutionsbiologie darf in Schulen nicht zugunsten des sogenannten Kreationismus vernachlässigt werden. Wie führende Wissenschaftler von insgesamt 67 Wissenschaftsakademien weltweit – darunter auch die Akademienunion – in einem Statement des InterAcademy Panel (IAP) fordern, dürfen die Dokumente und experimentellen Ergebnisse über die Ursprünge und die Entwicklung des Lebens auf der Erde weder verschleiert noch verneint werden. Eltern und Lehrer sollten darauf achten, dass Schulkinder einen Zugang zu wissenschaftlich gesicherten
Informationen über die Evolution haben und nicht stattdessen kreationistische Theorien gelehrt werden, die einer wissenschaftlichen Basis entbehren.

Design in Gottes Namen

Die Kreationisten behaupten entgegen den Erkenntnissen der Evolutionsbiologie, dass die Welt und damit alle Formen des Lebens vor weniger als 10.000 Jahren von Gott erschaffen wurden und sich seither nur noch wenig und im Rahmen der sogenannten Grundtypen mikroevolutionär verändert haben („Jedes nach seiner Art.“). Die Makroevolution dagegen, also die Entstehung neuer Baupläne des Lebens in Jahrmillionen, bestreiten die Kreationisten. Zum Teil werden ihre Thesen bereits unter dem Titel „Intelligent Design“ in amerikanischen Schulen unterrichtet.

Die Deklaration des globalen Netzwerkes IAP fordert außerdem, dass allen Kindern dieser Welt die Methoden und Errungenschaften der Wissenschaften zugänglich gemacht und das Verständnis für die Naturwissenschaften gefördert werden sollen. Nur das Wissen über die Natur der Dinge, von denen wir umgeben sind, ermögliche es dem Menschen, seine Umwelt zu erhalten bzw. wiederherzustellen, so dass sie den menschlichen Bedürfnissen gerecht wird.

Entstehung und Evolution des Lebens auf unserer Erde werden durch zahlreiche Beobachtungen und unabhängige experimentell begründete Resultate von einer Vielzahl von wissenschaftlichen Disziplinen belegt. Auch wenn es noch viele offene Fragen über Einzelheiten der evolutionären Veränderungen gibt, so haben die Geologie, Paläontologie und die Biowissenschaften in enger Kooperation zu diesen Erkenntnissen geführt.

Gemeinsamkeiten ohne das Evolutionsprinzip schwer zu erklären

Die vorliegenden Erkenntnisse lassen den Schluss zu, dass die Erde vor etwa 4,5 Milliarden Jahren entstanden ist und dass das Leben auf unserem Planeten vor etwa 3,5 Milliarden Jahren begonnen hat. Von diesen 3,5 Milliarden Jahren gehörte die sauerstofffreie Erde für 2 Milliarden Jahre ausschließlich den Mikroorganismen, den Vorläufern der heutigen Bakterien. Durch ihre ernormen Stoffwechselaktivitäten wurde die Erde für höhere Organismen bewohnbar gemacht, Sauerstoff reicherte sich mit der Evolution der Cyanobakterien (Blaualgen) und schließlich der Grünpflanzen in der Atmosphäre an.

Es gibt Gemeinsamkeiten aller lebenden Organismen auf unserer Erde, die ohne das Evolutionsprinzip nur sehr schwer zu erklären wären, wie beispielsweise die universelle Verbreitung des genetischen Codes und von Reaktionen des Energiestoffwechsels. Auch die Kraftwerke unserer Zellen, die Mitochondrien, sind auf einer früheren Evolutionsstufe der Tiere und Pflanzen aus urtümlichen Bakterien hervorgegangen, was nur mit einer durchgehenden Evolution von Einzellern bis zum Menschen in Einklang zu bringen ist.

Das Konzept der Evolution ist aber nicht allein Sache der Naturwissenschaften. Das menschliche Verständnis von Werten und der Sinnhaftigkeit des Lebens liegt außerhalb der Reichweite der Naturwissenschaften und eröffnet die Einbringung von sozialen, philosophischen, religiösen, kulturellen und politischen Aspekten in das Wissen über die Evolution.

„Diese grundlegende Theorie der Lebenswissenschaften sollte zum Allgemeinwissen zählen“

Prof. Dr. Gerhard Gottschalk, Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, sagt: „Ich hoffe, dass diese Stellungnahme diejenigen unterstützen wird, die versuchen, die Rechte der jungen Leute auf den Zugriff auf korrektes Wissen über den Ursprung und die Evolution der Erde sicherzustellen.“

Das IAP-Statement wird außerdem vom Verband deutscher Biologen (Vdbiol) unterstützt. Prof. Dr. Ulrich Kutschera, der Vizepräsident des Verbandes, kommentierte die klare Positionierung: „Es gibt heute keinerlei Zweifel mehr daran, dass Evolution stattgefunden hat und andauert. Die moderne Evolutionstheorie beschreibt und erklärt diesen realhistorischen Prozess des Andersartigwerdens der Organismen im Verlauf der Jahrmillionen. Daher sollte diese grundlegende Theorie der Lebenswissenschaften zum Allgemeinwissen zählen und im Biologieunterricht ausführlich behandelt werden.“

IAP-Statement on the Teaching of Evolution

We, the undersigned Academies of Sciences, have learned that in various parts of the world, within science courses taught in certain public systems of education, scientific evidence, data, and testable theories about the origins and evolution of life on Earth are being concealed, denied, or confused with theories not testable by science. We urge decision makers, teachers, and parents to educate all children about the methods and discoveries of science and to foster an understanding of the science of nature. Knowledge of the natural world in which they live empowers people to meet human needs and protect the planet.

We agree that the following evidence-based facts about the origins and evolution of the Earth and of life on this planet have been established by numerous observations and independently derived experimental results from a multitude of scientific disciplines. Even if there are still many open questions about the precise details of evolutionary change, scientific evidence has never contradicted these results:

  1. In a universe that has evolved towards its present configuration for some 11 to 15 billion years, our Earth formed approximately 4.5 billion years ago.
  2. Since its formation, the Earth – its geology and its environments – has changed under the effect of numerous physical and chemical forces and continues to do so.
  3. Life appeared on Earth at least 2.5 billion years ago. The evolution, soon after, of photosynthetic organisms enabled, from at least 2 billion years ago, the slow transformation of the atmosphere to one containing substantial quantities of oxygen. In addition to the release of the oxygen that we breathe, the process of photosynthesis is the ultimate source of fixed energy and food upon which human life on the planet depends.
  4. Since its first appearance on Earth, life has taken many forms, all of which continue to evolve, in ways which palaeontology and the modern biological and biochemical sciences are describing and independently confirming with increasing precision. Commonalities in the structure of the genetic code of all organisms living today, including humans, clearly indicate their common primordial origin.

We also subscribe to the following statement regarding the nature of science in relation to the teaching of evolution and, more generally, of any field of scientific knowledge:

Scientific knowledge derives from a mode of inquiry into the nature of the universe that has been successful and of great consequence.

Science focuses on (i) observing the natural world and (ii) formulating testable and refutable hypotheses to derive deeper explanations for observable phenomena. When evidence is sufficiently compelling, scientific theories are developed that account for and explain that evidence, and predict the likely structure or process of still unobserved phenomena.

Human understanding of value and purpose are outside of natural science’s scope. However, a number of components – scientific, social, philosophical, religious, cultural and political – contribute to it. These different fields owe each other mutual consideration, while being fully aware of their own areas of action and their limitations.

While acknowledging current limitations, science is open ended, and subject to correction and expansion as new theoretical and empirical understanding emerges.

Kontakt
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Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
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Tel.: 030 / 325 98 73 70
E-Mail: hoenig@akademienunion-berlin.de
Internet: www.akademienunion.de
und www.interacademies.net/CMS/6159.aspx

Die Arbeitsgruppe Evolutionsbiologie des VdBiol finden Sie im Internet unter
www.evolutionsbiologen.de.



Redaktion
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Dr. Annette Schaefgen
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