Haydn-Bearbeitungen nach 210 Jahren erstmals wieder zu hören

Von Dr. Gabriele Buschmeier


MAINZ. Schottische Volksliedbearbeitungen von Joseph Haydn, die bisher nur wenig bekannt sind und vermutlich seit ihrer Entstehung kaum aufgeführt wurden, konnte man kürzlich im Landtag Rheinland-Pfalz hören.

In einem Gesprächskonzert wurden die kaum bekannten Lieder durch das Haydn Trio Eisenstadt und die Sopranistin Lorna Anderson eindrucksvoll vorgestellt. Dass die Volksliedbearbeitungen im Schaffen Joseph Haydns (1732 - 1809) einen überraschend großen Bereich umfassen, erläuterten Dr. Armin Raab und Dr. Andreas Friesenhagen, beide Mitarbeiter der Haydn-Gesamtausgabe. Das mit Mitteln des Akademienprogramms geförderte Projekt, das im Joseph Haydn-Institut Köln angesiedelt ist, wird von der Mainzer Akademie im Auftrag der Union betreut.

Schottische Volkslieder erlebten im 18. und frühen 19. Jahrhundert in Schottland, vor allem aber in England, einen Boom. Einige Verleger gewannen prominente europäische Komponisten als Bearbeiter für ihre Liedsammlungen. Dass ein Komponist wie Haydn es sich nicht nehmen ließ, schottische Lieder zu bearbeiten, belegt, wie hoch das Ansehen und damit auch die Bezahlung dieser Arbeiten waren. Haydn schrieb zwischen 1792 und 1804 im Auftrag von drei schottischen Verlegern, William Napier, George Thomson und William Whyte, über 400 Bearbeitungen. In der Gesamtausgabe werden diese Werke Haydns erstmals sämtlich ediert. Auf dieser Basis wurde eine Auswahl der Lieder für William White, die jetzt erstmals seit ihrer Erstveröffentlichung erneut publiziert werden, nach über 210 Jahren im Landtag wieder zu Gehör gebracht.

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