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Von Prof. emer. Dr. Hans-Walter Heldt
GÖTTINGEN. Die grüne Gentechnik ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Nur zehn Jahre nach der Einführung werden bereits auf 5 Prozent der globalen Ackerflächen gentechnisch veränderte (GV) Pflanzen angebaut, wobei allein zwischen 2003 und 2005 etwa 30 Prozent dazukamen. So wurden 2005 auf 60 Prozent der Fläche der weltweit angebauten Sojabohnen, 28 Prozent der Baumwolle, 18 Prozent des Rapses und auf 14 Prozent der mit Mais angebauten Flächen gentechnisch veränderte Sorten verwandt.
Gentechnisch veränderte, herbizidresistente Pflanzen haben es ermöglicht, dass für die erforderliche Unkrautbekämpfung weniger und zugleich umweltverträglichere Herbizide eingesetzt werden. Bei manchen herbizidresistenten Kultivaren (z.B. Soja) konnte auf das Pflügen verzichtet werden, was die Bodenerosion verminderte. Der Anbau von GV-insektentoleranten Pflanzen erlaubte in den meisten Fällen eine Verminderung des Einsatzes von Pestiziden, Gifte, die unspezifisch schädliche wie nützliche Insekten töten und auch für den Menschen zu schweren Schäden, ja zum Tode führen können. Man sollte es als einen Gewinn ansehen, wenn durch den Einsatz von GV-Sorten „weniger Chemie auf den Acker kommt“. Große Hoffnungen werden auf die in fortgeschrittener Entwicklung befindlichen Salz- und Trocken-resistenten Kulturpflanzen gesetzt. Sie könnten in Drittweltländern, wie z.B. Ägypten, einen wichtigen Beitrag zu einer dringend benötigten Ausweitung der Agrarflächen leisten.
Der Anbau von GV-Sorten ist nicht nur hochprofitabel für große Ackerflächen, wie vor allem in verschiedenen amerikanischen Staaten, sondern auch für Kleinbauern in Entwicklungs- oder Schwellenländern. Als ein Beispiel sei der Baumwollanbau in China angeführt: Hier bewirtschaften Kleinbauern eine durchschnittliche Ackerfläche von 0,4 Hektar. 70 Prozent dieser Kleinbauern bauen inzwischen GV-Baumwollsorten an. Obwohl das entsprechende Saatgut dreimal so teuer ist wie konventionelles, haben diese Bauern einen erheblichen Gewinn durch Einsparungen bei Pestiziden, niedrigerem Arbeitseinsatz und höheren Ernten.
Die Zulassung von GV-Sorten unterliegt einer sehr rigiden Kontrolle, um Risiken für Umwelt und Verbraucher auszuschließen. Horrorszenarien über Umweltschäden, wie sie von Gentechnik-Gegnern verbreitet wurden, haben sich nicht bestätigt. Dies gilt auch für die Voraussagen über eine Gesundheitsschädlichkeit, durch die heute immer noch die Mehrheit der Bevölkerung der pflanzlichen Gentechnik ablehnend gegenübersteht. Seit fast zehn Jahren haben vor allem in der neuen Welt Hunderte von Millionen Menschen Produkte aus GV-Pflanzen verzehrt, ohne dass dabei über wissenschaftlich belegte Schäden berichtet wurde. Bezeichnend ist, dass es bisher keine erfolgreichen gerichtlichen Verbraucherklagen gegen den Verzehr von GV-Produkten gab. Auch die langjährige Verfütterung von GV-Produkten an Tiere zeigte keine Schäden. Die viel geforderten Langzeitversuche über die Verträglichkeit von GV-Produkte sind somit längst erfolgt.
Bei keinem Lebensmittel, ob traditionell erzeugt, aus dem Biolandbau oder aus GV-Pflanzen, gibt es eine absolute Sicherheit gegen Gesundheitsrisiken. Man denke nur an die allergene Wirkung, die von vielen traditionellen Lebensmitteln ausgeht. Die Fachwelt ist sich darüber einig, dass Lebensmittel aus GV-Pflanzen nicht ungesünder sind als herkömmliche Lebensmittel.
Aus globaler Sicht ist es nicht sehr bedeutend, wenn deutsche Landwirte den Vorteil, den GV-Sorten ihnen bieten würden, nicht nutzen, und wenn Verbraucher in Deutschland GV-Lebensmittel ablehnen. Bedeutend ist dies jedoch für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland. Die pflanzliche Gentechnik wurde zu einem großen Teil in Deutschland entwickelt, aus Deutschland stammt die erste Publikation über eine gentechnisch veränderte Pflanze. Diese Entdeckung hat zur Entwicklung größerer Industrien für den weltweiten Absatz von Saatgut geführt. Die deutsche Öffentlichkeit, verängstigt durch unsachliche Kampagnen von Umweltorganisationen, hat es durch die Ablehnung der Grünen Gentechnik, der Politiker nur zu willig gefolgt sind, vermocht, dass Deutschland heute an dieser wichtigen Zukunftstechnologie nur einen relativ kleinen Anteil hat. Wieder einmal eine verpasste Gelegenheit!
Dies hat auch zur Folge, dass unsere gut ausgebildeten Studentinnen und Studenten der Pflanzenwissenschaften zu einem großen Teil in Deutschland nicht gebraucht werden und daher ins Ausland abwandern, wo sie sehr willkommen sind.
Können wir uns solch einen Verlust unserer Intelligenz leisten?
Der Autor Prof. emer. Dr. Hans-Walter Heldt ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und Vorsitzender der Kommission Grüne Gentechnik der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
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