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Von Myriam Hönig
BERLIN. „Im Jahr der Geisteswissenschaften 2007 bleibt es nicht bei Lippenbekenntnissen. (…) Ein Erfolg (…) ist (…), dass für das grundlagenorientierte Akademienprogramm nach Jahren der Überrollung ein Aufwuchs von 3 Prozent vorgesehen ist. Damit ziehen die Akademien mit den im Pakt für Forschung einbezogenen Forschungsorganisationen gleich (…).“ Die Parlamentarier Ilse Aigner und Klaus-Peter Willsch verkündeten diese Nachricht im Namen der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages nach ersten Haushaltsberatungen des Bundes für das Jahr 2007; parallel dazu berieten Bundes- und die Ländervertreter in den entsprechenden Gremien über die weitere Entwicklung des Akademienprogramms als einem der Eckpfeiler langfristiger geisteswissenschaftlicher Grundlagenforschung in Deutschland. Der Wissenschaftsrat, der das Forschungsprogramm evaluiert und 2004 seine Empfehlungen dazu abgegeben hatte, befasste sich zustimmend mit einem ersten Umsetzungsbericht zu dem eingeleiteten Reformprozess; und die Akademienunion informierte die Forschungspolitiker aus Bund und Ländern über denselben. Vieles in diesem Sommer drehte sich um das gemeinsame Forschungsprogramm der deutschen Akademien der Wissenschaften, und das so Gerhard Gottschalk, der Präsident der Akademienunion auch völlig zu recht.
Seitdem sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft aus der Finanzierung langfristiger geisteswissenschaftlicher Forschungsprojekte zurückgezogen hat, ist das Akademienprogramm das einzige noch verbliebene Förderinstrument für die geisteswissenschaftliche Langzeitforschung in Deutschland. Vom Wissenschaftsrat insgesamt positiv evaluiert, wird es von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften koordiniert. Nachdem die Finanzierung des Akademienprogramms über mehrere Jahre hinweg stagnierte und das gesamte Forschungsprogramm sogar von einem drastischen Abbau bedroht war, soll es nun gemäß den Empfehlungen des Wissenschaftsrates geöffnet, ausgebaut und zu einem zentralen Förderinstrument für die geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung in Deutschland weiterentwickelt werden. Das Jahr 2007 wird das erste eines geöffneten Programms sein.
Und es waren in der Tat spannende Projektanträge, die die Akademienunion erreichten: eine Enzyklopädie jüdischer Kulturen war dabei, ferner die Erforschung von Papsturkunden des Mittelalters, eine Quellenedition zur Konfessionsbildung in der frühen Neuzeit, aber auch ein digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache und die Erforschung der deutsch-russischen Wissenschaftsbeziehungen im 19. Jahrhundert um nur wenige Beispiele zu nennen. Ziel der Akademienunion ist es, künftig jährlich rund 15 positiv evaluierte Neuvorhaben aufnehmen zu können. Sie sollen den aktuell knapp 160 innerhalb des Akademienprogramms laufenden Forschungsprojekten (von denen allein in diesem Jahr elf planmäßig beendet werden) zur Seite gestellt werden, so dass mittelfristig eine wohlausgewogene Mischung zwischen neuen und noch andauernden Vorhaben entsteht.
Im September und Oktober werden die Gremien der Bund-Länder-Kommission über die Weiterentwicklung des Akademienprogramms beraten. Mit der sich nunmehr abzeichnenden notwendigen finanziellen Absicherung dieses Forschungsprogramms wird es in Deutschland auch künftig möglich sein, die Grundlagen des kulturellen Erbes der Menschheit auf hohem Niveau zu erforschen, zu dokumentieren und dadurch zu bewahren. Dies ermöglicht die Entstehung von Orientierungswissen in Form von Nachschlagewerken, wie z.B. Wörterbüchern, und Editionen, die weltweit gerne genutzt werden und als Flaggschiffe geisteswissenschaftlicher Forschung gelten. Weil solch umfassende Werke meist eines langen Atems und d.h. einer kontinuierlich über mehrere Jahre hinweg geförderten Arbeit bedürfen, haben sie ihre Heimstätte in den deutschen Akademien der Wissenschaften gefunden, die hierfür die besten Bedingungen bieten können. Ihr Ziel ist es, nicht nur, aber auch im Jahr der Geisteswissenschaften 2007 gemeinsam mit den Zuwendungsgebern aus Bund und Ländern ein Zeichen zu setzen für die grundlegende Bedeutung der geisteswissenschaftlichen Forschung in Deutschland. Nach der anfangs geschilderten ereignisreichen Sommerzeit hofft die Akademienunion, hierbei auf gutem Wege zu sein.
Kontakt
Myriam Hönig,
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften,
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