|
HEIDELBERG. Was Bäume uns erzählen können, versteht Michael Friedrich besonders gut. Anhand ihrer Jahrringe kann er ermitteln, wann die Römer von Hochwassern heimgesucht wurden, wie schnell sich das Klima am Ende der letzten Eiszeit wandelte oder wann eine steinzeitliche Pfahlbausiedlung errichtet wurde. Der Mitarbeiter der Heidelberger Forschungsstelle für „Radiometrische Altersbestimmung von Wasser und Sedimenten“ und des Hohenheimer Jahrringkalenders berichtet über diese Zeitreisen am 25. April 2006 in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
Um zu wachsen, braucht ein Baum Licht, Wasser und Wärme. Findet er diese Bedingungen vor, so entwickelt er einen breiten, kräftigen Jahresring. Wird sein Wachstum hingegen behindert etwa durch einen Waldbrand, eine Überschwemmung, einen trockenen Sommer oder zu frostigen Winter bildet er allenfalls einen kleinen Ring aus.
Für die Wissenschaftler des Jahrringlabors am Institut für Botanik der Universität Hohenheim bilden diese typischen Schwankungen im Wachstum die Grundlage ihrer Analyse. Sie haben den umfangreichsten Jahrringkalender der Welt erstellt: Er reicht von heute an gerechnet 12.460 Jahre in die Vergangenheit zurück. Und sogar 14.400 Jahre sollen es bald werden. Für die Forscher sind die Baumringe wichtige Umwelt- und Klimaarchive, aus denen sie die Unbilden der letzten Eiszeit ebenso rekonstruieren können wie etwa einen Waldbrand im Mittelalter.
Doch sie ermitteln nicht nur, welche Klimaschwankungen in der Vergangenheit „normal“ waren. Ihr hölzernes Klimaarchiv bietet auch eine Grundlage dafür, die derzeitige Temperaturkurve des Globus besser einzuschätzen. Gerade für die Diskussion, inwieweit der gegenwärtige Treibhauseffekt auf menschliche Einflüsse zurückzuführen ist, liefern sie wichtige Daten.
Auch für die Archäologen sind ihre Archive von Bedeutung: Anhand des Jahrringkalenders können sie das Holz von Fachwerkhäusern und Kirchen, Musikinstrumenten, urgeschichtlichen Pfahlbauten oder späteiszeitlichen Kiefernstämmen präzise datieren.
Auf eine solche Zeitreise nimmt Michael Friedrich von der Heidelberger Forschungsstelle für „Radiometrische Altersbestimmung von Wasser und Sedimenten“ die Zuhörer am 25. April 2006, 18.15 Uhr, im Vortragssaal der Heidelberger Akademie der Wissenschaften mit.
Michael Friedrich promovierte nach seinem Studium der Agrarbiologie an der Universität Hohenheim über die Dendrochronologie der Späteiszeit. Seit 1989 arbeitet er zusätzlich zu seiner Forschungsarbeit, die er in der Heidelberger Akademie erbringt, im Hohenheimer Jahrringlabor. Dessen fachliche Leitung übernahm er 2001. Zu seinen Aufgaben zählt neben der Pflege und Erweiterung der Hohenheimer Jahrringchronologien die Auswertung dieses Archivs zur Rekonstruktion von Umwelt und Klima.
Kontakt:
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Karlstr. 4
69117 Heidelberg
Tel.: 06221 / 54 34 00
johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
www.haw.baden-wuerttemberg.de
|