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MAINZ. Wenn ein Künstler mit der Nationalelf der Fußball-Weltmeisterschaft entgegenfiebert, entsteht Spielkultur besonderer Art. Bei Ludwig Harig sowieso. Seit 1974 verfolgt der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller dichtend das Geschehen auf dem Rasen und definiert das Verhältnis von Ball und Kopf neu. Am 22. Juni 2006, um 19 Uhr, liest er in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz Fußballsonette aus seinem neuen Band „Die Wahrheit ist auf dem Platz“ und andere Texte rund um den Ball. Spielfreude ist garantiert.
Der Countdown ist im Gang
Verdrängungswettbewerb! So meldet es die Zeitung.
Ein starkes Team muß her mit Mut und Tatendrang,
das Kämpfen Mann für Mann, das Zieh'n am gleichen Strang.
Moralische Doktrin bestimmt die Vorbereitung.
Auch harte Fitneßtests stehn unter strenger Leitung:
perfekter Doppelpaß, der Eckstoß kurz und lang.
Es gibt noch viel zu tun, der Countdown ist im Gang.
Seid alle ihr bereit zur letzten Überschreitung?
Zwei Mann im Trainingsdreß, ein Herr im feinen Zwirn:
Am Fußballhorizont ein helles Dreigestirn
mit Klinsmann, Bierhoff, Löw erleuchtet unser Hoffen.
Ein Sternentrio, doch ein Leib, ein Herz, ein Hirn.
Die drei der dritten Art, die unsern Sinn verwirrn!
Ganz Deutschland zittert mit, es ist noch alles offen.
Aus: Ludwig Harig, Die Wahrheit ist auf dem Platz. Fußballsonette © 2006 Carl Hanser Verlag, München Wien. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Carl Hanser Verlages.
Ludwig Harig wurde 1927 in Sulzbach im Saarland geboren und arbeitete von 1950 bis 1974 als Volksschullehrer. Neben literarischen Texten und Übersetzungen brachte er Mitte der sechziger Jahre die Erfahrungen des experimentellen Autors ins „Neue Hörspiel“ ein und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Erneuerer dieser Gattung. Fußballkunst für Fans entdeckte Harig 1974 für sich, als er mit „Netzer kam aus der Tiefe des Raumes“ seinen „notwendigen Beitrag zur Fußballweltmeisterschaft 1974“ anbrachte. Populär wurde er auch durch sein Hörspiel „Das Fußballspiel“. Harig wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Marburger Literaturpreis, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden und dem Friedrich-Hölderlin-Preis. Er ist seit 1982 Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz.
Kontakt:
Petra Plättner
Referentin der Klasse der Literatur
der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz
Geschwister-Scholl-Str. 2
55131 Mainz
Tel.: 06131/577102
Petra.Plaettner@adwmainz.de
www.adwmainz.de
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